Finanzkrise Asiens Aktienkurse stürzen ab

Nach dem katastrophalen Handelstag an der Wall Street brechen die Börsen in Asien ein. Die Aktienkurse in Tokio, Hongkong und Südkorea sind auf Talfahrt. Der Nikkei-Index büßte fast fünf Prozent ein. Auslöser war das Nein des US-Repräsentantenhauses zum Rettungspaket.

Tokio - Nach dem größten Absturz, den der Dow Jones  jemals verbuchen musste, befinden sich auch Asiens Börsen im Abwärtsstrudel: Der japanische Nikkei  verlor am Dienstag zur Handelsmitte teilweise über fünf Prozent. Der breit gefasste Topix gab über 4,5 Prozent nach. In Hongkong ging es gleich zu Handelsbeginn um 5,6 Prozent nach unten, und auch die Kurse in Südkorea, anderen asiatischen Staaten sowie im australischen Sydney rutschten ab.

Ursache war eine Abstimmung im Repräsentantenhaus: Mit 228 zu 205 Stimmen votierten die Abgeordneten gegen die 700 Milliarden Dollar schwere Rettungsaktion, mit der die US-Regierung der Kreditkrise Einhalt gebieten will. Mehr als zwei Drittel der Republikaner und 40 Prozent der Demokraten stimmten gegen den Plan. Der konservative Flügel der Republikaner von US-Präsident Bush lehnt derart weitgehende staatliche Eingriffe in die Wirtschaft ab. Der New Yorker Dow Jones Index sank in der Folge um 777. Zusammengerechnet verloren alle in den USA an der Börse notierten Unternehmen rund 1,2 Billionen Dollar an Wert.

Die japanische Regierung zeigte sich über das Scheitern des US-Rettungspakets besorgt. Der neue Ministerpräsident Taro Aso sagte, Japan müsse verhindern, dass solche Entwicklungen groß auf die japanische Wirtschaft.

Bereits am Montag mussten auch die Anleger an den wichtigsten Börsen Lateinamerikas schwere Verluste hinnehmen. Am schlimmsten erwischte es den größten Aktienmarkt des Subkontinents im brasilianischen São Paulo. Dort herrschte vorübergehend Panik, als der Bovespa-Index im Tagesverlauf vorübergehend rund 12 Prozent verlor. Am Ende des Tages standen der Index bei minus 9,36 Prozent. Der IPC-Index in Mexiko-Stadt gab 6,40 Prozent nach. In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires fiel der Merval-Index um 8,68 Prozent.

Auch Asien in der Vertrauensfalle

Auch Asien in der Vertrauensfalle

Angesichts der dramatischen Lage auf den Finanzmärkten stellte die japanische Zentralbank dem Bankensystem am Dienstag erneut zusätzliche Liquidität zur Verfügung. Die Bank of Japan pumpte in der dritten Woche in Folge weitere zwei Billionen Yen (13 Milliarden Euro) in den Markt, um für Stabilität zu sorgen. Hintergrund ist, dass Japans Banken zögern, sich gegenseitig Geld zu leihen.

Der Dollar geriet in Folge des Scheiterns des US-Rettungspakets unter starken Verkaufsdruck. In Tokio tendierte der Greenback im frühen Geschäft bei 104,15-20 Yen, nachdem er am späten Vortag noch 106,14-15 Yen gekostet hatte. Der Euro  lag fester bei 1,4370 Dollar nach 1,4351 Dollar am späten Vortag.

In den USA leitet US-Präsident George W. Bush bereits einen weiteren Anlauf an, den Kongress zur Annahme eines Plans zur Rettung der Finanzmärkte zu bewegen. "Unsere Strategie ist es, sich weiter frontal mit dieser wirtschaftlichen Situation zu befassen", sagte er im Repräsentantenhaus. "Wir arbeiten daran, eine Strategie zu entwickeln." Sein Finanzminister Henry Paulson ergänzte: "Wir müssen etwas neu zusammenstellen, was funktioniert - so schnell wie möglich."

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters

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