US-Rettungspaket "Der Plan wird verabschiedet"

Europa braucht noch keinen eigenen Bankenrettungsplan, sagt Martin Faust. Der Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance erklärt im Interview, wann die EU eingreifen müsste - und was sich der Steuerzahler von der Rettung der Hypo Real Estate versprechen darf.
Von Grit Beecken

mm.de: Herr Faust, brauchen wir einen europäischen Bankenrettungsplan?

Faust: Derzeit brauchen wir noch keinen europäischen Plan, weil die europäischen Banken in ihrer strategischen Ausrichtung sehr unterschiedlich aufgestellt sind. Bislang sind in Europa zudem eher kleine oder spezialisierte Institute betroffen - nur Fortis bildet hier eine Ausnahme.

Ein europäisches Pendant zum Paulson-Plan benötigen wir erst dann, wenn es zu weiteren Schwierigkeiten am Markt kommt. Oder wenn amerikanische Banken durch den US-Ankauf von Wertpapieren massive Wettbewerbsvorteile erlangen. Im Fall einer solchen Wettbewerbsverzerrung müsste die EU intervenieren. Schließlich haben europäische Banken solider gewirtschaftet als die amerikanischen Häuser und es wäre ungerecht, wenn sie auf ihren Papieren sitzen bleiben.

mm.de: Erwarten Sie, dass der US-Kongress den Rettungsplan in naher Zukunft doch noch verabschieden wird?

Faust: Der Plan wird sicherlich verabschiedet werden. Es besteht keine Alternative. Jede weitere Verzögerung wäre verantwortungslos. Die Frage ist vielmehr, ob auch ausländische Banken davon profitieren werden. Die US-Regierung steht vor dem enormen Problem, einen Preis für die betroffenen Papiere finden zu müssen. Wenn dieser zu hoch liegt, dann trägt der Staat anschließend die Verluste. Ist der Preis hingegen zu niedrig, dann müssen die Banken unter Umständen zu hohe Beträge abschreiben und es könnte zu weiteren Insolvenzfällen kommen - wovon ich aber nicht ausgehe.

mm.de: Halten Sie es für richtig, dass Europa sich nicht an der Aktion beteiligt?

Faust: Die Risiken des Plans sind momentan noch nicht zu bemessen. Schließlich steht noch nicht ganz genau fest, wie die Rettungsaktion genau aussehen soll. Daher finde ich es richtig, dass Europa sich nicht beteiligt hat. Sonst hätten wir den Amerikanern einen Blankoscheck ausgestellt.

"Jeder hätte jedem misstraut"

mm.de: Deutschland hat zwar keinen eigenen Rettungsplan, springt aber immer wieder für Banken in die Bresche - nach der IKB nun für die Hypo Real Estate (HRE). War es richtig, die HRE zu retten?

Faust: Grundsätzlich kann es sich kein Staat leisten, sein Bankensystem gegen die Wand fahren zu lassen. Die Regierung musste am Wochenende zwischen Pest und Cholera wählen und hat schließlich eine Entscheidung getroffen, zu der es keine wirkliche Alternative gab. Denn der Vertrauensverlust im Fall einer HRE-Insolvenz hätte das System zu sehr belastet. Die HRE ist schließlich ein sehr großer Emittent und ihre Papiere wären ohne das Eingreifen auf einen Schlag unhandelbar geworden.

Die Kursverluste hätten auch Versicherungen und andere institutionelle Investoren getroffen, die diese Papiere in den Büchern halten - was wiederum in diesen Häusern Abschreibungen zur Folge gehabt und die Liquiditätsprobleme weiter verschärft hätte.

mm.de: Inwiefern?

Faust: In den USA stehen wir vor dem Problem, dass niemand so genau weiß, welche Risiken die Banken noch in ihren Büchern haben. Es wird beispielsweise spekuliert, wer noch Lehman-Papiere hält. Hätte Steinbrück die HRE nicht gerettet, dann wäre es auch bei deren Papieren zu Spekulationen gekommen. Da aber nahezu jeder HRE-Papiere hält, hätte jeder jedem misstraut. Das musste verhindert werden.

mm.de: Aber genau das ist doch am Montag passiert. Trotz der Intervention kam der Handel mit HRE-Papieren zum Erliegen. Was ist da passiert?

Faust: Die Bundesregierung wollte dafür sorgen, dass der Pfandbriefmarkt insgesamt nicht geschädigt wird. Dennoch wird die HRE momentan natürlich kritisch beäugt, Investoren werden sich gut überlegen, ob sie diese Papiere kaufen. Das kann auch noch eine Weile so bleiben. Der Markt wartet ab, ob das HRE-Rettungspaket ausreicht oder ob im Zweifel noch Kapital nachgeschossen wird.

mm.de: Es heißt, die HRE solle das Geld zurückzahlen, sobald sich die Lage entspannt. Glauben Sie, dass es dazu kommen wird?

Faust: Ja, wenn die Bank weiter bestehen bleibt. Dann hat sie die Chance, das Geld wieder zu erwirtschaften. Zudem hat der Staat Sicherheiten bekommen. Wenn sich die Krise verschärft, wären weitere Garantien erforderlich, am Ende könnte eine Belastung für den Staatshaushalt überbleiben.

Rettungspakete haben wir auch in der Vergangenheit gesehen - und das nicht nur im Bankenbereicht. Denken Sie beispielsweise an die Holzmann-Rettung oder Garantien für Existenzgründer. Das ist nichts völlig Neues. Auch Exportgeschäfte werden über die Hermes Versicherung garantiert, der Staat ist in vielen Bereichen als Garantiegeber tätig, immer dann, wenn Andweren die Risiken zu hoch sind. Und jetzt eben auch im Bankenbereich.

Finanzkrise: Banken reißen Unternehmen mit Nach Börsencrash: US-Parlamentarier im Kurzurlaub

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.