Verkauf gescheitert Lehman beantragt Gläubigerschutz

Beben in der Finanzbranche: Nach dem Scheitern aller Verkaufsbemühungen stellt sich die US-Investmentbank Lehman Brothers unter Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechtes. Es ist die größte Pleite in der US-Geschichte. Nun droht eine gefährliche Kettenreaktion.

New York - Die US-Investmentbank Lehman Brothers  teilte am Montagmorgen mit, beim Insolvenzgericht des südlichen Distriktes von New York werde Gläubigerschutz für die Lehman Brothers Holdings Inc beantragt. Die Broker-Dealer-Tochtergesellschaften oder andere zum Konzern gehörigen Gesellschaften seien von dem Antrag nicht betroffen. Die Kunden von Lehman Brothers und ihrer hundertprozentigen Tochter Neuberger Berman können weiter handeln und auf ihre Konten zugreifen.

Die US-Bank prüfe weiter den Verkauf der Broker-Sparten und des Investmentbankings. Zudem wurde bekannt, dass die Bank of America die US-Investmentbank Merrill Lynch zum Preis von 50 Milliarden Dollar übernimmt.

Die Bank of America  war ebenso wie die britische Bank Barclays zuvor als rettender Käufer für Lehman Brothers im Gespräch gewesen, hatte aber Regierungsgarantien verlangt. US-Regierung und Notenbank waren offenbar nicht bereit, erneut milliardenschwere Risiken zu übernehmen.

Weitere Staatshilfen offenbar verweigert

Die verzweifelten Rettungsbemühungen für Lehman Brothers scheiterten letztlich daran, dass die US-Regierung in anderen Fällen geleistete Staatshilfen offenbar ausgeschlossen hat.

Lehman führt mit einem Vermögen von 639 Milliarden Dollar (per 31. Mai) die Liste der größten Unternehmenspleiten der US-Geschichte an - mit weitem Abstand vor der Telefongesellschaft Worldcom, die in ihrem Insolvenzantrag von Juli 2002 ein Vermögen von 104 Milliarden Dollar angab, und dem Energiekonzern Enron, dessen Bücher im November 2001 noch 63 Milliarden Dollar aufwiesen.

Die Lehman-Insolvenz schürte Ängste vor neuen weltweiten Schockwellen an den Finanzmärkten. Eine Pleite von Lehman könnte dafür sorgen, dass Immobilienkredite und die ohnehin bereits abgestürzten Bewertungen der Asset-Backed-Securities weiter fallen. Dies würde weitere Banken, die solche ABS halten, zu weiteren Abschreibungen in Milliardenhöhe zwingen.

"Selbst wenn sich die Lage bei Lehman und Merrill jetzt klären sollte, bleiben uns noch Washington Mutual, die Monoliner und die Hedge-Fonds als künftige Krisenherde erhalten", sagte ein Börsianer. "Und die Fed sitzt in der Falle, denn sie hat fast nichts mehr, um Geld nachzuschießen."

Zu Handelsbeginn in Deutschland brachen die Kurse der großen deutschen Banken ein. Deutsche Bank  verloren in den ersten Handelsminuten mehr als fünf Prozent, Commerzbank  über sechs Prozent und Allianz  fast vier Prozent.

Zehn Banken bilden Notfallfonds

Zehn Banken bilden Notfallfonds

Zehn internationale Banken haben unterdessen einen Milliarden-Fonds zur Absicherung gegen mögliche Liquiditätsengpässe aufgelegt. Das Volumen liegt bei 70 Milliarden US-Dollar, wie das Konsortium am Sonntagabend in New York mitteilte. Neben der Deutsche Bank  gehören zu dem Verbund JP Morgan, Goldman Sachs, Bank of America, Barclays Citigroup, Credit Suisse, Merrill Lynch, Morgan Stanley und UBS .

Jede Bank stellt dem Fonds Kredite in Höhe von sieben Milliarden Dollar zu Verfügung, falls einer der teilnehmenden Kreditinstitute Kapital benötigt. Das Darlehensprogramm stehe weiteren Bankhäusern offen, hieß es. Mit dem Fonds wollen die Unternehmen die Auswirkungen von Marktverwerfungen abfedern, die durch die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers hervorgerufen werden.

Barclays stoppte Fusionspläne mit Lehman

Die britische Bank Barclays hat am Montag bestätigt, ein Zusammgehen mit Lehman Brothers in Betracht gezogen zu haben Ein Zusammegehen wäre aber nicht im besten Interesse der Aktionäre gewesen. Deshalb sei der Plan verworfen worden.

Erst vor sechs Monaten hatte die Investmentbank Bear Stearns wegen der Kreditkrise ihrem Zwangsverkauf an den Finanzkonzern J.P. Morgan Chase zustimmen müssen. Damit gibt es jetzt mit Goldman Sachs  und Morgan Stanley nur noch zwei unabhängige Investmentbanken an der Wall Street statt fünf vor einem halben Jahr.

manager-magazin.de mit Material von dow jones und ap