Deutsche Börse Hedgefonds drehen am Personalkarussell

Die Hedgefonds TCI und Atticus machen Druck auf die Führung der Deutschen Börse, deren Großaktionäre sie sind. Schon länger sägen sie am Stuhl von Aufsichtsratschef Kurt Viermetz. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung soll er bald ganz gekippt werden.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Börse gerät wieder unter massiven Druck ihrer Großaktionäre. Der Hedgefonds TCI will Aufsichtsratschef Kurt Viermetz bei einer außerordentlichen Hauptversammlung abberufen. Das teilte die Deutsche Börse, Betreiberin des Frankfurter Handelsplatzes, mit. TCI wird dabei nach Informationen der Finanznachrichtenagentur dpa-afx aus informierten Kreisen vom zweiten Großaktionär, dem Hedgefonds Atticus unterstützt. Sie verweisen demnach unter anderem darauf, dass Viermetz auch Aufsichtsratschef beim Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) ist, der gerade erst durch einen Milliardenkredit gerettet werden musste.

Zwischen den beiden Großaktionären und Viermetz gibt es seit langem bereits Differenzen über die Zukunft des Konzerns. Viermetz hält, wie auch Vorstandschef Reto Francioni, an den drei Säulen des Geschäftsmodells der Börse fest, dem Kassamarkt Xetra, der Terminbörse Eurex und dem Transaktionsabwickler Clearstream. TCI und Atticus sind unzufrieden über die Entwicklung der Aktie - der Kurs stürzte seit Jahresbeginn um rund 50 Prozent ab - und sollen einen Sondergewinn durch den Verkauf des Kassamarktes anstreben. Der Aufsichtsrat hatte erst Anfang September betont, an der bisherigen Struktur des Konzerns festhalten zu wollen.

"Beide Großaktionäre arbeiten eng zusammen und sind übereinstimmend äußerst unzufrieden mit der Arbeit von Herrn Viermetz", hieß es in den Kreisen. Seine Tauglichkeit als Aufsichtsratschef sei fragwürdig. Nach dem nur knapp abgewendeten HRE-Zusammenbruch herrsche Sorge, "weil er nicht nur HRE-Aufsichtsratschef ist, sondern auch dem Kontrollgremium bei einem so wichtigen Finanzkonzern wie der Deutschen Börse vorsteht".

Die Börse informierte, das Schreiben von TCI sei am 2. Oktober an Viermetz versandt worden - allerdings unvollständig. Zwar sei es auch an den Vorstand der Börse adressiert gewesen, aber die Anlagen nicht an diesen versandt worden. Daher hieß es zur TCI-Forderung einschränkend: Sofern das Verlangen von TCI formgerecht zugegangen sei, werde es der Vorstand auf seine Rechtmäßigkeit überprüfen und dann darüber entscheiden. Der reguläre Termin für die nächste ordentliche Hauptversammlung ist Mitte Mai 2009.

Fonds agieren unter Zugzwang

Fonds agieren unter Zugzwang

Seit rund einem Monat kursieren Gerüchte, dass die zwei größten Aktionäre der Börse deren Zerschlagung vorantreiben wollen. Die Fonds seien unter Zugzwang, Kunden würden ihre Gelder zurückverlangen, hieß es am Markt zur Begründung. Auslöser dafür war eine Anfang September gegebene vage Mitteilung von TCI und Atticus, dass die Interessen beider Großaktionäre für weitere Wertsteigerungen bei der Börse nicht ausreichend berücksichtigt würden. Gemeinsam werde erwogen, möglicherweise Mitglieder im Aufsichtsrat auszutauschen, hatte es ohne Nennungen von Namen geheißen.

Informierte Kreise hatten in erster Linie auf eine Unzufriedenheit mit Viermetz verwiesen. Für künftige abgestimmte Aktionen wurden die Stimmrechtsanteile beider Hedgefonds von rund zehn und neun Prozent zusammengelegt.

Viermetz scheint keineswegs an einen Rücktritt zu denken und will, wie manager magazin Ende September berichtet hatte, nicht nur Aufsichtsratschef der Deutschen Börse bleiben, sondern auch für eine weitere dreijährige Amtszeit kandidieren. Weder die Deutsche Börse noch das Büro von Viermetz hatten dies kommentieren wollen. Um eine Wiederwahl des 69-jährigen Viermetz überhaupt zu ermöglichen, müsste zunächst die Altersgrenze von 70 Jahren für Aufsichtsräte abgeschafft werden.

Erstmals im Jahr 2005 hatte die Deutsche Börse die Macht von TCI und Atticus zu spüren bekommen. Damals hatten die Hedgefonds die geplante Übernahme der Londoner Börse verhindert. Stattdessen wurden hohe Ausschüttungen an die Aktionäre durchgesetzt. Zudem veranlassten die beiden Hedgefonds, dass die Führungsspitze der Deutschen Börse - Konzernchef Werner Seifert und Aufsichtsratschef Rolf Breuer - ihren Hut nehmen mussten. Breuers Funktion übernahm daraufhin Viermetz. Zudem wurden auf Wunsch der Hedgefonds weitere Gremiumsmitglieder ausgetauscht.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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