Hannover Rück Verluste verkündet

Der weltweit viertgrößte Rückversicherer Hannover Rück hat wegen der Kapitalmarktkrise sein Gewinnziel für das laufende Jahr gekippt. Und einen Verlust von 140 Millionen Euro in den ersten neun Monaten des Jahres 2008 verbucht.

Hannover - Die Finanzmarktkrise hat die Hannover Rück  in die roten Zahlen gedrückt. Der weltweit viertgrößte Rückversicherer verbuchte wegen der Schwäche der Märkte hohe Abschreibungen auf Aktien. Das für das Gesamtjahr in Aussicht gestellte Ziel einer Eigenkapitalrendite von über 15 Prozent sei nicht mehr erreichbar, teilte Hannover Rück am Dienstag mit. Für die ersten neun Monate des laufenden Jahres summiere sich der Fehlbetrag auf 140 Millionen Euro. "Das Ausmaß des Verlusts ist enttäuschend", analysierte NordLB-Branchenexperte Constantin Rohrbach.

"Dabei fielen die Abschreibungen bis Ende September an - also noch bevor die Börse richtig gecrashed ist." Für das vierte Quartal seien weitere erhebliche Verluste zu erwarten. Nachdem die Deutsche Börse  den Handel mit Hannover-Rück-Aktien rund eine Stunde ausgesetzt hatte, brachen die Papiere um zwölf Prozent ein, nachdem sie vor der Aussetzung zwei Prozent teurer als am Montag gehandelt worden waren.

Bis Ende September verbuchte Hannover Rück Abschreibungen und unrealisierte Verluste von 466 Millionen Euro. Davon entfiel mit 360 Millionen der Löwenteil auf Aktien. Dem stand ein Erlös von nur 77 Millionen Euro aus Kapitalanlagen gegenüber. Das Institut habe reagiert und den Anteil von Aktien im Anlageportfolio von zuletzt acht Prozent gesenkt. "Dennoch entstehen hier weitere Belastungen", prognostizierte die Hannover Rück. Zahlungen für die Behebung von Schäden aus Naturkatastrophen belasteten das Geschäft zudem überdurchschnittlich. Die US-Hurrikane "Gustav" und "Ike" - die insgesamt einen Schaden von 15 bis 20 Milliarden Dollar anrichteten - schlagen bei Hannover Rück mit 250 Millionen Euro zu Buche. 14 Prozent der Prämieneinnahmen musste der Rückversicherer bis Ende September zur Begleichung von Großschäden aufwenden. Normalerweise rechnet Hannover Rück nur mit zehn Prozent. Endgültige Quartalszahlen will das Institut am 5. November veröffentlichen.

Zu den künftigen Geschäftsaussichten äußerte sich der Konzern "verhalten optimistisch". Der Konzern gehe von teilweise deutlichen Steigerungen der Prämien aus, die Versicherungen wie HUK Coburg oder Aachen-Münchener derzeit für den Schutz vor übergroßen Risiken zahlen. "Für die Erneuerungsrunde 2009 wird mit guten Ergebnissen gerechnet", so das Institut. Grund ist, dass Versicherungen mehr Rückversicherungsschutz einkaufen müssen, da ihr eigenes Kapital angesichts der Finanzkrise zusammenschmilzt und sie daher weniger Risiken über ihren Selbstbehalt abdecken können.

Der große Konkurrent Münchener Rück  erwartet früheren Angaben von Finanzchef Jörg Schneider zufolge wie Hannover Rück weitere Abschreibungen auf ihr Anlageportfolio im zweiten Halbjahr. Eine Münchener-Rück-Sprecherin sagte jedoch, es gebe noch keine Zahlen des weltgrößten Rückversicherers für das dritte Quartal. Sie sollen am 7. November veröffentlicht werden. Im zweiten Quartal waren die Münchner bereits voll in den Abwärtsstrudel der Aktienmärkte geraten. Der Überschuss brach damals vor allem wegen des schwachen Kapitalanlageergebnisses um knapp die Hälfte ein. Im Gesamtjahr rechnet der Dax-Konzern nur noch mit einem Nettogewinn von "deutlich" über zwei (2007: 3,9) Milliarden Euro, nachdem zuvor 3,0 bis 3,4 Milliarden prognostiziert worden waren.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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