Neuer Markt Sause geht weiter

Nach der Einschätzung von Börsenexperten wird der Nemax im nächsten Jahr die 6000-Punkte-Marke knacken.

Frankfurt - Die meisten Analysten rechnen für das kommende Jahr mit einer Fortsetzung der Hausse am Neuen Markt. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter Wertpapierhändlern, technischen Analysten und Fondsmanagern.

Als Schrittmacher des gut zweieinhalb Jahre alten Börsensegments gelten die Bereiche Telekommunikation und das Internet. Beide Technologien stünden erst am Beginn ihrer Entwicklung und Durchdringung der Gesellschaft, heißt es.

Nach Einschätzung von Heiko Veit, Fondsberater bei der Baden-Württemberg-Bank-Tochter BW Asset Consult, wird sich im Jahr 2000 die Spreu noch stärker vom Weizen trennen. Immer öfter werde es dazu kommen, dass Unternehmen mit zu hochgesteckten Prognosen im Börsenkurs abgestraft würden, sagte Veit. Nur wer die Erwartungen auch wirklich erfülle, könne weiter mit der Gunst der Anleger rechnen.

Ludger Fossenberg, Fondsmanager bei der BfG Bank in Frankfurt, erwartet am Jahresende 2000 einen Stand von 5000 Punkten beim alle Neuen-Markt-Werte umfassenden Nemax-Index. Das sei allerdings noch eine konservative Schätzung, fügte er hinzu. Der Nemax hatte Mitte Dezember seine alten Höchststände von rund 4000 Punkten übertroffen. Der Sprung von derzeit um die 4250 Zähler auf dann 5.000 Punkte ist nach Ansicht des Fondsmanagers "locker erreichbar".

Für ein weiteres Plus von 1000 Punkten könnten die im kommenden Jahr anstehenden Neuemissionen am Neuen Markt sorgen, die bei den Investoren bei anhaltend gutem Börsenumfeld zusätzliche Liquidität locker machen könnten, sagte Fossenberg.

Flut der Neuemissionen wird anhalten

Die Deutsche Bank rechnet jährlich mit rund 150 Neuzugängen am Neuen Markt. Eine Emissionsflut könne jedoch auch schaden, weil sie die Liquidität aus den etablierten Titeln zieht, hieß es. Dem Neuen Markt brachte sie in diesem Jahr zwischen Februar und Oktober eine scharfe Korrektur um ein Drittel ein. Die allseits erwartete Aufschwungstimmung im Jahr 2000 könnte also auch schnell umschlagen.

Mit Börsengängen an den Neuen Markt rechnet die im Neuemissions-Geschäft stark engagierte Frankfurter DG Bank im Jahr 2000 zuhauf. Bis zum Ende des neuen Jahres sieht sie eine Verdoppelung der am Wachstumssegment notierten Unternehmen von derzeit 200 auf 400 Unternehmen. Dieses Szenario sei zwar kühn, aber angesichts der außergewöhnlichen Dynamik des Börsensegments vorstellbar, schrieb die Bank unlängst.

Nur Nasdaq kann den Aufstieg des Nemax gefährden

Als ein möglicher Störfaktor für die Fortsetzung der Feierstimmung am Neuen Markt, die erst zum Jahresende 1999 aufkam, gilt bei den Experten ein Abbruch der Kursrallye an der US-Technologiebörse Nasdaq.

"Ein Absturz, der auch jäh sein kann, muss einkalkuliert werden", prognostiziert Fondsmanager Fossenberg. Vor allem einem Einbruch der US-Börse Nasdaq werde der Frankfurter Neue Markt nicht widerstehen können und dann ebenfalls schwächeln. Bis dato hat der Nasdaq-Index 78 Prozent seit dem Jahresbeginn 1999 zugelegt.

Fondsberater Veit sieht den Neuen Markt aber immer eigenständiger werden. "Die Unternehmen sind noch sehr national orientiert". Das erlaube eine gewisse Abkoppelung von den USA.

Eine größere Eigenständigkeit des Neuen Markts gegenüber der Nasdaq sieht Giuseppe-Guido Amato, Wertpapierhändler beim Düsseldorfer Handelshaus Lang & Schwarz, allerdings nicht. Schließlich basierten die wachstumsträchtigen neuen Technologien auf internationalen Standards und nicht auf nationalen Märkten. Deshalb lautet sein Motto: "Die Nasdaq darf man bei der Betrachtung des Neuen Markt nicht außer acht lassen."

Amato sieht vor allem das sogenannte Mobil Commerce (m-commerce) als Triebfeder für das weitere Wachstum am Neuen Markt. M-Commerce meint Surfen und Shoppen per Handy im Internet. "Dieser technologielastige Markt wächst noch", ist sich der Händler sicher. Den Nemax-50-Index der schwergewichtigsten Neuen-Markt-Werte sieht der Experte zum Jahreswechsel 2000/01 bei 6500 Punkten, was vom derzeitigen Indexstand aus ein Plus von 1500 Punkte bedeuten würde. Der erwartete Indexstand sagt jedoch allein wenig über die Kursentwicklung der Neuen-Markt-Werte im kommenden Jahr aus, denn im Nemax sind Gewinner wie Verlierer gleichermaßen vertreten.

Auch aus charttechnischer Sicht stehen die Zeichen für einen weiteren Aufschwung am Neuen Markt gut. Der aus der "n-tv-Telebörse" bekannte Chartist Wieland Staud ist zuversichtlich, dass der Nemax-50 das kommende Jahr zwischen 5300 und 5500 Punkten beenden wird. Gemessen an der jüngsten Kursrallye seit November wäre ein solcher Anstieg sehr verhalten. Ungeachtet dessen sieht der technische Analyst den Neuen Markt "in einer langfristigen, stabilen Aufwärtsbewegung".

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