Börsenschluss Dax und Dow erneut auf Tauchstation

Nach der Entscheidung der Europäischen Zentralbank, die Zinsen unverändert zu lassen, ist der Dax heute deutlich zurückgefallen. Schwache Konjunkturdaten schickten zudem Dow Jones und Nasdaq in die Verlustzone. Die entscheidende Abstimmung über das US-Rettungspaket wird erst am Freitag erwartet.

Frankfurt am Main - Anleger sind am Donnerstag auch nach Zustimmung des US-Senats zum Bankenrettungspaket sehr zurückhaltend geblieben. Die entscheidende Abstimmung im Repräsentantenhaus wird erst für Freitag erwartet - eine Zustimmung wird zwar erwartet, ist aber nicht garantiert. "Die Stimmung ist nach wie vor gedrückt", sagte dann auch ein Händler.

Der Dax rutschte heute um 2,51 Prozent auf 5660,63 Punkte, das ist der niedrigste Stand seit August 2006. Der MDax  der mittelgroßen deutschen Aktiengesellschaften verlor 1,92 Prozent auf 6745,10 Zähler und der Technologieindex TecDax  gab um 2,42 Prozent auf 676,03 Stellen nach.

Nicht anders das Bild an der Weltleitbörse in New York: Das wichtigste dortige Börsenbarometer Dow Jones Industrial  verlor nach schlechten Konjunkturdaten innerhalb der ersten Handelstunde ebenso wie der Nasdaq Composite  jeweils rund 2 Prozent. "Die Enttäuschung durch die Europäische Zentralbank und die schwachen Auftragseingänge in den USA haben den Aktienmarkt spürbar belastet", sagte Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank.

Schwache US-Konjunkturdaten

In das trübe Bild passten auch die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA: Die wöchentlichen Erstanträge für Arbeitslosenhilfe stiegen stärker als erwartet und der Auftragseingang der Industrie fiel im August deutlich stärker als erwartet. Bereits am Vortag war der US-Einkaufsmanagerindex deutlich gefallen.

Für Freitag wird die entscheidende Abstimmung im US-Repräsentantenhaus über das 700 Milliarden schwere Rettungspaket erwartet. Doch selbst wenn die Abgeordneten nun das Paket absegneten, ändere dies kaum etwas an den düsteren Konjunkturaussichten, klagten Analysten. Das Rettungspaket sei kein Allheilmittel, weder zur Lösung der Finanzkrise noch zur Ankurbelung der Konjunktur.

Kapitalerhöhung: General Electric tief im Minus

Die Aktien von General Electric (GE) brachen um 9,47 Prozent auf 22,18 US-Dollar ein. Der durch die Finanzkrise unter Druck geratene Mischkonzern wird im Rahmen seiner bereits angekündigten Kapitalerhöhung die neuen Aktien zum Preis von je 22,25 Dollar auf den Markt bringen. Insgesamt werden 547,83 Millionen neue Papiere ausgegeben. Auch die Investorenlegende Warren Buffett steigt mit 5 Milliarden Dollar bei GE ein.

Autotitel stark unter Druck

Konjunktursorgen belasten nicht nur Autotitel

Vor allem die US-Autoabsatzzahlen für September nähmen jede Hoffnung auf eine rasche Konjunkturerholung. Die deutschen Autobauer hatten im Vormonat in den USA starke Absatzrückgänge gemeldet.

BMW verkaufte 26 Prozent weniger Autos. Der Absatz von Daimler fiel um 8,5 Prozent, der von Volkswagen um 9,4 Prozent und der von Porsche gar um 44 Prozent. Ford-Chef Alan Mulally sagte auf dem Pariser Autosalon, auch 2009 werde die Lage nicht besser als 2008. Unter der Schwäche der Hersteller leiden Händlern zufolge auch verstärkt die Zulieferer. Zweitschwächster Wert im Dax waren heute die Aktien von Continental mit einem Minus von 6,66 Prozent auf 52 Euro. BMW-Titel gaben 4,73 Prozent auf 49,39 Euro nach, die Anteilsscheine von Volkswagen 4,13 Prozent auf 263 Euro.

EZB lehnt Zinssenkung ab

EZB drückt auf die Stimmung

Auf die Stimmung am Aktienmarkt drückte zudem, dass die Europäischen Zentralbank (EZB) den Leitzins unverändert bei 4,25 Prozent beließ. "Der eine oder andere hatte mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte gerechnet. Da dürfte es etwas Enttäuschung gegeben haben", sagte Aktienstratege Ralf Zimmermann von Sal. Oppenheim.

Nach Bekanntgabe des Zinsentscheides hatte der Dax einen Großteil seiner Gewinne abgegeben. In seiner Pressekonferenz betonte Trichet Konjunkturrisiken und hat nach Einschätzung von Analysten die Tür für eine Zinssenkung in den nächsten Monaten geöffnet.

Finanzwerte fest - Commerzbank gesucht

Finanzwerte erholt

Kursverluste von 12,13 Prozent auf 40,23 Euro verbuchte die Aktie des Düngemittelherstellers K+S; sie rutschte damit heute an das Ende der Dax-Liste. Händler verwiesen darauf, dass der US-Konkurrent Mosaic zwar seinen Gewinn gesteigert, aber die Erwartungen von Analysten verfehlt hatte. Die Bewertung des Dax-Neulings Kali und Salz  hat sich innerhalb weniger Wochen halbiert.

Ihren Erholungskurs setzten dagegen die Finanzwerte fort, was Händler technisch begründeten. In Frankfurt konnten vor allem die Titel der Hypo Real Estate aufholen. Sie gewannen 12,98 Prozent auf 5,31 Euro.

Die ebenfalls Anfang der Woche stark unter Druck geratenen Commerzbank-Titel stiegen um 10,19 Prozent auf 13,36, die der Postbank um 4,65 Prozent auf 29,50 Euro.

"Rettungspaket kein Allheilmittel"

"Rettungspaket kein Allheilmittel"

Analysten warnten unterdessen, dass das Rettungspaket kein Allheilmittel sei. Die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA hätten nichts Gutes verheißen. So war zum Beispiel der US-Einkaufsmanagerindex gestern sehr schwach ausgefallen. Dem könnten sich auch die europäischen Länder nicht entziehen, wo die jüngsten Daten ebenfalls Konjunkturschwäche signalisierten.

"Der Markt hatte die Abstimmung im Senat schon mehr oder weniger eingepreist", sagte ein Händler. Zwar dürfte das US-Repräsentantenhaus nun ebenfalls am Freitag dem Rettungsplan zustimmen. doch ändere dies kaum etwas an den düsteren Konjunkturaussichten. "Die US-Autoabsatzzahlen waren einfach zu schlecht, um zuversichtlich zu sein", erklärte ein Händler.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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