Rettungspaket Neue Bilanzregeln entlasten Banken

Die gelockerten Rechnungslegungsvorschriften werden nach Ansicht der deutschen Finanzaufsicht zu spürbaren Entlastungen für die Banken führen. Die Institute in Deutschland können nun Bewertungsmodelle anwenden, die Verzerrungen von Marktwerten ausgleichen sollen.

Bonn - Für die großen Institute rechnet die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) damit, dass Lasten "in den Milliarden-Bereich hinein" in den Zahlen für das dritte Quartal aus den Bilanzen verschwinden könnten. Schönrechnen könnten sich die Institute ihre Bücher aber auch mit den neuen Regeln nicht. "Es führt nicht dazu, dass sich Quartalsergebnisse ins Gegenteil verkehren - es gibt aber einen Entlastungseffekt", prognostizierte BaFin-Exekutivdirektor Michael Sell am Donnerstag in Bonn.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatten die neuen Regelungen Mitte Oktober angekündigt. Dies ist eine Konsequenz aus der Finanzkrise, durch die viele Produkte nicht mehr handelbar wurden und abgeschrieben werden mussten. Die deutschen Banken und Versicherungen können die neuen Regeln schon für das dritte Quartal anwenden. Damit sollen auch Wettbewerbsnachteile im Vergleich zu US-Geldhäusern vermieden werden, für die mittlerweile weniger strikte Regeln gelten als in der Vergangenheit.

Die Institute in Deutschland können nun Bewertungsmodelle anwenden, die Verzerrungen von Marktwerten ausgleichen sollen. Früher musste der jeweilige Marktpreis in die Bücher genommen werden - was zu massiven Abschreibungen führte, nachdem viele Märkte zusammengebrochen und die Papiere nicht mehr handelbar waren. Nun könnten unter den Rechnungslegungsstandards IAS 39 und IFRS "Bewertungsspielräume" genutzt werden, erläuterte Sell. Mit rund einem Dutzend Banken und Versicherungen habe die BaFin bereits "Schattenrechnungen" mit den neuen Regeln vorgenommen. Diese hätten versichert, die Regeln seien ein Beitrag, die "Problematik zu beheben".

Zugleich seien die Vorschriften aber "keine Bilanzkosmetik", versicherte Sell. Bei "toxischen Papieren" würde sich nichts ändern - diese müssten weiter abgeschrieben werden. "Wir wollen nicht schlechte Papiere schönrechnen, aber qualitativ hochwertige Papiere sollen nicht mehr in den Strudel geraten", machte die BaFin deutlich.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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