Short Squeeze Kursverdopplung bei VW

Die Volkswagen-Aktie verbucht heute als einziger Dax-Wert Kursgewinne - und zwar mehr als deutliche. Seit Handelsbeginn hat sich das Plus auf fast 100 Prozent vergrößert. Grund sind offenbar Leerverkäufer, die nach einer Mitteilung von Porsche eilig ihre Positionen glatt stellen.

Frankfurt am Main - Aktien von Volkswagen  sind gegen den erneut sehr schwachen Markttrend deutlich angesprungen. Auf dem Weg zur Mehrheitsübernahme hat Porsche  laut einer Meldung vom Sonntag seinen Anteil am Wolfsburger Autobauer auf 42,6 Prozent aufgestockt. Auf weitere 31,5 Prozent kann das Unternehmen ebenfalls zugreifen. "Die Folge ist ein massiver Short-Squeeze", sagte ein Börsianer - also der panikartige Rückkauf von leer verkauften Beständen.

VW-Stammaktien sprangen um fast 100 Prozent von 210 Euro auf über 410 Euro an. Für den Dax  ging es dagegen um 2,45 Prozent oder auf 4190,40 Punkte nach unten. Ohne die Kursgewinne des Autobauers würde der Verlust sogar rund 7,6 Prozent betragen. Porsche-Aktien verloren 8,99 Prozent auf 41,89 Euro.

Hintergrund: Nach der Mitteilung vom Sonntag besitzt die Porsche Holding derzeit 42,6 Prozent der Volkswagen-Stammaktien. Zudem verfüge Porsche über 31,5 Prozent cash gesettelte Optionen auf Volkswagen-Stammaktien zur Kurssicherung. In der Summe ergebe dies 74,1 Prozent, hieß es weiter. Porsche habe sich zur Offenlegung entschlossen, weil deutlich mehr Short-Positionen im Markt seien als erwartet.

Die Information der Besitzverhältnisse solle Finanzinstituten, die auf einen fallenden VW-Kurs gewettet haben oder noch wetten, Gelegenheit geben, ihre Positionen in Ruhe und ohne größeres Risiko aufzulösen. Von dieser Ruhe kann jedenfalls heute keine Rede sein.

Ziel ist es laut Porsche, im kommenden Jahr auf 75 Prozent aufzustocken und damit den Weg für einen Beherrschungsvertrag freizumachen. Es bleibe dabei, dass Porsche noch im November oder Dezember die 50-Prozent-Hürde bei Volkswagen nehmen wolle.

Einem Händler zufolge sind im vergangenen Monat rund 15 Prozent der Stammaktien an Leerverkäufer verliehen gewesen. Zur Eindeckung stehe den auf fallende Kurse setzenden Spekulanten unter Berücksichtigung der Informationen vom Wochenende jetzt nurmehr ein echter Streubesitz von 5,9 Prozent zur Verfügung.

Hintergrund: Weitere 20,2 Prozent der VW-Aktien liegen im Besitz des Landes Niedersachsen. Daran hat sich in den vergangenen Wochen allen Gerüchten zum Trotz offenbar nichts geändert. "Wir haben das VW-Gesetz, wir haben die Satzung, die unabhängig vom VW-Gesetz ist, und die kann nur mit 80 Prozent geändert werden", sagte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff am Montag in Berlin. "Wir haben 20,2 Prozent, insofern ist da auch viel Säbelrasseln."

Kursziel 911 Euro

Analyst Michael Punzet von der DZ Bank reagierte mit einer spekulativen Kaufempfehlung auf die Porsche-Mitteilung: "Auch wenn die VW-Aktie aus fundamentaler Sicht überbewertet ist, erwarten wir nach der gestrigen Meldung von Porsche massive Short Eindeckungen. Wir ändern daher unser Rating von Verkaufen auf "spekulativ" Kaufen. Da in einem solchen Short Squeeze Szenario jedes "Kursziel" aus der Luft gegriffen erscheinen muss, haben wir dieses auf 911 Euro festgesetzt."

Im Falle eines weniger günstigen Umfelds rechnet Analyst Daniel Schwarz von der Commerzbank  damit, dass Porsche für einen Teil der Optionen einen Barausgleich wählen und sich mit 50 Prozent der Stimmrechte begnügen könnte.

"Bei einem angenommenen Basispreis von 80 Euro läge der Erlös für Optionen auf 25 Prozent der Stammaktien beim letzten Schlusskurs von 211 Euro bei 9,7 Milliarden Euro", rechnet der Experte vor. "Die Marktkapitalisierung von Porsche beträgt dagegen nur acht Milliarden Euro." Er stuft Porsche mit "Buy" beim Kursziel 70 Euro ein.

Mit Blick auf Porsche klaffen die Bewertungen der Analysten jedoch weit auseinander. "Abhängig von der Einschätzung für VW kann die Anteilserhöhung entweder deutlich wertschöpfend oder massiv verwässernd gesehen werden - wir gehen von Letzterem aus", schrieb Adam Jonas von von Morgan Stanley. Er rät zum "Underweight" mit Ziel 58 Euro.

Porsche weitet seinen Verschuldungsgrad deutlich aus, um ein Unternehmen zu kaufen, dass hohe Verluste verzeichnen wird, sollten sich das wirtschaftliche Umfeld nicht schnell verbessern. "Mehr als 69 Euro je VW-Stammaktie zu bezahlen bedeutet Wertvernichtung."

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx