Samstag, 20. Juli 2019

Sparquote Rücklagen für die Krise

Die Deutschen sparen so viel wie seit 14 Jahren nicht mehr. Die privaten Haushalte haben im ersten Halbjahr durchschnittlich 180 Euro pro Monat auf die hohe Kante gelegt, das sind zehn Euro mehr als im Vorjahr. Insgesamt wurden fast 89 Milliarden Euro beiseite gelegt - auch, um für den Konjunkturabschwung gewappnet zu sein.

Wiesbaden - Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass die Bundesbürger derzeit so viel Geld sparen wie lange nicht mehr. Umgerechnet 11,3 Prozent der verfügbaren Einkommen würden sie beiseite legen. Das ist die höchste Sparquote seit 1994. Experten gehen davon aus, dass die Sparquote angesichts der drohenden Rezession weiter steigt.

Deutsche Sparbücher: Bundesbürger legen mehr Geld auf die hohe Kante
"Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes nimmt zu", sagte der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensens. Die führenden Wirtschaftsinstitute gehen deshalb in ihrem Herbstgutachten davon aus, dass die Sparquote 2009 bei einem deutlichen Abschwung nochmals um einen halben Punkt steigt.

Das Statistikamt wagte dagegen keine Prognose. "Wie sich die aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten auf das Sparverhalten auswirken werden, kann erst in den nächsten Monaten beurteilt werden", hieß es.

Die Sparquote klettert bereits seit dem Jahrtausendwechsel kontinuierlich, nachdem sie 1999 mit 9,2 Prozent noch den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung erreicht hatte. Carstensens führt das auf höhere Aufwendungen für die private Altersvorsorge zurück. "Das ist staatlich gewollt und wird auch gefördert, etwa durch die Riester-Rente", sagte der Ifo-Experte. Staatliche Renten und Pensionen reichten in Zukunft nicht mehr aus, um den Lebensstandard im Alter zu sichern. Eine höhere private Vorsorge sei deshalb sinnvoll.

Nach Angaben der Bundesbank haben die Deutschen 2007 insgesamt rund 133 Milliarden Euro neu an Geldvermögen gebildet oder an Schulden getilgt. Aufgebaut wurde der Bestand vor allem durch Geldanlagen bei Banken (86 Milliarden Euro) und Versicherungen (54 Milliarden Euro) sowie durch den Kauf von Investmentzertifikaten (25 Milliarden Euro). Nicht gefragt waren dagegen Wertpapieranlagen wie Aktien und Rentenpapiere: Ihr Bestand wurde um 59 Milliarden Euro reduziert.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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