Wochenausblick "Ike" ante Portas

Auch in der kommenden Woche richten sich die Augen der Börsianer wieder auf die USA. Dort lassen sie weder die Routen der tobenden Wirbelstürme aus dem Blick, noch die Entwicklung der Konjunktur in der größten Volkswirtschaft der Welt. Eines scheint schon jetzt klar: Die negative Grundstimmung am deutschen Aktienmarkt wird sich nur schwer verscheuchen lassen.

Frankfurt am Main - "Uns steht eine weitere Woche ohne große Euphorie an den Börsen bevor", sagte ein Aktienhändler. Der Dax werde sich vermutlich weiterhin eher in der Verlust- als in der Gewinnzone aufhalten. In der vergangenen Woche hatte der deutsche Leitindex fast 4 Prozent eingebüßt.

Auch die Analysten der Landesbank Berlin (LBB) sehen in der kommenden Woche kaum Chancen für einen nennenswerten Kursanstieg. Sie verweisen angesichts der globalen Konjunkturschwäche und des steigenden US-Dollar auf die Fülle von Belastungsfaktoren und das wachsende Enttäuschungspotenzial bei den Unternehmensgewinnen. Für wahrscheinlicher halten sie die "Fortsetzung der Schaukelbörse", wobei für sie das Risiko eines erneuten Kursrückgangs mit dem Näherrücken der Berichtssaison steigen dürfte.

Andreas Hürkamp von der Commerzbank rechnet ebenfalls damit, dass die Gewinne deutscher Unternehmen "mehr und mehr" unter Druck kommen werden und dies die Stimmung an den Aktienmärkten in der nächsten Zeit weiter belastet. Dies signalisierten Frühindikatoren wie die Ifo-Erwartungen und das Wachstum der Geldmenge M1. Der benötigte "monetäre Rückenwind" durch Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) lasse jedoch weiter auf sich warten.

Wenn die Börsianer derzeit kritisch die Entwicklung des Ölpreises verfolgen, lassen sie dabei die Routen der tobenden Wirbelstürme nicht aus dem Blick. Wegen des Hurrikans "Gustav" war es in der vergangenen Woche zu Produktionsausfällen gekommen. Die Nachricht, dass mehrere Ölraffinerien nach dem Hurrikan wieder ihre normale Förderung aufgenommen hätten, hatte zum Rückgang des Ölpreises beigetragen. Nach der derzeit wütenden "Hanna" dürfte in den kommenden Tagen bereits der nächste Wirbelsturm mit dem Namen "Ike" an den Türen der Amerikaner rütteln und möglicherweise auch die Börsianer auf Trab halten.

Aktienhändler Oliver Opgen-Rhein von HSBC Trinkaus & Burkhardt verwies auf die anstehenden US-Konjunkturdaten, die in den kommenden Tagen neben dem Ölpreis die Richtung am Aktienmarkt bestimmten dürften. Dabei wird neben den jüngsten Daten zu den US-Lagerbeständen und den Erzeugerpreisen auch der Konsumklimaindex der Universität Michigan verstärkt Beachtung finden. Der Index gilt als Stimmungsbarometer für das Kaufverhalten der US-Verbraucher. Der private Konsum ist die wichtigste Konjunkturstütze der größten Volkswirtschaft der Welt. Angesichts der jüngsten Finanzmarktturbulenzen steht das Verbraucherverhalten besonders im Blickpunkt.

Optimismus herrscht beim Börsenkandidaten Schott Solar vor. Die Börsenpläne des Solarunternehmens nehmen weiter Gestalt an. Am Montag sollen Details zum geplanten Börsengang veröffentlicht werden. Das Solarunternehmen will noch in diesem Jahr an die Börse und dabei bis zu 500 Millionen Euro einsammeln. Damit wäre der Börsengang abgesehen von dem der Deutschen Bahn der größte in diesem Jahr in Deutschland.

Am Freitag stehen die Aufsichtsratssitzungen bei Volkswagen  und der Deutschen Post  auf der Agenda der Börsianer. Nach Medienberichten könne dies bereits die entscheidende Sitzung sein, in der das Logistik-Unternehmen den Verkauf der Postbank  abblase. Post-Chef Frank Appel könne nicht mehr lange mit der Entscheidung warten kann, ohne seinen Ruf zu schädigen. Die Post hält 50 Prozent plus eine Aktie an der Postbank und sucht seit Monaten nach einem Käufer für ihren Anteil

Sonja Funke, dpa-afx

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.