Wall Street Kurseinbruch nach Hilfspaket

700 Milliarden Dollar will die US-Regierung in die Hand nehmen, um den kriselnden Finanzsektor zu retten. Doch als die Zustimmung zu dem Paket politisch durchgeboxt ist, gehen die Börsen auf Talfahrt. Was ist da los?

New York - Das milliardenschwere Rettungspaket der US-Regeirung für den angeschlagenen Bankensektor hat endlich auch das Repräsentantenhaus passiert. doch offensichtlich fühlen sich die Märkte gar nicht gerettet.

So verlor der Dow Jones Industrial  im späten Nachmittagshandel weiter an Wert und schloss mit einem Minus von 1,5 Prozent. Die Gesamtwoche schlug so mit minus 7,3 Prozent zu Buche. Der Standard & Poor's 500 Index verlor 1,4 Prozent am Freitag und 9,4 in der Woche. Der Nasdaq  brachte es auf ein Tagesminus von 1,5 Prozent; über die Handelswoche sogar errechnet sich ein Verlust von 10,5 Prozent. Damit haben die wichtigsten US-Börsen ihre schlechteste Woche seit den Tagen nach dem 11. September 2001 erlebt.

Am Freitagvormittag, als im Capitol in Washington noch über das Maßnahmenpaket verhandelt wurde, stiegen die Märkte optimistisch ins Geschäft ein. Je näher die Abstimmung rückte, desto weniger bewegten sich die Kurse: Die Händler hielten den Atem an und erwarteten gespannt das Abstimmungsergebnis. Als schließlich das Abstimmungsergebnis die runde machte - eine deutliche Mehrheit für den Rettungsplan, der Banken von ihren faulen Krediten erleichtern soll - gaben die Börsen ihre Gewinne wieder ab. Nicht einmal die Meldung, Präsident Bush habe das Gesetz bereits unterzeichnet, konnte diesen Trend stoppen.

Analysten erklären diese Entwicklung als typisch: "Kaufe das Gerücht, verkaufe die Nachricht" - das sei oft zu beobachten. Zudem sind viele an der Wall Street nicht überzeugt davon, dass die 700-Milliarden-Dollar-Spritze ausreicht. Auch Ökonomen können nicht mit Sicherheit die Wirkungen vorhersagen.

Staatliche Rettungsaktionen für die US-Wirtschaft

Weiter wird daher mit einer bevorstehenden Rezession gerechnet, zumal am Freitag in den USA schlechte Konjunkturdaten verbreitet wurden. Die US-Wirtschaft hatte im September so viele Stellen gestrichen wie seit rund fünfeinhalb Jahren nicht. "Die Realität ist, dass es Monate dauern wird, bis sich die Kreditmärkte erholen. Bis dahin werden die Börsen wegen der rapiden Verschlechterung der Konjunktur sehr nervös bleiben", sagte Fred Dickson von D. A. Davidson & Co.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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