EZB Signale für Zinserhöhung erwartet

Mit Spannung wird am Finanzplatz Frankfurt die erste Sitzung des Europäischen Zentralbankrates im Jahr 2000 erwartet. Experten rechnen mit Signalen für eine baldige Zinserhöhung im Gefolge der US-Notenbank.

Frankfurt am Main - Zwar rechnet niemand damit, dass die Währungshüter am Mittwoch gleich zu Beginn des zweiten Euro-Jahres erneut die Zinsen anheben werden. "Dennoch wird die Pressekonferenz spannend, weil sie erste Hinweise auf den Zeitpunkt des nächsten Zinsschrittes geben könnte", sagte BfG-Volkswirt Klaus Schrüfer am Dienstag.

US-Notenbankchef Alan Greenspan hatte jüngst durchblicken lassen, dass die amerikanische Zentralbank Fed schon bald gezwungen sein könnte, wieder an der Zinsschraube zu drehen. Als Gründe gab er die anhaltend brummende US-Konjunktur mit der Gefahr einer steigenden Teuerung an. Solche Sorgen bereiten dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, zwar kein Kopfzerbrechen. "Sollten die US-Zinsen weiter steigen, wird sich dem aber auch die EZB nicht entziehen können", prognostiziert Schrüfer.

Die meisten Volkswirte in den Zentralen der deutschen Großbanken erwarten die nächste Anhebung des wichtigsten Leitzinses im Euroland von derzeit drei Prozent schon Anfang März. Wie die meisten anderen erwarten die Commerzbank-Volkswirte allerdings nur eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte. Dresdner-Chefvolkswirt Klaus Friedrich geht von einem weiteren Zinsschritt in der zweiten Jahreshälfte aus.

Dresdner-Chefsvolkswirt: Straffere Geldpolitik würde anziehender Euroland-Konjunktur schaden

Dabei dürften die Währungshüter keinesfalls versuchen, dem am Devisenmarkt immer noch schwachen Euro mit einer Straffung ihrer geldpolitischen Zügel zu helfen. Ein starker Euro und ein hohes Zinsniveau wären nach seiner Einschätzung Gift für die anspringende Konjunktur in Europa. "Das wäre fatal, wenn wir einen stärkeren Euro für den Preis von höheren Zinsen bekämen", sagte Friedrichs. Nach einem Startkurs von 1,17 Dollar Anfang 1999 war der Euro binnen Jahresfrist auf die Dollarparität abgesackt, konnte sich aber am Dienstag bis auf rund 1,03 Dollar erholen.

Unabhängig von der Bewertung am Devisenmarkt hat sich der Euro nach Friedrichs Meinung aber längst bewährt. "Das historisch sehr niedrige Zinsniveau ist das wahre Zeichen der Stärke." Der schwache Außenwert der Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar habe der Exportwirtschaft zudem kräftige Impulse verliehen. Friedrichs schließt eine erneute Parität zur US-Währung nicht aus. Dennoch sei eine Negativstimmung an den Finanzmärkten gegen den Euro nicht gut. "Die Märkte haben den Euro im vergangenen Jahr schlecht behandelt. Das muss aufhören."