Wochenausblick "Anleger müssen sich in Geduld üben"

Ein Ende der Flaute am deutschen Aktienmarkt ist nicht in Sicht. Die Anleger müssen sich in Geduld üben, sagen Analysten. Sie rechnen damit, dass der Dax auch in der kommenden Woche stark schwankungsanfällig bleibt. Konjunkturdaten und der Ölpreis dürften die Richtung vorerst bestimmen.

Frankfurt am Main - "Es sind weiterhin keine starken Impulse in Sicht, die für eine nachhaltige Erholung der Aktienmärkte sorgen könnten", schreibt beispielsweise die UniCredit. Die Experten der Landesbank Berlin (LBB) rechnen ebenfalls damit, dass die Jahrestiefststände nochmals getestet werden könnten. "Alles spricht für eine Fortsetzung der schwankungsanfälligen Aktienbörsen. Anleger werden sich weiter in Geduld üben müssen".

Die deutsche Unternehmenslandschaft steht im Zeichen der sich abzeichnenden Hochzeit in der Finanzbranche. "Die Dresdner Bank könnte für die Commerzbank attraktiv sein, aber entscheidend ist der Preis", betonte Analyst Alexander Hendricks von der Deutschen Bank. Das fusionierte Unternehmen wäre ein wichtiger Akteur im deutschen Privat- und Geschäftskundengeschäft. "Es könnte eine 'Win-Win-Situation' werden, aber es ist eine große Herausforderung." Am Sonntag wollten die Aufsichtsräte der Dresdner-Mutter Allianz und der Commerzbank über ein Zusammengehen entscheiden.

Fokus weiter auf Öl und Konjunktur

Ansonsten sind voraussehbare Unternehmensdaten Mangelware in der bevorstehenden Handeslwoche. Deshalb dürften weiterhin Konjunkturdaten und die Entwicklung des Ölpreises die Richtung an den Märkten vorgeben. "Einige besser als erwartet ausgefallene US-Daten konnten bereits in der Vorwoche die Stimmung etwas heben. Allerdings fehlt den Marktteilnehmern nach enttäuschenden Daten aus der Eurozone die Überzeugung, dass sich ein baldiges Ende der schwierigen Börsenzeiten abzeichnet", schrieben die LBB-Experten.

Zinssenkung der EZB nicht zu erwarten

Für zusätzliche Unruhe sorgt auch der wieder steigende Ölpreis. "Vorsicht vor Gustav", warnt vor diesem Hintergrund Rohstoffexperte Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Je mehr die prognostizierte Route des Sturms Gewissheit annimmt, desto höher die 'Zitterprämie' beim Ölpreis".

Von der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) erwarten die Marktteilnehmer am Donnerstag keine Zinssenkung. Zeitweise aufkeimende Hoffnungen, die EZB werde die Wirtschaft mit niedrigeren Leitzinsen entlasten, wurden von EZB-Ratsmitglied und Bundesbankpräsident Axel Weber im Keim erstickt. Er warnte vor einer Lohn-Preis-Spirale. Auch die Deutsche Bank und die UniCredit rechnen nicht in absehbarer Zukunft mit Zinssenkungen.

"Optimismus nicht gerechtfertigt"

Aktienstratege Carsten Klude von MM Warburg zeichnet über die Woche hinaus ein düsteres Bild für den Aktienmarkt. "Der Optimismus bezüglich der Unternehmensgewinne ist nicht gerechtfertigt. Wir bewegen uns nahe einer Rezession. Daher ist ein Rutsch des Dax unter 6000 Punkte zum Jahresende möglich."

Was die Konjunktur angeht, richtet sich das Augenmerk der Anleger auf die Indizes der US-Einkaufsmanager am Dienstag und Donnerstag. Hinweise auf die Wirtschaftsentwicklung in der Eurozone erhoffen sie sich von den Zahlen zu den europäischen Einzelhandelsumsätzen (Mittwoch) und zum Auftragseingang der deutschen Industrie (Donnerstag). "Das Highlight sind aber die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag", betonte M.M.-Warburg-Experte Klude. "Wir rechnen mit einem erneuten Job-Abbau."

Umstellung im Dax dürfte für Bewegung sorgen

Auf Interesse dürfte Mitte der Woche die Entscheidung des Arbeitskreises Aktienindizes der Deutschen Börse stoßen. Im deutschen Leitindex werden aller Voraussicht nach wieder Stühle gerückt. Ein Abstieg des Touristik- und Schifffahrtskonzern Tui gilt bereits als sicher - den Platz einnehmen dürfte der Düngemittelhersteller K+S.

Für die zuletzt noch als Wackelkandidat geltende Hypo Real Estate (HRE) könnte es Experten zufolge gerade noch gereicht haben. Damit bliebe für Salzgitter die Tür in die erste Börsenliga verschlossen. Der TecDax dürfte unterdessen noch solarlastiger werden - SMA Solar und Manz Automation gelten als Kandidaten.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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