Fiasko Lehman mit Milliardenverlust

Die US-Investmentbank Lehman Brothers hat im dritten Quartal fast vier Milliarden Dollar Verlust gemacht. Das Institut kündigt einen Strategiewechsel an. Nach der Absage eines Investors aus Korea will Lehman nun sein Tafelsilber verkaufen.

New York - Die angeschlagene US-Investmentbank Lehman Brothers  hat im dritten Quartal 3,9 Milliarden Dollar Verlust und damit 5,92 Dollar je Aktie (EPS) gemacht, teilte das Finanzinstitut am Mittwoch mit. Experten hatten im Schnitt mit einem negativen EPS von 2,91 Dollar gerechnet. Die Bank erwartet Abschreibungen von 7,8 Milliarden Dollar.

Im Vorjahreszeitraum hatte Lehman ein Ergebnis je Aktie von 1,54 Dollar und Einnahmen von 4,31 Milliarden Dollar verzeichnet. Die US-Bank hatte ursprünglich vorgesehen, ihre Quartalszahlen erst am 18. September vorzulegen.

Lehman-Chef Richard Fuld sprach einer der "schwersten Zeiten in der Geschichte des Unternehmens". Um aus der Krise zu kommen, hat das in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckende Finanzhaus eine umfassende Umstrukturierung angekündigt.

Zuvor hatte die südkoreanische Korean Development Bank Gespräche über einen milliardenschweren Einstieg bei Lehman beendet. Die Lehman-Aktien waren wegen entsprechender Gerüchte am Dienstag um 45 Prozent abgestürzt.

Im vorbörslichen US-Handel legten die Papiere am Mittwoch jedoch um 12 Prozent zu. Vor der Verlustmitteilung hatten sie sogar 28 Prozent im Plus gelegen, weil Händler auf den Erfolg des bereits kolportierten Konzernumbaus setzten.

Bereits im zweiten Quartal hatte das Haus wegen der US-Hypothekenkrise einen Verlust von 2,87 Milliarden Dollar hinnehmen müssen und damit erstmals seit seiner Ausgliederung aus American Express  im Jahr 1994 rote Zahlen geschrieben.

Die Aktie, die am Vortag bereits um 45 Prozent abgestürzt war, baute am Nachmittag ihre Verluste zunächst weiter aus. Lehman will die Jahresdividende auf 0,05 US-Dollar je Aktie kürzen.

Vieles muss raus

Vieles muss raus

Zudem kündigte die US-Investmentbank strategische Umstellungen an. Zum einen will Lehman Brothers die Mehrheit am Geschäftsbereich "Investment Management" verkaufen. Die Veräußerung soll in einem Buchwertgewinn von mehr als 3 Milliarden Dollar resultieren. Gleichzeitig will sich das Unternehmen mehr als 50 Prozent des Vorsteuerergebnisses der Sparte sichern.

Zudem plant das Finanzhaus die Ausgliederung des Bereiches "Geschäftsimmobilien" in eine neue Gesellschaft mit dem Namen Real Estate Investments Global (REI Global). Der Spinoff des Segments soll im ersten Quartal 2009 abgeschlossen werden. Das Spinoff-Portfolio habe ein Volumen von 25 Milliarden bis 30 Milliarden Dollar, teilte das Unternehmen mit.

Des Weiteren steht Lehman Brothers in Verhandlungen mit dem Vermögensverwalter BlackRock, um die britischen Privatimmobilien zu verkaufen. Von diesem Schritt erwartet sich die US-Investmentbank einen Erlös von rund 4 Milliarden Dollar. Eine entsprechende Vereinbarung solle in den nächsten Wochen abgeschlossen werden. In Medienberichten war zuvor bereits die Rede von wichtigen neuen strategischen Initiativen gewesen.

Schließlich will Lehman Brothers das Engagement in wenig liquiden Vermögenswerten, wie beispielsweise Hypothekenkrediten deutlich reduzieren. So soll die Verwicklung in Hypothekenkredite um fast die Hälfte auf 13,2 Milliarden Dollar sinken.

Lehman senkte im dritten Quartal nach eigenen Angaben die Höhe der ausstehenden privaten Hypothekendarlehen um 31 Prozent auf 17,2 Milliarden US-Dollar. Bei den Gewerbeimmobilien gingen die Außenstände um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 32,6 Milliarden Dollar zurück.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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