Absatzflaute Daimler erwartet düstere Zeiten

Der Autokonzern Daimler streicht zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Gewinnprognose zusammen. Statt sieben wird das Unternehmen in diesem Jahr wohl nur noch gut sechs Milliarden Euro verdienen. Zudem stoppt Daimler das Aktienrückkaufprogramm.

Stuttgart - Der Stuttgarter Autobauer Daimler  blickt angesichts der internationalen Finanzkrise düsteren Zeiten entgegen. Das Unternehmen habe angesichts schwacher Verkaufszahlen seine Gewinnerwartungen für dieses Jahr von sieben auf sechs Milliarden Euro gesenkt, teilte Daimler am Donnerstag in Stuttgart mit.

Im dritten Qurtal seien von der Marke Mercedes Benz insgesamt nur rund 282.000 Autos verkauft worden - acht Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn des Konzerns schrumpfte um fast 86 Prozent von rund 1,5 Milliarden Euro auf 213 Millionen Euro. Gut lief lediglich der Kleinwagen smart, von dem 20 Prozent mehr verkauft wurden.

Grund für die schwachen Zahlen sei der "abrupte Nachfragerückgang" der Autokäufer in Deutschland, den übrigen Staaten Europas und den USA, teilte Daimler mit. "Wir stehen vor einer Situation, die sehr herausfordernd ist", erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche. Die Bankenkrise habe sich bereits auf die Realwirtschaft ausgewirkt und für eine "weltweite Verunsicherung der Konsumenten geführt". Der Konzernumsatz sei um knapp acht Prozent von 25,7 Milliarden Euro auf 23,8 Milliarden Euro geschrumpft.

Auf das kommende Geschäftsjahr wollte der Stuttgarter Konzern keinen Ausblick geben. Wegen der Finanzkrise und deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft seien "Prognosen im derzeitigen Umfeld mit hoher Unsicherheit verbunden", teilte Daimler mit. Es sei unklar, wie schnell die Regierungen rund um den Globus die Finanzkrise in den Griff bekämen. Große Hoffnungen setze Daimler vor allem in den Verkauf kleinerer Modelle wie den Kleinwagen smart fortwo, den neuen Modellen seiner A- und B-Klasse sowie der C-Klasse. Vom smart verkaufte Daimler im dritten Qurtal mehr als 32.000 Fahrzeuge, was einem Plus von über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprach.

Nach Einschätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen seien in den kommenden Wochen auch von anderen deutschen Autobauern negative Nachrichten zu erwarten. "Die Auswirkungen der Finanzkrise treffen in der Realwirtschaft die Autohersteller zuerst", sagte Dudenhöffer. Viele Menschen seien angesichts der beunruhigenden Nachrichten von den Finanzmärkten verunsichert oder hätten selbst Geld mit Aktien verloren. "In einer solchen Situation helfen den Herstellern auch die schönsten Autos nichts". Die Politik sei gefordert, die Konjunktur wieder in Gang zu bringen.

Auch VW müsse in Teilen seies Geschäfts mit ähnlich schwachen Zahlen rechnen wie Daimler, sagte Dudenhöffer: "Die Marken Audi  und VW fahren zwar sicher, aber beispielsweise bei Seat muss man mit dem Schlimmsten rechnen". Auch bei BMW  laufe das Geschäft mäßig, jedoch habe der Konzern negative Überraschungen wie die Gewinnwarnung Daimlers bereits in früheren Qurtalsbilanzen vorweg genommen.

Auch bei den beiden Töchtern der US-Konzerne General Motors  und Ford  sehe es düster aus, sagte Dudenhöffer. "Bei Opel wird spätestens das vierte Quartal verheerend, und auch die Zahlen von Ford in Deutschland werden deutlich nach unten gehen". Daimler stellte am Mittwoch als erstes der im Dax notierten Unternehmen seine Bilanz für das dritte Qurtal vor.

manager-magazin.de mit Material von afp

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.