BMW Brüssel untersucht Rover-Hilfen

Der Münchener Autokonzern muss sich auf Verzögerungen und möglicherweise eine Verminderung der britischen Hilfen für seine Verlusttochter Rover einstellen. Die EU-Kommission nimmt den Vorgang seit Mittwoch unter die Lupe.

Brüssel - Sie habe ein formelles Prüfverfahren für einen Teil der britischen Staatsbeihilfen eingeleitet, erklärte die Brüsseler Behörde am Mittwoch. Unter die Lupe genommen werden 152 Millionen Pfund (rund 470 Millionen Mark), die bei der Modernisierung des Rover- Werkes Longbridge eingesetzt werden sollen. Eine Entscheidung der EU muss nun in vier bis 18 Monaten fallen. Ein BMW-Sprecher äußerte die Erwartung, die Prüfung werde nach deutlich weniger als 18 Monaten abgeschlossen sein. Über die neue Lage will sich BMW kurzfristig mit der britischen Regierung beraten.

Das eingeleitete EU-Prüfverfahren nährt Befürchtungen in Großbritannien, dass die Sanierung von Rover und Modernisierung des Werkes Longbridge behindert werden könnte. Davon hängen Tausende von Stellen in Longbridge ab. Mit einer Blockade der Regierungshilfen durch die EU rechnet in Firmenkreisen zwar niemand, eine Reduzierung durch Auflagen der Kommission wird aber in den Kreisen als nicht unwahrscheinlich erachtet.

Ein BMW-Sprecher wollte sich nicht zur Frage äußern, ob eine negative Entscheidung der EU gar das gesamte Rover-Engagement gefähren könnte. Zu solchen Überlegungen bestehe derzeit kein Anlass, sagte der Firmensprecher. In Branchenkreisen hieß es, sollte die EU die Regierungshilfen deutlich zusammenstreichen, werde BMW vermutlich sein Rover-Engagement neu durchrechnen.

Die EU-Kommission begründete das Einleiten eines formellen Prüfverfahrens mit Zweifeln daran, dass BMW tatsächlich Alternativen zu Longbridge erwogen habe, etwa die Verlagerung der Investitionen nach Ungarn. "Die Eröffnung des Verfahrens basiert auf Zweifeln, ob die Entscheidung wirklich ernsthaft abgewogen wurde", erklärte die Kommission. Zudem würden Teile der Kosten-Nutzen-Analyse für Longbridge, die für die Gesamtvergleich mit Alternativen eine Rolle spielten, in Frage gestellt.

Die Kommission unterstrich, sie werde alle Anstrengungen unternehmen, um den Fall schnellstmöglich abzuschließen. Auch BMW hat nach eigenen Angaben Interesse daran, dass die Entscheidung in einigen Monaten falle und nicht der Spielraum von 18 Monaten ausgenutzt wird.

BMW hatte im Juni bei Rover ein Investitionsprogramm mit einer fünfjährigen Laufzeit über rund zehn Milliarden Mark angekündigt. Die Regierungsförderung der Modernisierung des als veraltet geltenden Werkes Longbridge, in dem künftig neue Modelle von Rover gefertigt werden sollen, war von BMW als ein essenziell betrachtet worden, um diese Großinvestition in Großbritannien vorzunehmen. Erst am Vortag hatte BMW angekündigt, dass ein deutsche BMW-Manager die Leitung des Werkes übernehmen werde. Rover hatte BMW 1998 einen Milliardenverlust beschert und wird dies nach bisherigen Angaben vermutlich auch 1999 tun.

Immer wiederkehrenden Gerüchten, dass für die Rover- Gesundung wichtige neue Modell Rover 75 erfülle in seinen Verkaufszahlen nicht den Erwartungen, wies ein BMW-Sprecher zurück. "Wir sind insgesamt zufrieden", sagte er. Das gelte auch für die Absatzentwicklung des Modells im britischen Heimatmarkt.

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