London Enthüllung im Morgengrauen

In London sollen angeblich Montagmorgen die Details der Pläne zur Stützung der Banken enthüllt werden. Wegen des Umfangs der Transaktionen - es geht um Kapitalspritzen von bis zu 50 Milliarden Pfund - könnte der Handel an der Londoner Börse gestoppt werden. Zudem wird spekuliert, welche Bankchefs im Trubel ihren Job verlieren.

London - Einige der größten britischen Banken werden voraussichtlich am Montagmorgen Details zu ihren geplanten Kapitalmaßnahmen mitteilen. Als Folge einer Beteiligung an dem Rettungsplan der britischen Regierung könnten dann auch einige Topmanager der Banken zum Rücktritt gezwungen werden, berichtet das "Wall Street Journal Europe" (WSJE) am Samstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Am Sonntag verhandelten die Banken noch in Krisengesprächen mit der Regierung und mit den Aufsichtsbehörden über Einzelheiten der Pläne, nach denen der britische Staat milliardenschwere Anteile an mehreren Institute übernehmen würde.

Großbritannien hatte 50 Milliarden Pfund Kapitalhilfen angeboten. Nach einem Bericht der "Sunday Times" könnte wegen des enormen Umfangs der Maßnahme der Handel an der Londoner Börse ausgesetzt werden.

Die London Stock Exchange (LSE) dämpfte jedoch entsprechende Erwartungen: "Nach meiner Information wird der Markt am Montag öffnen", sagte ein LSE-Sprecher. Die "Sunday Times" berichtete weiter, die Royal Bank of Scotland (RBS) , HBOS , Lloyds TSB  und Barclays  könnten zusammen 35 Milliarden Pfund beantragen.

In Branchen- und Analystenkreisen wurde geschätzt, dass RBS mindestens zehn Milliarden und HBOS mehr als fünf Milliarden Pfund benötigen könnten. Damit könnte der britische Staat der größte Eigner und sogar Mehrheitsaktionär bei diesen Instituten werden. Lloyds und Barclays Kapitalbedarf wurde auf etwa je drei Milliarden Pfund geschätzt.

Wie das WSJE schreibt, könnte infolge einer Kapitalerhöhung bei der RBS deren Chef Fred Goodwin zurücktreten. Intern habe er sich bereits für einen Rücktritt bereit erklärt, um den Weg für eine Kapitalerhöhung frei zu machen. Die britische Zeitung "Observer" schreibt am Sonntag, dass neben Goodwin auch Chairman Tom McKillop innerhalb der nächsten Wochen möglicherweise sein Amt abgeben wird.

Barclays erwägt Kapitalerhöhung

Ein RBS-Sprecher wollte sich gegenüber dem Journal nicht zu den Informationen äußern. Die anderen Banken waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Barclays hatte am Freitag mitgeteilt, eine Reihe von Optionen zur Aufstockung ihres Kernkapitals (Tier 1 Capital) zu prüfen. Zu den in Erwägung gezogenen Möglichkeiten gehöre auch eine Kapitalerhöhung. Diese Überlegungen stünden im Zusammenhang mit den Verpflichtungen der britischen Banken, ihr Kernkapital um 25 Milliarden Pfund aufzustocken, hieß es.

Damit war das Londoner Institut die erste der vier großen britischen Banken, die sich zu möglichen Optionen in diesem Zusammenhang geäußert hat. Am Mittwochmorgen hatte das britische Finanzministerium einen Rettungsplan für die acht größten Banken des Landes bekannt gegeben. Die Finanzhäuser können demnach ihr Kernkapital aufbessern, indem sich Großbritannien über stimmrechtslose Vorzugsaktien an ihnen beteiligt.

In Paris diskutieren die Euro-Länder am Sonntag ihrerseits über Rettungspakete für ihre Finanzinstitute. Großbritannien gehört nicht zur Eurozone. In Deutschland warb Bundeskanzlerin Angela Merkel für Verständnis für entsprechende Milliardenhilfen.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dj

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