Marktanalyse Autokäufer profitieren vom Preiskampf

Die deutsche Autoindustrie fährt 2000 in schwieriges Gelände. Nach zwei Spitzenjahren muss sich Deutschlands wichtigster Wirtschaftszweig auf niedrigere Drehzahlen einstellen.

Frankfurt am Main - Davon sind vor allem die Massenhersteller VW, Opel und Ford betroffen. Während die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Westeuropa an Fahrt gewinnt, rechnen Branchenexperten sowohl für Deutschland als auch den Euro-Raum mit einem Absatzrückgang von etwa zwei Prozent.

Ein stabilisierender Faktor ist weiter der starke Dollar, der die Ausfuhren nach Übersee unterstützt. Aber davon profitieren vor allem die Anbieter der oberen Modellreihen wie Audi, BMW, Mercedes und Porsche. Bereits 1999 war der Export der eigentliche Branchenmotor. Erstmals in der Geschichte der deutschen Autoindustrie konnten 3,4 Millionen Pkw/Kombi - und damit 64 Prozent der gesamten Produktion - im Ausland abgesetzt werden. Die inländischen Bestellungen weisen dagegen seit Herbst deutliche Schwächen auf, im November lagen sie sogar um 15 Prozent unter Vorjahresniveau.

Der schärfere Konkurrenzkampf wird deshalb bei den unteren und mittleren Modellreihen mit noch härteren Bandagen ausgefochten. Schon 1999 zeigen sich deshalb tiefe Spuren in den Bilanzen der Hersteller. Obwohl VW noch einen deutlichen Umsatzzuwachs aufweisen kann, bleibt der Gewinn vor Steuern hinter dem 98er Niveau zurück. Die deutschen US-Töchter von General Motors (Opel und Ford werden sogar mit tiefroten Zahlen im Autogeschäft abschließen).

Gemessen an den Absatzzahlen war 1999 noch ein sehr gutes Autojahr. Das 98er Produktionsvolumen von 5,3 Millionen Pkw/Kombi kann knapp behauptet werden. Dafür sorgte allerdings ein enormer Auftragsbestand von mehr als 600 000 Pkw/Kombi zum Jahreswechsel 1998/1999. Doch dieser Berg ist längst abgearbeitet. Damit ist der Glanz der äußerst erfolgreichen Automobilschau IAA in Frankfurt auch schon verblasst.

Die schwächere Nachfrage lässt mittlerweile bedrohliche Überkapazitäten in Europa sichtbar werden. In den Konzernzentralen sind die Planungen bereits nach unten korrigiert worden. So hat der VW-Konzern das ergeizige Vorhaben, weltweit sechs Millionen Autos pro Jahr zu verkaufen, von 2002 auf 2004 verschoben. Bei Ford wurden sogar schon handfeste Konsequenzen gezogen: Ein britisches Werk ging an die Konzernmarke Jaguar. Die Kölner Ford-Werke - ohnehin von einer Talfahrt bei den Markanteilen gezeichnet - müssen bereits zur Kurzarbeit greifen. Allein im ersten Halbjahr 2000 sollen an 23 Tagen jeweils 1000 Fahrzeuge weniger gebaut werden.

Ford ist derzeit das beste Beispiel für die unterschiedlichen Firmenkonjunkturen. Im Oktober kamen die Kölner nur noch auf einen Marktanteil von gut sechs Prozent. Damit liegen sie bereits hinter Renault. Aber auch Opel hat schwer zu kämpfen und kann trotz immenser Verkaufshilfen verlorenes Terrain kaum zurückholen.

Während sich die Arbeitnehmer in den Fabriken und im Handel auf schwere Zeiten einstellen müssen, profitieren die Kunden von niedrigen Neuwagenpreisen. Mit Sonderangeboten, Rabatten, Zusatzausstattungen und günstigen Finanzierungsangeboten kämpfen die Autohersteller um jeden Käufer - mit entsprechender Auswirkung auf die Gewinne.

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