Fluglinie Alitalia beantragt Gläubigerschutz

Die angeschlagene Fluggesellschaft Alitalia hat am Freitag Gläubigerschutz beantragt. Damit soll der Weg hin zu einem Umbau und einer Verschlankung geebnet werden, die das Unternehmen retten sollen. Zugleich laufen offenbar Verhandlungen mit der Lufthansa. Doch die will davon nichts wissen.

Rom - Der Antrag erfolge gemäß einer von der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi speziell für die Fluglinie initiierten Gesetzesänderung vom Beginn der Woche, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Dieser Schritt macht den Weg frei für den Verkauf der rentablen Bereiche der Alitalia  an eine Gruppe von italienischen Investoren, die zur Sanierung des Unternehmens zunächst rund eine Milliarde Euro bereitstellen wolle, heißt es.

Nach einem italienischen Medienbericht verhandelt Alitalia  verhandelt auch mit der Deutschen Lufthansa  und Air France-KLM  über eine mögliche Partnerschaft. "Wir sprechen mit beiden im gleichen Tempo", sagte der Sprecher der neuen Alitalia-Investorengruppe, Roberto Colaninno, der Zeitung "La Repubblica" (Freitagausgabe). "Einer der beiden wird es, das ist unabdingbar", fügte er hinzu.

Die Lufthansa wollte den Bericht auf Anfrage von manager-magazin.de nicht kommentieren. Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber hatte Mitte August erklärt, der italienische Markt sei "interessant", doch man müsse abwarten, ob der Rettungsplan für Alitalia aufgeht. Als die Gesellschaft noch als Ganzes zum Verkauf stand, hatte die Lufthansa, die lange als möglicher Käufer galt, auf ein Gebot verzichtet. Die hohe Schuldenlast der Alitalia könne keine Airline tragen, so Mayrhuber. Die Lufthansa verstärkt nun ihre eigenen Flüge vom italienischen Flughafen Mailand aus.

Am Mittwoch hatte "La Repubblica" berichtet, 16 italienische Investoren hätten zur Rettung der maroden Fluglinie eine neue Betreibergesellschaft gegründet, die von Colaninno als Chef des Vespa-Herstellers Piaggio geführt werde. Die Investoren wollen den Angaben zufolge etwa eine Milliarde Euro investieren und suchen noch einen internationalen Partner.

Einem Plan der als Berater verpflichteten Banca Intesa  zufolge will die Betreibergesellschaft nur die rentablen Bereiche der Airline übernehmen, die unrentablen Aktivitäten mit den Altschulden sollen von dem neuen Unternehmen abgespalten werden. Um dies zu ermöglichen, hat das italienische Parlament in dieser Woche eigens das Insolvenzrecht geändert. Auch Unternehmen in "strukturellen Krisen" können demnach Insolvenz anmelden, wenn sie nicht in einer finanziellen Notlage sind.

Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat einige Hebel in Bewegung gesetzt, um über die nationale Lösung einen befürchteten "Ausverkauf" an Air France zu verhindern. Im Mai beschloss das Parlament auf "dringenden" Antrag der Regierung, die Autobahngebühren künftig jedes Jahr automatisch und ungeprüft anzuheben. Zu den Hauptprofiteuren zählt die Familie Benetton, die sich an der Alitalia-Investorengruppe beteiligt. Zudem zeichnet sich ab, dass die italienische Fluggesellschaft Air One, die ebenfalls zu den Investoren zählt, eine Sondergenehmigung bekommt, damit das Kartellamt die Rettung nicht untersagt.

Der Name Alitalia soll auch künftig die Flugzeuge des Konzerns zieren. Mindestens 5000 Arbeitsplätze sollen gekürzt und die Flotte um dutzende Flugzeuge verkleinert werden. Alitalia steht seit 20 Monaten zum Verkauf. Ende April waren Pläne zu einer Alitalia-Übernahme durch Air France-KLM fehlgeschlagen.

Derzeit überlebt die noch zu 49,9 Prozent in Staatsbesitz befindliche italienische Gesellschaft nur durch einen Überbrückungskredit der Regierung. Die einst stolze Alitalia schreibt seit 1999 operativ rote Zahlen. Unterm Strich stand nur im Jahr 2002 ein Gewinn, weil die niederländische KLM eine Entschädigung dafür zahlte, dass sie eine Allianz beendete. Im vergangenen Jahr verlor Alitalia netto 495 Millionen Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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