Bankaktien 3.000.000.000.000 Dollar - einfach weg

Zwischenbilanz: Die Boston Consulting Group hat ausgerechnet, wie teuer die Kursstürze bei Bankaktien in den vergangenen Monaten für die Anleger bereits waren. Unterm Strich steht ein gigantischer Vermögensverlust von rund drei Billionen Dollar. Den größten Teil davon haben laut Studie die Aktionäre deutscher Banken verbucht.

Hamburg - Wäre es nicht so ein ernstes Thema, könnte man fast meinen, die Boston Consulting Group (BCG) hätte sich beim Titel ihrer neuesten Studie eine wenig Ironie erlaubt. "Creating Value in Banking 2008" steht auf der Analyse, in der die Unternehmensberatung aufzeigt, wie sich die Marktkapitalisierung der Banken weltweit in den vergangenen Monaten entwickelt hat. Werte wurden dabei jedenfalls nicht geschaffen.

Im Gegenteil: In den ersten neun Monaten dieses Jahres fiel die Marktkapitalisierung des weltweiten Bankensektors laut BCG von 8,3 Billionen US-Dollar auf 5,7 Billionen US-Dollar um sage und schreibe 2,6 Billionen US-Dollar . Seit Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007 beläuft sich die Kapitalvernichtung sogar auf rund drei Billionen Dollar. Und dabei sind die heftigen Kursstürze der vergangenen Tage noch nicht einmal berücksichtigt.

"Infolge der Finanzkrise wurde das Wachstum der vergangenen drei Jahre vernichtet", kommentiert Lars-Uwe Luther, BCG-Partner, die Studie, für die eine Stichprobe von Banken, die zusammen mehr als 75 Prozent der gesamten weltweiten Marktkapitalisierung ausmachen, analysiert wurde. "Der Börsenwert des Bankensektors steht jetzt wieder auf dem Stand von Ende 2004."

Die Folge der Kurserosion: Die durchschnittliche Aktienrendite im Bankensektor rutschte in den vergangenen Monaten tief in den roten Bereich. Laut BCG fiel der TSR (= Total Shareholder Return, also Kursgewinne und Dividenden) seit Jahresanfang um 34 Prozentpunkte auf minus 32,5 Prozent. Damit liegt der Wert etwa 60 Prozentpunkte unter dem durchschnittlichen Wert des Jahres 2006, schreibt die Unternehmensberatung.

Verglichen mit dem Gesamtmarkt erzielten laut BCG in den ersten neun Monaten lediglich die Maschinenbauwerte mit minus 35,5 Prozent eine niedrigere Aktienrendite. Die durchschnittliche Rendite über alle Branchen sank im fraglichen Zeitraum um 42 Prozentpunkte auf minus 27 Prozent.

Die Verteilung der Verluste auf die Länder überrascht allerdings: Laut BCG sind Aktionäre der deutschen Institute besonders heftig vom Bankencrash betroffen. Der TSR von Deutscher Bank , Commerzbank , Postbank  und Co. sei mit durchschnittlich minus 45,1 Prozent in diesem Jahr der niedrigste im internationalen Vergleich. Auch der Rückgang von 39 Prozentpunkten deutet darauf hin, dass die Kursstürze hierzulande massiver waren als anderswo.

Warum die deutschen Banken so schlecht dastehen

Warum die deutschen Banken am schlechtesten dastehen

Zum Vergleich: Die Aktienrendite der US-Bankaktien fiel laut BCG um 0,3 Prozentpunkte auf "lediglich" minus 21,3 Prozent - obwohl die schlimmsten Nachrichten in den vergangenen Monaten von der Wall Street kamen (Verstaatlichung von Fannie Mae  und Freddie Mac , Untergang der Investmentbanken inklusive Lehman-Pleite  und Verkauf von Merrill Lynch , Sanierung der US-Banken mit 700 Milliarden US-Dollar aus dem Staatssäckel). Für die britischen Bankwerte ging es laut BCG um 9,6 Prozentpunkte auf minus 25 Prozent abwärts.

"In den Medien werden vor allem die Probleme der großen US-Banken beleuchtet", erläutert BCG-Experte Luther. "In unsere Untersuchung wurden alle wesentlichen börsennotierten Institute betrachtet, von denen einige deutlich weniger schlecht abgeschnitten haben."

Hinzu kommt laut Luther, dass die deutschen Banken - getrieben vor allem von Übernahmespekulationen um die Commerzbank, die Dresdner Bank und die Postbank - 2007 besonders gut performt haben. Sie starteten also im Januar mit vergleichsweise großer Fallhöhe ins neue Jahr. "die Zahlen bedeuten nicht, dass die deutschen Banken operativ schlechter gearbeitet haben, als die Konkurrenz", so sein Fazit.

Im internationalen Ranking rutschten die deutschen Banken dennoch heftig ab. Unter den Top 30 findet sich laut BCG keine mehr von ihnen. Ende 2007, bei der letzten Analyse durch die BCG, hatte die Deutsche Bank noch Platz 23 belegt. Beim Update im März 2008 war es sogar Platz 22. Inzwischen ist der deutsche Branchenprimus mit einem Börsenwert von nur noch 40,3 Milliarden US-Dollar auf Platz 33 im internationalen Vergleich zurückgefallen. Die Commerzbank folgt weit dahinter (Platz 103, Marktkapitalisierung: 11 Milliarden US-Dollar).

Größte Bank der Welt mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 200 Milliarden Dollar ist nach wie vor die chinesische ICBC . Auf den Plätzen folgen die britische HSBC  sowie J.P. Morgan Chase  aus den USA, die sich um vier Plätze verbessern konnte.

Am glimpflichsten kamen Anleger davon, die in kanadische Banken investiert haben. Die durchschnittliche Aktienrendite des dortigen Bankensektors für die ersten neun Monate dieses Jahres ist zwar ebenfalls negativ. Mit minus 6,6 Prozent fallen die Verluste im weltweiten Vergleich aber am geringsten aus. Folgerichtig gehören die kanadischen Banken zu den erfolgreichsten Aufsteigern im globalen Bankenranking. Sowohl die Royal Bank of Canada  als auch die Toronto-Dominion Bank  und die Bank of Nova Scotia  verbesserten ihre Position um jeweils mehr als zwölf Plätze.

"Die Untersuchung bestätigt, dass Banken, die im Privat- und Firmenkundengeschäft gut aufgestellt sind, und nicht so sehr vom Investmentbanking abhängen, besser davongekommen sind", kommentiert Luther von BCG. "Für die kanadischen Institute jedenfalls gilt das."

Mitarbeit: Franziska Fischer-Zernin

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