Zuflüsse Run auf Sparkassen und Volksbanken

Kursstürze, Bankschieflagen, Rezessionsangst: Die Bundesbürger haben genug von der Krise und bringen ihr Geld in Sicherheit. Dabei wenden sie sich an einen Teil des Geldgewerbes, der schon ins Abseits geraten war: Die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken. In den vergangenen Wochen gingen dort Milliardensummen ein.

Hamburg - Die Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken sind offenbar Gewinner der Finanzkrise. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge dürften die Spareinlagen der Institute seit September um mehrere Milliarden Euro gestiegen sein.

Hintergrund: Angesichts der heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten und vor allem der rasanten Talfahrt, die Aktienkurse an den Börsen rund um den Globus in den vergangenen Tagen und Wochen erlebt haben, suchen immer mehr Anleger nach einem sicheren Hafen für ihr Geld. Sie entdecken dabei offensichtlich jenen Sektor des Geldgewerbes wieder, der lange Zeit aus der Mode gekommen war: Das regionale Kreditgewerbe der öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Institute.

Bundesweit melden der SZ zufolge Vertreter dieses Segments, dass Kunden Gelder von Direktbanken, Privatbanken und Autobanken zu ihnen umschichten. Es gehe nicht nur um kleine Beträge, die Summen bewegten sich zwischen 50.000 und 300.000 Euro, heißt es.

"Vor einiger Zeit konnte man ja als Kreditinstitut nicht international genug sein, zitiert die Zeitung eine Sprecherin des Sparkassen und Giroverbandes (DSGV). Modern war nur derjenige, der wirklich an internationalen Finanzplätzen aktiv war." Nun finde offenbar ein Bewusstseinewandel statt.

Allein die bayrischen Volks- und Raiffeisenbanken verzeichneten dem Bericht zufolge seit dem 1. Oktober einen Nettogeldzufluss von 1,8 Milliarden Euro. Ähnlich sei die Lage bei den Sparkassen: Allein die Hamburger Sparkasse, die größte Sparkasse Deutschlands, habe seit dem 15. September Zuwächse in Höhe von 500 Millionen Euro verzeichnet.

Hintergrund: Die Kunden fühlen sich bei den öffentlich-rechtlichen Instituten sowie den Genossenschaften aus gutem Grunde gut aufgehoben. Denn die Einlagensicherung der Institute geht weit über das gesetzliche Mindestmaß von 20.000 Euro je Anleger hinaus. Vielmehr helfen sich die Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken im Rahmen der so genannten Institutssicherung beziehungsweise des Institutsschutzes im Krisenfall gegenseitig. So sind theoretisch alle Einlagen unbegrenzt geschützt. Bisher hat das nach Angaben von Branchenvertretern auch immer geklappt.

Für zusätzliches Vertrauen sorgt die Generalzusage vom Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), die Einlagen bei allen deutschen Banken und Sparkassen seien sicher, dafür übernehme der Staat die Gewähr.

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