Krisenticker VW-Aktie spielt verrückt

Die Bochumer Krankenversicherung Knappschaft hat 90 Millionen Euro bei der Pleitebank Lehman Brothers angelegt. Die internationalen Finanzmärkte bekommen weitere Nackenschläge aus den USA. Verfolgen Sie den Krisenticker auf manager-magazin.de

22.33 Uhr: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat auf einer Veranstaltung der SPD Korrekturen am Bankenrettungspaket abgelehnt. Es erstaune ihn, sagte er, dass einige Banker zusätzliche Anreize für die Hilfen forderten. Bisher haben nur wenige Institute erklärt, das Paket nutzen zu wollen.

21.11 Uhr: Die Börsenergebnisse aus den USA treffen ein - und spiegeln die Konjunktursorgen der amerikanischen Wirtschaft wider. Nach einer Berg- und Talfahrt hat der Dow-Jones-Index (Kurswerte anzeigen) 2,4 Prozent tiefer geschlossen, bei 8175 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 hat 3,2 Prozent auf 848 Zähler abgegeben. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  fiel knapp drei Prozent auf 1505 Punkte.

20.59 Uhr: Die Münchener Direktbank DAB  teilt mit, dass sie von Juli bis September 2008 einen Nettoverlust von 14,23 Millionen Euro verkraften musste. Im Vorjahr hatte die Tochter der HypoVereinsbank  noch einen Überschuss von 4,3 Millionen Euro erwirtschaftet.

Die Verluste entstanden laut Bankinformationen durch die Neubewertung des 3,5 Milliarden Euro umfassenden Anlageportfolios der Bank. Allein die Anpassungen nach dem Crash von Lehman Brothers kostete die DAB gut 28 Millionen Euro. Die Jahresprognose ist damit Makulatur, man könne aber jetzt "unbelastet in das vierte Quartal gehen", sagte Vorstand Alexander von Uslar der Nachrichtenagentur Reuters.

19.21 Uhr: Die US-Regierung prüft laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, den amerikanischen Autoherstellern auch Autokredite abzukaufen. Das könnte eine weitere Möglichkeit zur Stützung der angeschlagenen Autobranche des Landes sein, neben Subventionen zur Förderung, die bereits länger im Gespräch sind. Laut dem bericht zieht die Regierung auch direkte Finanzhilfen für eine Fusion von General Motors  und Chrysler in Betracht. General Motors will den Bericht nicht kommentieren.

19.02 Uhr: Das Büro des britischen Premierministers Gordon Brown teilt mit, dass es am Dienstag ein Krisentreffen zwischen Brown und dem französischen Präsidenten, Nikolas Sarkozy, in Paris geben wird. Damit wollen sich beide Staatsmänner auf das G-20-Gipfeltreffen am 20. November vorbereiten, auf dem nach staatenübergreifenden Lösungen für die Finanzmarktkrise gesucht werden soll. Am Donnerstag will sich Brown in London auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen.

18.46 Uhr: Erneut wird der Fall einer institutionellen Anlage bei der Pleitebank Lehman Brothers bekannt. Die Bochumer Krankenversicherung Knappschaft hat 90 Millionen Euro bei der deutschen Tochter des Geldhauses angelegt. Das bestätigte eine Sprecherin nach einem Bericht des "Westdeutschen Rundfunks. Das Geld soll aber über den Einlagensicherungsfonds geschützt sein, sodass den Versicherten keine Nachteile entstünden.

18.31 Uhr: Der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hanns-Eberhard Schleyer, hat angesichts der nachlassenden Konjunktur den Verzicht auf die Kfz-Steuer für Neuwagen gefordert. "Der Staat sollte bei Neuwagen für zwei oder drei Jahre auf die Kfz-Steuer verzichten, zumal ich befürchte, dass wir in dieser Legislaturperiode keine Neuregelung der Kfz-Steuer mehr bekommen", sagte Schleyer der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Dienstagausgabe).

18.14 Uhr: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sieht trotz der aktuellen Finanzkrise keine Kreditklemme für die deutsche Wirtschaft. "Wir haben keine Kreditklemme in Deutschland, wir haben eine Verschlechterung von Kreditkonditionen", sagte der SPD-Politiker am Montagabend in Berlin. "Was schlimm genug ist", fügte er hinzu.

17.59 Uhr: Dank des Kursfeuerwerks bei Volkswagen (Kurswerte anzeigen) schließt der Dax (Kurswerte anzeigen) im Xetra-Handel bei 4335 Punkten mit 0,9 Prozent im Plus.

17.30 Uhr: Nach ihrem fulminanten Kurssprung um zeitweise 200 Prozent auf unglaubliche 630 Euro gibt die VW-Aktie einen Teil ihrer Gewinne wieder ab und pendelt sich bei der Marke von 500 Euro ein. Damit hat die VW-Aktie den gesamten Dax ins Plus gezogen. Keine andere Aktie aus dem Leitindex hat heute zugelegt. Dies ist einmalig in der Geschichte des Index.

Wall Street nur kurz im Plus

17.10 Uhr: Die Aktie von Volkswagen  baut ihre Kursgewinne auf sagenhafte 200 Prozent aus und steigt zeitweise über die Marke von 630 Euro. Am Freitag hatte die Aktie noch bei 210 Euro geschlossen. Die Kursexplosion infolge des Short Squeeze hebt den gesamten Aktienindex Dax ins Plus.

Grund für den steilen Kursanstieg bei VW: Leerverkäufer, die auf einen fallenden Kurs bei VW gewettet haben, müssen ihre Positionen um jeden Preis schließen und die Aktie zurückkaufen. Auslöser für diesen panikartigen Short Squeeze war die Ankündigung von Porsche, seinen Anteil bei VW weiter zu erhöhen.

16.30 Uhr: Nach zwei Stunden Handel mit starken Ausschlägen reduziert der Dow Jones  seine Verluste und notiert wieder um den Vortagesschluss. Der Dax  folgt dem US-Leitindex und dreht am Nachmittag sogar kurzzeitig ins Plus. Am Vormittag hatte der Dax zeitweise noch rund 5 Prozent im Minus notiert.

15.45 Uhr: Die Ölpreise haben ihre Talfahrt ungeachtet der Opec-Beschlüsse zum Wochenbeginn fortgesetzt. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Dezember kostete am Montag im Handelsverlauf 62,09 Dollar. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Dezember fiel um 2,06 Dollar auf 59,99 Dollar.

Der Ölmarkt bleibe trotz der deutlichen Förderkürzung der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) unter Druck, betonte eine Analystin. Ein Rückgang des US-Ölpreises unter die Marke von 60 Dollar scheine nur noch eine Frage der Zeit. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Montag kostete ein Barrel (159 Liter) aus den Fördergebieten des Kartells am Freitag im Durchschnitt 57,57 US-Dollar. Das war der niedrigste Preis seit März 2007.

An deutschen Tankstellen ist Benzin trotz sinkender Ölpreise im Vergleich zur Vorwoche nicht billiger geworden. Bei Aral kostete der Liter Super am Montag im deutschlandweiten Durchschnitt rund 1,27 Euro je Liter, wie ein Aral-Sprecher in Bochum sagte. Auch der Diesel-Preis sei mit 1,25 Euro unverändert geblieben.

15 Uhr: An der New Yorker Wall Street drehen die wichtigsten Indizes kurzzeitig ins Plus, nachdem sie zunächst mit Verlusten in den Handel gestartet waren. Der Dow Jones  hatte zunächst rund 150 Zähler abgegeben, notierte um 15 Uhr jedoch 0,2 Prozent im grünen Bereich. Wegen der Umstellung auf die Winterzeit in Europa beginnt der Handel in New York derzeit bereits um 14.30 Uhr MEZ.

Japanische Bank im Strudel

13.45 Uhr: Die Aktie der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen) baut ihre Verluste auf mehr als 15 Prozent aus und droht unter die Marke von 25 Euro zu fallen. Im Sommer 2007 hatte sie noch über 100 Euro notiert. Als Gründe für den Kurssturz nannten Händler die geplante Kapitalerhöhung der Postbank , bei der die Deutsche Bank jüngst eingestiegen ist. Zudem belastet der erneute Kursrutsch bei Aktien aus dem Finanzsektor in Asien, nachdem große Häuser wie die Mitsubishi UFJ Financial Group sowie Sumitomo Kapitalbedarf angekündigt hatten.

12.55 Uhr: Die größte japanische Bank Mitsubishi UFJ Financial will sich mit einer kräftigen Kapitalerhöhung gegen den Ausverkauf an den Börsen wappnen. Mit der Ausgabe neuer Aktien peilt das Geldhaus nach eigenen Angaben vom Montag Erlöse von umgerechnet knapp neun Milliarden Euro an. Medienberichten zufolge planen auch der Branchenzweite und -dritte Mizuho und Sumitomo Mitsui Financial Group  Kapitalerhöhungen über jeweils rund 4 Milliarden Euro.

12.38 Uhr: Die schwedische Zentralbank greift einem angeschlagenen Geldinstitut mit einem Kredit von einer Milliarde Kronen (99 Millionen Euro) unter die Arme. Die Carnegie Investment Bank sei in Liquiditätsschwierigkeiten geraten, hieß es. Die Aktie der Bank fiel zum Mittag um rund 60 Prozent. Zugleich kündigte die Swedbank, eine der vier größten Finanzgruppen Schwedens, eine Kapitalerhöhung an.

12 Uhr: Im Handelssaal der Frankfurter Börse kommt es zu Tumulten. Aktivisten der Organisation Attac hängen ein Transparent mit der Aufschrift "Finanzmärkte entwaffnen - Mensch und Umwelt vor Shareholder-Value" vor die Dax-Kurstafel und werfen Flugblätter in den Saal.

Die Händler schauen ratlos und verunsichert nach oben, während der Dax (Kurswerte anzeigen) seinen Kurssturz fortsetzt. Nach wenigen Minuten greift das Sicherheitspersonal ein und drängt die Protestler hinaus.

VW-Aktie verdoppelt sich binnen zwei Stunden

10.50 Uhr: Die Aktien von Volkswagen  bauen ihre Kursgewinne zeitweise auf 100 Prozent aus. Auf dem Weg zur Mehrheitsübernahme hat Porsche laut einer Meldung vom Sonntag seinen Anteil am Wolfsburger Autobauer auf 42,6 Prozent aufgestockt. "Die Folge ist ein massiver Short Squeeze", sagte ein Börsianer. So genannte Short Seller, die auf fallende Kurse bei VW spekuliert und die VW-Aktie in den vergangenen Tagen leer verkauft hatten, müssen nun so rasch wie möglich die Aktie zurückkaufen, um Verluste zu begrenzen. Ohne die Kursexplosion bei Volkswagen würden die Verluste im Dax  deutlich höher ausfallen: Das Minus im Dax würde nicht 4 Prozent, sondern rund 7 Prozent betragen.

10 Uhr: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich weiter verschlechtert. Wie das Münchner Ifo-Institut am Montag mitteilte, sank der Ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober auf 90,2 Punkte. Im September hatte er noch bei 92,9 Punkten gelegen. Die Unternehmen bewerten den Angaben zufolge zwar ihre derzeitige Lage nahezu unverändert, sehen die Entwicklung in den kommenden sechs Monaten aber "erheblich skeptischer". Der Teilindex, der die Geschäftserwartungen der befragten Unternehmen widergibt, ist sogar auf ein 15-Jahres-Tief gefallen. "Der Rückgang bei den Erwartungen war der stärkste in der gesamtdeutschen Geschichte", heißt es in einer Analyse der Dekabank.

09.15 Uhr: Der Dax  startet mit einem Verlust von 5,1 Prozent in den Handel und fällt auf 4076 Punkte. Neben dem Kurssturz in Asien belastet auch die geplante Kapitalerhöhung der Postbank.

Postbank braucht eine Milliarde Euro frisches Kapital

0 8.40 Uhr: Die Postbank  schockt die ohnehin nervösen Anleger mit einer Ad-hoc-Mitteilung: Das Institut plant nach einem schweren Quartalsverlust eine Kapitalerhöhung in Höhe von rund einer Milliarde Euro und will die Dividende streichen.

Die Bank mit den meisten Privatkunden in Deutschland musste im dritten Quartal ein Minus vor Steuern von 449 Millionen Euro hinnehmen, wie das Institut am Montag in Bonn mitteilte. Allein 364 Millionen Euro davon entfielen auf Lehman-Engagements. In den ersten neun Monaten dieses Jahres hat das Institut einen Verlust von 112 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Kernkapitalquote der Postbank lag Ende September nur noch bei 5,5 Prozent - bei anderen deutschen Banken liegt sie deutlich höher.

Dennoch scheint die Postbank lieber eine Kapitalerhöhung am Markt durchzuführen, als Bedarf nach Geld aus dem staatlichen Rettungsfonds anzumelden. Kürzlich war die Deutsche Bank bei der Postbank eingestiegen und plant, bis zum ersten Quartal 2009 29,75 Prozent an der Postbank zu erwerben.

08.30 Uhr: Die Stimmung an der Börse in Frankfurt verdüstert sich weiter. Nach vorbörslicher Indikation wird der Dax  zum Handelsstart 3,5 Prozent abgeben und unter die Marke von 4200 Zählern fallen. Bereits am Freitag hatte der Index rund 5 Prozent verloren. An den Börsen in Asien ging der Ausverkauf unterdessen weiter.

Nikkei fällt auf tiefsten Stand seit 26 Jahren

08.15 Uhr: Bankenwerte wie die Deutsche Bank  und die Commerzbank  stehen zum Wochenstart erneut im Fokus. In Tokio hatten große Finanzhäuser wie UFJ Financial stark nachgegeben, weil Anleger neue Milliardenabschreibungen befürchten. Dies hatte den Nikkei  am Montag auf den tiefsten Stand seit Oktober 1982 gedrückt.

Unterdessen wächst der Druck auf die Banken, das staatliche Rettungspaket in Anspruch zu nehmen. Bisher haben nur die drei Landesbanken BayernLB, HSH und WestLB angekündigt, von dem Hilfsangebot Gebrauch zu machen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat die Bankmanager davor gewarnt, aus falschem Prestige-Denken die staatlichen Hilfen nicht in Anspruch zu nehmen.

"Ich hielte es für unverantwortlich, wenn ein Bankvorstand den Schutzschirm des Staates nicht in Anspruch nehmen und so vorsätzlich einen Zusammenbruch seines Instituts in Kauf nehmen würde", hatte Steinbrück am Sonntag gesagt.

08 Uhr: Der Dax  wird zu Wochenbeginn seine Talfahrt zunächst fortsetzen. Broker rechnen zum Handelsstart des Dax mit einem Minus von bis zu 2,3 Prozent, nachdem der deutsche Leitindex am Freitag bereits rund fünf Prozent verloren hatte. Die US-Börsen hatten am Freitag nach Handelsschluss in Europa ihre Verluste ausgeweitet: Der Dow Jones war 3,6 Prozent im Minus bei 8378 Punkten aus dem Handel gegangen.

Montag, 07 Uhr: In Asien stürzen die Indizes weiter ab. Der Nikkei-Index gab am Montag um 6,4 Prozent nach, der Leitindex in Hongkong brach um 8 Prozent ein. Im indischen Bombay verlor der Leitindex Sensex 6 Prozent. In Manila gab der Leitindex um 12,3 Prozent auf 1713 Zähler nach.

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