Bankenkrise Wie sicher ist mein Geld?

Spätestens seit der Milliardenrettung der Hypo Real Estate machen sich auch die Bundesbürger Sorgen um ihr Geld. Zwar sind die Einlagen bei Banken und Sparkassen hierzulande gut geschützt. Im Extremfall könnte das Netz aber reißen.

Hamburg - Ist auf die Absicherung der Banken und Sparkassen eigentlich Verlass? Was passiert mit meinen Aktien, wenn meine Depotbank in Schwierigkeiten gerät? Und was, wenn der Anbieter des Rohstoff-Zertifikats, das ich letzten Monat gekauft habe, morgen Insolvenz anmeldet?

Spätestens seit gestern geht auch in Deutschland die Angst um. Mit der Hypo Real Estate (HRE)  musste erstmals ein privates Institut gestützt werden. Bund und Banken stellen dem Dax-Konzern eine 35-Milliarden-Euro-Kreditlinie zur Verfügung. Damit kann die Bank vorerst weitermachen.

Bei Millionen deutschen Sparern und Kapitalanlegern bleibt aber ein unangenehmer Nachgeschmack: Was, wenn meine Bank als nächste kippt? Ist mein Geld dann überhaupt noch sicher? Oder gehe ich lieber heute als morgen zum Automaten und hebe alles ab?

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) beruhigt: Alle privaten Banken in Deutschland verfügen über eine gesetzliche Einlagensicherung. Sie garantiert jedem Kunden den Schutz von 90 Prozent seiner Einlagen. Darunter fallen auch ausländische Institute, die hierzulande aktiv sind.

Gesetzlicher Schutz bis 20.000 Euro

Weil dieser Schutz allerdings bei einer Einlage von 20.000 Euro endet, sichern sich viele Institute darüber hinaus freiwillig ab. Die privaten deutschen Banken betreiben beispielsweise seit 1976 den Einlagensicherungsfonds des BdB.

Der Fonds soll das Guthaben jedes Kunden bis zu einer Höhe von 30 Prozent des mindesthaftenden Eigenkapitals der jeweiligen Bank schützen. Selbst bei kleinsten Banken mit einem haftenden Eigenkapital von fünf Millionen Euro seien die Guthaben jedes Anlegers bis zu 1,5 Millionen Euro vollständig geschützt, so der BdB.

In der Regel sei der gesicherte Betrag aber erheblich höher. Beispiel Lehman Brothers : Nach der Insolvenz der US-Investmentbank verhängte die deutsche Finanzaufsicht BaFin ein Moratorium über die deutsche Lehman-Tochter. Die dort liegenden Gelder wurden also eingefroren, momentan kommt niemand da heran. Im Falle der endgültigen Pleite der Bank wären jedoch die Gelder der Kunden beim deutschen Lehman-Ableger laut BdB bis zu 285 Millionen Euro je Anleger geschützt.

Die Grenzen der Sicherungsfonds

24 Bankeninsolvenzen in 30 Jahren

"Seit Bestehen des Einlagensicherungsfonds gab es 24 Bankinsolvenzen, bei denen der Fonds zum Einsatz kam", sagt eine BdB-Sprecherin. "Bisher wurden alle betroffenen Anleger vollständig entschädigt."

Über einen ähnlichen Solidarschutz wie die privaten Banken verfügt auch der öffentlich-rechtliche Sektor. Bei den Sparkassen heißt das Institutssicherung. Bei den genossenschaftlich organisierten Volks- und Raiffeisenbanken heißt es Institutsschutz. Beiden gemeinsam ist, dass die Absicherung - anders als im privaten Bereich - nicht gedeckelt ist. Im Klartext: Egal, wie viel auf dem Konto einer Sparkasse liegt - streckt das Institut die Waffen, kommt die Branche für alles auf, was eingezahlt war.

Die Grenzen der Sicherungsfonds

Eines ist jedoch klar, egal ob Einlagensicherungsfonds oder Institutssicherung: Kommt es auch in Deutschland zu einer echten Bankenkrise, geraten also mehrere Institute gleichzeitig in Schieflage, dann dürften auch diese Sicherungseinrichtungen rasch an ihre Grenzen gelangen.

"Das ist ein Feuerwehrfonds, der natürlich ein Problem hat, wenn es überall brennt oder sozusagen die Hauptfeuerwehrleute selbst ausfallen", sagt etwa Finanzexperte Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen.

"Hält das System im schlimmsten Fall?"

"Hält so ein System im schlimmsten Fall?"

Zwar bestehe im Ernstfall - ähnlich wie bei Entschädigungseinrichtung deutscher Banken - eine Nachschusspflicht für die teilnehmenden Banken. Stresstests für den Extremfall, wie sie etwa bei Lebensversicherern Praxis seien, gebe es aber nicht. "Wenn es wirklich eine große Bank trifft, stellt sich die Frage, wer in dieser Branche dann überhaupt noch nachschießen kann", sagt Gottschalk. Im schlimmsten Fall müsste seiner Ansicht nach - wie bei der HRE - wieder der Staat einspringen.

Das Dilemma lässt sich auch an Zahlen ablesen: Der BdB macht zwar zum Volumen des Sicherungsfonds keine Angaben, laut Bundeswirtschaftsministerium beträgt es aber etwa 4,6 Milliarden Euro. Für die Schieflage der HRE hätte das schon kaum gereicht - von anderen Kalibern wie der Deutschen Bank , der Commerzbank  oder der Postbank  ganz zu schweigen. "Hält so ein System im schlimmsten Fall - das wissen wir einfach nicht", sagt Gottschalk. Im Moment findet sich in Deutschland allerdings kaum ein Experte, der einem dieser Institute eine ernsthafte Krise vorhersagen würde.

Zweiter Haken: Unter den Schutz der genannten Einrichtungen fallen alle Sicht-, Termin- und Spareinlagen sowie auf den Namen lautende Sparbriefe. Selbst wenn Girokonten, Sparbücher, Fest- und Termingelder also auf diese Weise gesichert sind, was ist dann mit Wertpapierdepots? Was mit Aktien, Investmentfonds und Zertifikaten?

Aktien und Fonds als Sondervermögen

Aktien und Fonds als Sondervermögen

"Wertpapiere unterliegen nicht der Einlagensicherung", erläutert Marco Cabras, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Sie sind allerdings im Falle einer Bankenpleite auch keinesfalls verloren." Tatsächlich zählen die Depots vielmehr nicht zur Insolvenzmasse einer Bank - der Kunde kann sie einfach zu einer anderen übertragen.

Für die verschiedenen Wertpapierarten gelten allerdings einige Besonderheiten. Beispiel Investmentfonds: Selbst wenn die Kapitalanlagegesellschaft, die den Fonds aufgelegt hat, gegen die Wand fährt - die Anleger braucht das nicht zu stören. "Investmentfonds sind Sondervermögen", sagt Cabras. "Bei einer Insolvenz der KAG werden sie abgespalten und individuell abgewickelt." Entscheidend ist dann nach Angaben des Anlegerschützers nicht, wie es dem Fondsanbieter geht, sondern was sich im Portfolio des Fonds befindet. Denn das wird liquidiert und an die Anteilseigner ausgezahlt.

Riskante Zertifikate

Riskante Zertifikate

Anders ist es im Falle von Zertifikaten. Dabei handelt es sich um so genannte Inhaberschuldverschreibungen. Die Folge: Gerät die ausgebende Bank in die Bredouille, so kann das Geld der Anleger schnell zur Konkursmasse werden. Tausende Lehman-Anleger beispielsweise stehen momentan vor diesem Schicksal. "Noch befinden sich die Anleger wegen des Moratoriums in der Warteschleife", sagt Cabras. "Wer also langlaufende Papiere hat, hat größere Chancen als jene, deren Laufzeit in Kürze endet." Im schlimmsten Fall gehen aber laut Cabras alle leer aus.

Bleibt die Frage, was jetzt zu tun ist? Stillhalten, umschichten - oder alles abheben und unters Kopfkissen legen? Verbraucherschützer Gottschalk empfiehlt "Ruhe zu bewahren". Es sei die schlechteste Entscheidung, jetzt Hals über Kopf das Aktiendepot oder die Lebensversicherung aufzulösen. Grundsätzlich solle jedoch jeder darauf achten, seine Anlagen möglichst weit über die verschiedenen Sicherungssysteme zu streuen.

"Wichtig ist vor allem ein funktionierendes Risikomanagement bei der Kapitalanlage", sagt auch Vermögensverwalter Hannes Peterreins aus München. "Viele erkennen nicht, dass es echte Sicherheit bei den meisten Kapitalanlagen einfach nicht gibt und machen sich keine Gedanken darüber, was im Fall des Falles zu tun ist." Peterreins rät beispielsweise dazu, von vornherein Stopp-Loss-Marken im Depot festzulegen. Die jeweils passende Risikomanagementstrategie müsse aber individuell festgelegt werden.

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