US-Börsen SEC schränkt Leerverkäufe ein

Die US-Börsenaufsicht will den Markt vor sich selbst schützen. Um den Kursverfall zu bremsen, sind ungedeckte Leerverkäufe von Aktien ab sofort verboten. Für die gebeutelten Finanztitel gelten die neuen Regeln allerdings längst.

New York - Angesichts massiver Verluste an den Aktienmärkten hat die US-Börsenaufsicht SEC die Vorschriften für Wetten auf fallende Kurse deutlich verschärft. Die Maßnahmen sollen vor allem den teils schwer gebeutelten Finanzwerten Luft verschaffen. Der fast totale Verlust des Börsenwerts hatte etwa die Probleme bei der nun im Insolvenzverfahren steckenden Investmentbank Lehman Brothers  und dem gerade vom Staat gestützten Versicherer American International Group (AIG)  massiv verschärft.

Mehrere Analysten äußerten die Vermutung, Leerverkäufe stünden auch hinter dem massiven Kursverfall der Investmentbanken Morgan Stanley  und Goldman Sachs  am Mittwoch. Die strengeren Vorschriften waren allerdings bereits im Sommer befristet für die 19 wichtigsten Finanzaktien - darunter die von Morgan und Goldman - eingeführt worden. Sie sollen von diesem Donnerstag an für alle gehandelten Aktien gelten, gab die SEC am Mittwoch bekannt. Die Wetten auf fallende Kurse durch Leerverkäufe ("Shortselling") werden allerdings nicht generell untersagt.

Beim Shortselling verkaufen Investoren Aktien, die sie sich von Dritten gegen Gebühr ausleihen. Sie hoffen auf fallende Kurse, um die Titel billiger zurückerwerben und dann dem Ausleiher wiedergeben zu können. Die Differenz zwischen den Preisen streichen sie als Gewinn ein. Verboten wird nun lediglich das so genannte Naked Short Selling, bei dem der Händler nicht nachweist, dass er tatsächlich im Besitz der verkauften Aktien war.

Die SEC werde Missbrauch mit ungedeckten Leerverkäufen in keinerlei Weise tolerieren, erklärte der SEC-Vorsitzende Christopher Cox am Mittwoch mit. Die neuen Regeln gelten nicht wie zuvor nur für Finanztitel, sondern für alle Aktien. Bei einem ungedeckten Leerverkauf verkaufen Investoren Aktien, die sie nicht besitzen und noch nicht einmal ausgeliehen haben. Sie spekulieren damit auf fallende Kurse und können so den Abwärtstrend einer Aktie dramatisch beschleunigen.

Kritiker von Börsenwetten auf fallende Kurse hatten immer wieder beklagt, dass Spekulanten die Notierungen so erst massiv nach unten treiben. Befürworter verweisen darauf, dass die Märkte so vor Übertreibungen nach oben geschützt werden - Shortseller könnten beispielsweise Spekulationsblasen zum Platzen bringen. Goldman Sachs selbst verdiente Milliarden, weil die Bank schon 2006 auf ein Ende des Immobilienbooms wettete und entsprechende Wertpapiere leerverkaufte.

Das Volumen dieser Leerverkäufe liegt derzeit an den Börsen auf Rekordniveau. Die nun eingeführte Pflicht, den Aktienbesitz nachzuweisen, dürfte den Handel erheblich erschweren.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ap und reuters