Russland Börsen bleiben heute dicht

Die russische Finanzbehörde hat den Aktienhandel auch heute untersagt. Bereits gestern waren die Börsen vorübergehend geschlossen worden. Nach dem tiefsten Kurssturz seit zehn Jahren war den Händlern das Bargeld ausgegangen. Selbst Milliardenhilfen der Regierung konnten das nicht verhindern.

Moskau - Der auf Anordnung der Finanzbehörde ausgesetzte Aktienhandel in Russland soll den ganzen Donnerstag über ruhen. Die Zwangspause solle erst am Freitag aufgehoben werden, kündigte Russlands Finanzminister Alexej Kudrin an, wie die Agentur Itar-Tass meldete. Der Handel an der RTS-Börse war am Mittwoch nach tagelangen massiven Kursverlusten gestoppt worden. An der zweiten großen Börse des Landes, Micex, durften am Donnerstag nur Pensionsgeschäfte abgewickelt werden.

Präsident Dmitri Medwedew beriet auf einer Krisensitzung mit der Regierung über Maßnahmen zur Beseitigung der Liquiditätsengpässe. Er wies die Regierung an, über eine zusätzliche Hilfe für die Finanzmärkte in Höhe von 500 Milliarden Rubel (13,8 Milliarden Euro) zu entscheiden. Die Hälfte der Summe müsse sofort aus dem Haushalt bereitgestellt werden. "Der russische Staat hat ausreichend Mittel, um die Wirtschaftskrise zu bewältigen", sagte der Kremlchef in Moskau.

Trotz weitgehend positiver Vorgaben der weltweiten Börsen am Mittwochmorgen war der Leitindex RTS bis zum Handelsstopp um 6,4 Prozent auf 1058,84 Punkte gesunken, nachdem er am Vortag bereits um 11,5 Prozent eingebrochen war. Das war der stärkste Einbruch seit der Russlandkrise 1998. Seit Mai sind die Kurse um 57 Prozent gefallen. Analysten machen die Finanzkrise, die fallenden Energiepreise und den Krieg in Georgien für den jüngsten starken Kursverfall verantwortlich.

Vor allem die Kurse russischer Bankaktien wie Sberbank und VTB sackten ab. Zunächst positive Vorgaben der Weltmärkte wurden von russischen Händlern am Mittwoch weitgehend ignoriert. "Uns interessiert nicht mehr, was im Westen passiert", sagte Maxim Gulewitsch, Leiter des Aktienhandels der Schweizer UBS in Russland. "Der Markt fällt, weil die Leute dringend Bares brauchen."

Banken geht das Bargeld aus

Banken geht das Bargeld aus

Laut der russischen Presseagentur Interfax haben mehrere mittelständische und kleine russische Banken anhaltende Liquiditätsprobleme. Auch der Börsenbroker Kit Finance warnte am Dienstagabend, nicht mehr alle Zahlungspflichten begleichen zu können. Kit-Chef Sergej Gretschischkin sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Mehrere große Kunden konnten ihre Verpflichtungen uns gegenüber nicht bedienen, dem Markt geht es schlecht, Liquidität ist Mangelware, daher konnten wir einigen unserer Verpflichtungen nicht nachkommen."

Das Finanzministerium kündigte an, am Donnerstag würden umgerechnet knapp zehn Milliarden Euro aus Budgetmitteln zur Stützung des Finanzmarktes gezahlt. Die Finanzaufsicht forderte die beiden Börsen auf, Schritte zur Bekämpfung der Krise zu unternehmen. Um die Liquiditätsausstattung der Banken zu verbessern, kappte die russische Zentralbank die Anforderung an die Reservehaltung der Banken.

Die Regierung hatte bereits am Dienstag eine Hilfe von 475 Milliarden Rubel (13,2 Milliarden Euro) bewilligt. Für die Abfederung der Liquiditätskrise stehen nach Angaben von Vize-Zentralbankchef Konstantin Korischtschenko insgesamt drei Billionen Rubel (knapp 82,6 Millarden Euro) zur Verfügung.

Die Regierung und die Zentralbank verfügten über alle notwendigen Instrumente zur Normalisierung der Lage auf dem Finanzmarkt, sagte der Präsident der Vereinigung regionaler Banken Russlands, Anatoli Aksakow. Vizeregierungschef Igor Schuwalow kündigte weitere Schritte zur Eindämmung der Marktschwäche an.

Der Chef der Moskauer Weltbank-Repräsentanz, Klaus Roland, hofft auf eine baldige Überwindung der Liquiditätskrise in Russland. "Durch den langjährigen Haushaltsüberschuss hat Russland beachtliche Reserven akkumuliert. Die Regierung ist durchaus in der Lage, die Liquiditätsengpässe zu beseitigen. Russland ist gut gewappnet", sagte er der Agentur Itar-Tass zufolge.

manager-magazin.de mit Material von dpa, afp und reuters

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