London Börsenaufsicht verbietet Leerverkäufe

Wegen der Turbulenzen auf dem Finanzmarkt und dem jüngsten Kurssturz der Bank HBOS hat die britische Finanzaufsicht Börsenwetten auf fallende Kurse vorübergehend verboten. Die US-Justiz nimmt unterdessen verschärft Spekulanten ins Visier.

London - Seit Mitternacht sind sogenannte Leerverkäufe auf Finanztitel vorübergehend verboten. Die britische Finanzaufsicht FSA hofft, durch dieses Verbot, das bis zum 16. Januar gilt, die Abwärtsspirale bei den Bankenaktien aufzuhalten. Die FSA folgt damit der US-Finanzaufsicht SEC, die am Donnerstag Restriktionen für Leerverkäufe eingeführt hat.

Der Erfolg stellte sich sofort ein: Der Londoner Aktienindex FTSE 100  sprang bis Freitagmittag um 7 Prozent auf 5220 Punkte an. Er wurde angeführt von Finanzaktien. So schossen beispielsweise Barclays-Aktien  um 27 Prozent nach oben, Papiere der Royal Bank of Scotland  sprangen um 42 Prozent an. Auch Aktien der Lloyds TSB  und von deren Übernahmeziel HBOS  legten mehr als 30 Prozent zu.

Das Verbot von Leerverkäufen gesellte sich zu den anderen kurstreibenden Faktoren: Die Ankündigung der US-Regierung, über das Wochenende eine Auffanggesellschaft für faule Kredite vorzubereiten, sorgte weltweit für eine Rally der Bankaktien. Zudem stellte die Bank von England den Geschäftsbanken in einem neu geschaffenen Dollar-Schnelltender weitere 20 Milliarden Dollar bereit, um für Liquidität im Markt zu sorgen.

"Wir betrachten Optionsgeschäfte weiterhin als legitime Investitionstechnik unter normalen Marktbedingungen", erklärte der Chef der FSA, Hector Sands, in London. Doch die gegenwärtige "extreme Lage" führe zu chaotischen Zuständen auf den Märkten. Daher sei die Entscheidung zum Verbot der Optionsgeschäfte getroffen worden, "um uns gegen weitere Instabilität auf dem Finanzsektor zu verwahren".

Politiker begrüßten die FSA-Entscheidung. Der Beschluss sei nach reiflicher Überlegung gefallen, ergänzte Sants.

US-Justiz ermittelt gegen Spekulanten

US-Justiz ermittelt gegen Spekulanten

Bei Leerverkäufen verkaufen Investoren Aktien, die sie gar nicht besitzen, sondern sich von Dritten gegen Gebühr ausleihen. Sie hoffen auf fallende Kurse, um die Titel billiger zurückerwerben und dem Ausleiher wiedergeben zu können. Die Differenz zwischen den Preisen streichen sie als Gewinn ein.

Angesichts der schweren Börsenturbulenzen nimmt auch die US-Justiz verschärft Spekulanten ins Visier. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo hatte am Donnerstag umfassende Untersuchungen zu Börsenwetten auf fallende Kurse angekündigt. Cuomo sagte, er werde besonders die Leerverkäufe bei etlichen Finanzkonzernen unter die Lupe nehmen, darunter Lehman Brothers, American International Group (AIG), Goldman Sachs und Morgan Stanley.

"Die Märkte brauchen eine Stabilisierung", sagte Cuomo. Eine Weg dazu sei die Vertreibung jener Leerverkäufer, die mit Falschinformationen zu fallenden Kursen beitrügen. Nach Ansicht Cuomos war die US-Regierung bei der Regulierung der Finanzmärkte bisher "nicht effektiv". Die Struktur der Regulierung auf Bundesebene werde den Anforderungen nicht gerecht.

Leerverkäufe seien zwar an sich legal, räumte Cuomo ein. Er werde jedoch mit zivilen und strafrechtlichen Mitteln allen unsauberen Geschäften nachgehen, versprach der Generalstaatsanwalt.

manager-magazin.de mit Material von ap, dj und dpa-afx

Shortseller: Wie Zocker die Kurse bewegen

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.