Analysten Telekom-Engagement bei Bouygues plausibel

Eine Übernahme der Bouygues Telecom als drittgrößter Mobilfunkanbieter Frankreichs durch die Deutsche Telekom wäre aus Sicht von Marktkennern durchaus plausibel.

Düsseldorf/Paris - Nach dem kürzlich bekanntgegebenen Erwerb des Festnetzanbieters Siris wäre es für die Telekom sinnvoll, ihr Engagement im Nachbarland um den Bereich Mobilfunk abzurunden, der zu den Wachstumsfeldern des Ex-Monopolisten zählt, meinten Analysten am Mittwoch. Vorangegangen waren Berichte, der Telekom-Vorstandsvorsitzende Ron Sommer habe tags zuvor mit dem französischen Industriellen Martin Bouygues verhandelt. Bei der Telekom hieß es dazu wie immer: "Kein Kommentar".

Der Analyst Joeri Sels vom Bankhaus Julius Bär meinte auf Anfrage von vwd, dass die Telekom am französischen Markt interessiert sei, "liegt vollkommen auf der Hand". Ein Engagement bei bei der Bouygues SA, Saint-Quentin, passe in die bisher zu beobachtende Strategie, wonach die Bonner ihre Mobilfunkaktivitäten auf dem Kontinent ausbauen, vor allem in Großbritannien durch die Übernahme von One2One, aber auch in Mittel- und Osteuropa. Allerdings würde ein Kauf von Bouygues "sehr teuer", gab Sels zu Bedenken. "Wenn die Bewertung irgendwo zwischen 5000 und 10.000 Euro pro Kunde läge, würde ich es begrüßen."

Frank Wellendorf von der WestLB betonte, der französische Markt zähle neben dem deutschen, dem italienischen und dem britischen zu den vier attraktivsten in Europa. Um hier auf dem Handysektor mit vertreten zu sein, komme - neben dem langwierigen Bieten um eine UMTS-Lizenz - nur Bouygues als Vehikel in Frage: Die im Streit von der Telekom geschiedene France Telecom SA, Paris, scheide als Partner aus, und die SFR habe eine solche Vielzahl von Gesellschaftern, dass die Bonner sicherlich nicht zum Zuge kämen.

Ein Telekom-Sprecher meinte lediglich, Frankreich sei immer ein attraktiver Markt, den man aufmerksam beobachte. Im übrigen wolle die Telekom die Spekulationen nicht kommentieren. Der Vorstandsvorsitzende Sommer hatte zuletzt am Montagabend vor der Presse betont, das künftige Wachstum des Unternehmens solle "ganz wesentlich" aus der Internationalisierung kommen. Hier strebe die Telekom "möglichst immer Mehrheitsbeteiligungen, Übernahmen oder eine Fusion" an. Ausgangspunkt für die weitere Expansion sei Europa, was aber Engagements außerhalb des Kontinents keineswegs ausschließe. Die Telekom arbeite weiter an einer "Reihe von interessanten Optionen".

Die französische Wirtschaftszeitung "La Tribune" berichtete, Martin Bouygues sei nicht bereit, seinen Mehrheitsanteil an der Bouygues Telecom zu verkaufen. Damit bleibe für die Telekom nur die Möglichkeit eines feindlichen Übernahmeangebots für die gesamte Bouygues-Gruppe, die auch im Baugeschäft aktiv ist. Die "Financial Times" hatte am Dienstag gemeldet, Sommer wolle seinen Übernahmeplan vorzugsweise im Einvernehmen, notfalls aber auch gegen den Willen Bouygues' durchsetzen. Der französische Mobilfunkanbieter ist nicht an der Börse notiert, so dass er bei einer Verkaufsweigerung Bouygues', der 53,7 Prozent der Anteile hält, nur über ein feindliches Übernahmeangebot für die gesamte Gruppe in die Hände der Telekom gelangen könnte. Zu den übrigen Anteilseignern der französischen Telefongesellschaft gehören die deutsche Veba, der italienische Ex-Monopolist Telecom Italia SpA, die Banken Paribas und BNP Banexi sowie die französische Gruppe JC Decaux.

Die Veba hält 17,5 Prozent an Bouygues. Im Zuge der Fusion mit der Münchner Viag AG und seiner Konzentration auf Energie und Chemie hat sich der Düsseldorfer Konzern bereits von seinen Anteilen an dem Mobilfunkunternehmen E-Plus und dem Festnetzbetreiber o.tel.o getrennt. Welchen Stellenwert der Telekommunikationsbereich rund um den Börsenkandidaten Viag Interkom in dem fusionierten Konzern künftig haben wird, ist noch offen.

WestLB-Analyst Wellendorf meinte, es sei denkbar, dass die Telekom den gesamten Bouygues-Konzern kaufe, um den Baubereich dann woanders unterzubringen. Spekulationen rankten sich in diesem Zusammenhang um die Hochtief AG, Essen, als möglichen Aufkäufer. Eine Unternehmenssprecherin wollte dazu keinen Kommentar abgeben. Der Hochtief-Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Keitel hatte kürzlich deutlich gemacht, dass Frankreich nicht zu den Zielmärkten für die Internationalisierung des Baukonzerns zähle.

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