Finanzmarkt In Kollapsgefahr

Finanzminister Peer Steinbrück hat die Bundesbürger vor der Wucht der Finanzkrise gewarnt. Die Geldmärkte drohten weiterhin zusammenzubrechen. Noch könne niemand Entwarnung geben. Wirtschaftsminister Michael Glos fürchtet gar, dass die Krise jetzt auch das Rückgrat der deutschen Wirtschaft erreicht habe.

Berlin - Die Finanzmärkte laufen nach Einschätzung von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück weiter Gefahr zu kollabieren. "Die Gefahr eines Zusammenbruchs ist noch lange nicht vorüber. Jede Entwarnung wäre falsch", sagte der SPD-Politiker der "Bild am Sonntag". Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) zufolge hat die Finanzkrise den Mittelstand erreicht.

Eine direkte Verknappung von Krediten sei zwar noch nicht spürbar, sagte er der "Wirtschaftswoche". "Wir beobachten aber Einzelfälle, bei denen Kredite von gefährdeten Instituten nicht mehr verlängert oder erneuert werden." Zudem würden teils Kreditlinien von Mittelständlern bei kleinsten Zahlungsunregelmäßigkeiten gekündigt.

Generell sei zu befürchten, dass im Zuge der Bilanzbereinigung Kredite für den Mittelstand zurückgefahren würden, sagte der CSU-Politiker. Sollte das Rettungspaket für die Banken nicht reichen, um die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen, müsse die Kreditanstalt für Wiederaufbau helfen. Die bundeseigene KfW werde "so mit Rücksicherungen ausgestattet, dass sie verbleibende Finanzierungsengpässe bei gesunden Betrieben überbrücken kann", kündigte Glos an.

Steinbrück sagte, er werde keinem Bürger Sand in die Augen streuen und sagen, alles sei unter Kontrolle. Auf die Frage, wie lange dies so bleiben werde, sagte der Minister, das Banken-Rettungspaket der Bundesregierung habe eine Laufzeit bis Ende 2009. "Und so lange werden wir es sicher auch benötigen."

Über mögliche Belastungen für den Bundeshaushalt durch das Rettungspaket von etwa 500 Milliarden Euro werde es erst zwischen 2010 und 2013 Klarheit geben, fuhr Steinbrück fort. Dann werde man sehen, ob das Paket echte Kosten verursache oder ob der Staat seine Anteile, die er von den Banken als Gegenleistung für Unterstützungsleistungen erhalten habe, so verkaufen könne, dass er Verluste ausgleichen könne.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger warnte davor, wegen der Finanzkrise den Reformkurs aufzugeben. "Es hilft jetzt nichts, den Leuten nach dem Mund zu reden", sagte der CDU-Politiker dem "SPIEGEL". "Wir brauchen eine Steuerreform, wir müssen das Bildungssystem verbessern, und dass der gegenwärtigen Gesundheitsreform schon bald die nächste folgen muss, ist auch offensichtlich."

manager-magazin.de mit Material von afp, dpa und reuters