Finanzkrise Morgan Stanley muss kämpfen

Fusion oder Unabhängigkeit - das Schicksal von Morgan Stanley steht auf der Kippe. Bankchef John Mack ist angeblich überzeugt davon, alleine überleben zu können. Offenbar spricht die Bank aber gleichzeitig mit mehreren Parteien über Beteiligungen und Zusammenschlüsse. Bei der Citigroup ist sie bereits abgeblitzt.

New York - Morgan-Stanley-Chef John Mack ist Kreisen zufolge davon überzeugt, dass seine Bank alleine überleben kann. Oberste Priorität habe es, unabhängig zu bleiben, sagte er Kreisen zufolge in Anwesenheit von ranghohen Managern des Unternehmens am Donnerstag. Gleichwohl prüfe er verschiedene Optionen.

Nach Informationen aus anderen Kreisen führt Mack derzeit Fusionsverhandlungen mit mehreren Banken und spricht mit dem chinesichen Staatsfonds CIC über eine größere Beteiligung an der zweitgrößten US-Investmentbank. CIC hatte sich im Dezember mit fünf Milliarden Dollar eine 9,9-prozentige Beteiligung an Morgan Stanley  gesichert. Die Investmentbank sei erneut an CIC herangetreten, verlautete am Donnerstag aus mit den Plänen vertrauten Kreisen.

Morgan Stanley fahre derzeit "mehrgleisig", um sich gegen die Turbulenzen an den Finanzmärkten zu wappnen, hieß es weiter. In Medienberichten war von einer Aufstockung der Beteiligung auf 49 Prozent die Rede. Morgan Stanley wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren. Eine Sprecherin sagte lediglich, man suche nach Lösungen, um den Kurseinbruch an der Börse im Zuge der Finanzmarktkrise zu stoppen.

Morgan Stanley führt Kreisen zufolge derzeit auch Gespräche über eine Fusion mit der US-Regionalbank Wachovia. Nach einem Bericht des TV-Senders CNBC hat die Investmentbank Morgan Stanley sogar schon offizielle Fusionsgespräche mit Wachovia aufgenommen. Morgan Stanley wollte dazu keinen Kommentar abgeben. "Die fähigsten Leute in diesem Unternehmen arbeiten an einer Lösung", sagte eine Sprecherin zu manager-magazin.de.

Laut "New York Times" hat Morgan Stanley auch geprüft, bei der größten US-Bank, der Citigroup , unterzukommen. Morgan-Stanley-Chef John Mack habe am Dienstag bei Citigroup-Chef Vikram Pandit angerufen, um die Möglichkeit eines Zusammenschlusses zu besprechen, berichtete die Zeitung. Pandit habe jedoch abgelehnt.

"Wir brauchen einen Partner"

"Wir brauchen einen Partner, sonst schaffen wir es nicht"

Im Laufe des Gesprächs sagte Mack nach Angaben der Zeitung: "Wir brauchen einen Fusionspartner, sonst schaffen wir es nicht." Die Citigroup dementierte zwar umgehend, dass eine solche Äußerung fiel, bestritt jedoch das Gespräch an sich nicht.

Investmentbanken treffen Kursrutsche bei den eigenen Aktien besonders hart. Sie refinanzieren sich komplett am Kapitalmarkt. Fallen Geschäftspartner aus, weil sie am Überleben einer Bank zweifeln, kann es für das Institut rasch zu Ende gehen. Wie rasch, das zeigen die aktuellen Entwicklungen der Finanzkrise: Nach dem Kollaps von Bear Stearns  und Lehman Brothers  und dem Verkauf von Merrill Lynch  an die Bank of America  sind von den fünf großen Investmentbanken nur noch zwei übrig: Goldman Sachs  und - bis jetzt - Morgan Stanley.

Die Bank hatte am Dienstag die Analysten mit einem guten Quartalsergebnis überrascht. Der Gewinn ging demnach zwar um sieben Prozent auf 1,43 Milliarden Dollar zurück - was aber unter dem Strich mehr war, als erwartet. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres sank der Gewinn allerdings um rund 41 Prozent auf vier Milliarden Dollar. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 7,96 auf 8,05 Milliarden Dollar.

47.000 Beschäftigte in 33 Ländern

Wie bei anderen Investmentbanken stehen auch bei Morgan Stanley alle Facetten des Wertpapierhandels im Mittelpunkt des Geschäftes. Dazu gehören Börsengänge, Übernahmen, Privatisierungsvorhaben und Beratungsdienstleistungen. Die Bank wurde 1935 gegründet, ihre Wurzeln reichen aber bis ins Jahr 1854 zurück. Heute hat sie mehr als 600 Niederlassungen in 33 Ländern und weltweit rund 47.000 Beschäftigte. Hauptsitz ist New York.

Die angeschlagene Investmentbank wettert derweil gegen kurzfristig orientierte Spekulanten. "Wir stecken mitten in einem Markt, der von Angst und Gerüchten geprägt ist", erklärte Vorstandschef John Mack in einem internen Schreiben, das jetzt bekannt wurde. "Investoren, die mit ungedeckten Leerverkäufen auf Kursverluste setzen, treiben derzeit unsere Aktien herunter", heißt es in dem Papier. Ein Goldman-Sprecher sagte ebenfalls, der Kursverfall habe "völlig irrationale Ängste" ausgelöst.

Auch Macquarie als Pleitekandidat gehandelt

Auch auf anderen Kontinenten steht es schlecht um Investmentbanken: Laut "Handelsblatt" wird Australiens größte Investmentbank Macquarie Group Ltd. an der Börse als nächster möglicher Pleitekandidat gehandelt. Der Aktienkurs des Finanzkonzerns sackte am Donnerstag in der Spitze um 23,4 Prozent ab.

Zu Macquarie gehört in Deutschland der Energiedienstleister Techem . Das Institut hat seit dem im Mai 2007 markierten Rekordhoch umgerechnet rund 11,2 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung eingebüßt. Seit Jahresanfang haben die Aktien mehr als 65 Prozent an Wert verloren. Macquarie musste bereits am 17. September Presseberichte dementieren, wonach die Bank Finanzierungsprobleme habe.

"Null Tolleranz bei Leerverkäufen"

"Null Toleranz für den Missbrauch von Leerverkäufen"

Die Schweizer Großbank UBS , die durch die Nervosität an den Märkten ebenfalls starke Kurseinbußen verzeichnet, veröffentlichte eine Studie unter dem Titel "Stoppt den Wahnsinn". Beide US-Häuser hätten eine "starke Liquiditäts- und Kapitalposition", heißt es darin. Beide hätten ihr Risikoprofil deutlich verbessert und die Refinanzierung für jeweils rund sechs Monate gesichert.

Sowohl bei Goldman als auch bei Morgan Stanley liege das Verhältnis von problematischen Anlagen zur Kapitalausstattung mit den Faktoren 1,0 und 1,4 deutlich niedriger als etwa bei Lehman Brothers mit einem errechneten Wert von 4,0.

Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers hat an den Finanzmärkten rund um den Globus nackte Panik ausgelöst. Zugleich versuchen aber auch Investoren wie Hedgefonds von den Turbulenzen zu profitieren. Beim Leerverkauf oder Naked Short Sell verkauft ein Börsenteilnehmer Aktien, die sich gar nicht in seinem Besitz befinden. Der Händler rechnet damit, dass das Unternehmen zu hoch bewertet ist, und spekuliert darauf, die Aktien in der Zukunft zu einem günstigeren Kurs zu erwerben. Der Differenzbetrag, der sich aus dem aktuellen Kurs und dem niedrigeren Kurs in der Zukunft ergibt, ist der Gewinn des Leerverkäufers.

Die US-Börsenaufsicht SEC kündigte an, die Regeln für Spekulanten wie etwa Hedgefonds zu verschärfen, um Missbräuche zu verhindern. Ab Donnerstag müssen Verkäufer und Broker unter anderem mit dem Abwicklungstermin - drei Tage nach der Kaufvereinbarung - die verkauften Aktien tatsächlich vorlegen. Ansonsten drohen Strafen. "Die neuen Regeln machen sehr deutlich, dass die SEC null Toleranz für den Missbrauch von Leerverkäufen hat", sagte Aufsichtschef Christopher Cox.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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