Einzelhandel Konsum konzentriert sich auf Toplagen

Trotz Finanzkrise, Konjunkturschwäche und Konsumflaute rangeln sich Einzelhändler europaweit um Verkaufsflächen in bester Lage. Dafür zahlen sie nach wie vor steigende Mieten, wie eine Untersuchung zeigt. Abseits der Prachtboulevards sieht es allerdings schon ganz anders aus.

Kaufzurückhaltung? Auf Europas Prachtboulevards ist davon offenbar nicht viel zu spüren. Die Einzelhändler drängeln sich jedenfalls nach wie vor darum, an den besten Adressen präsent zu sein - und sind bereit, entsprechende Mieten dafür zu bezahlen.

Das geht aus aktuellen Zahlen hervor, die das internationale Maklerhaus Jones Lang LaSalle (JLL) veröffentlicht hat. Das Beratungsunternehmen hat für die 100 wichtigsten Einkaufsmeilen in 25 europäischen Ländern die Entwicklung der Mietpreise untersucht.

Ergebnis: Fast überall blieben die Mieten im zweiten Quartal 2008 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stabil. In vielen Fällen stiegen sie sogar an, wobei es mitunter zu erheblichen Aufschlägen kam. An der Istanbuler Istiklal Street etwa müssen die Händler 2008 bei Neuabschlüssen zum Teil beinahe 30 Prozent mehr Miete akzeptieren, als noch ein Jahr zuvor. Ähnliche Verteuerungen gab es an der Ermou Street in Athen (plus 33,3 Prozent) und an der Na Prikope in Prag (plus 30,4 Prozent). Den Aufwärtstrend der osteuropäischen Metropolen belegt laut JLL zudem die Mietentwicklung in Kiew, deren Kreshchatik St bereits auf Platz acht im europäischen Ranking liegt.

An dessen Spitze befinden sich weiterhin mit Abstand die Champs Élysées in Paris, wo ein Quadratmeter Ladenfläche etwa 615 Euro Miete pro Monat kostet. Es folgen die Moskauer Toplage Stoleshnikov Lane (585 Euro) und die New Bond Street in London (565 Euro). Die Münchner Toplage Kaufingerstraße belegt als teuerste Einkaufstraße Deutschlands Rang 5 im europäischen Vergleich. 300 Euro pro Quadratmeter und Monat müssen Händler berappen, die dort ihre Ware feil bieten wollen.

Nach Ansicht von Jones Lang LaSalle wird sich an der Situation auch künftig nicht viel ändern - trotz Vertrauenskrise an den Finanzmärkten, trotz Verunsicherung der Konsumenten, trotz nahender Konjunkturflaute. Nach Angaben eines JLL-Sprechers sind die Mieten an Europas Spitzenlagen seit 20 Jahren stabil. Das werde auch so bleiben, weil es auch in schlechten Zeiten immer Unternehmen gebe, die erfolgreich expandieren und ihre Lagen verbesserten.

"Insgesamt erwarten wir weiterhin stabile Spitzenmieten in den europäischen Top-Einkaufsstraßen", meint auch James Dolphin, Head of European Retail Agency bei JLL in London. "Der Grund hierfür ist, dass die zurückhaltende Konsumneigung durch den anhaltend starken Wettbewerb um die besten Einzelhandelsflächen ausgeglichen wird."

Die Kehrseite der Medaille: Von den nicht so guten Einzelhandelslagen wissen die Experten von JLL weit weniger positives zu berichten. "Die Stabilität der Mieten beschränkt sich auf die erstklassigen Lagen der Metropolen sowie auf gut profilierte Mittelstädte", sagt der JLL-Sprecher. "Denn dort gibt es vor allem aus der Textil-, der Telekom- und der Schuhbranche immer noch zahlreiche Handelsunternehmen, die erfolgreich expandieren und um die begrenzten Flächen konkurrieren." Beispiele sind die Beleidungsspezialisten H + M, Zara und Esprit sowie der Schuhhändler Deichmann.

In 1-B-Lagen dagegen, so der Sprecher, komme es immer öfter zu Schwierigkeiten bei der Neu- oder Weitervermietung von Flächen. "Vor allem aus der Textilbranche fällt hier zunehmend Nachfrage weg", so der Experte.

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