Dienstag, 26. Mai 2020

Rohstoffe Die Preise steigen weiter

Das Institut der deutschen Wirtschaft warnt vor einer Krise in der Rohstoffversorgung. Die Importe drohten in Zukunft noch deutlich teurer zu werden. Die Ölversorgung bereitet den Forschern nur wenig Sorgen. Bei wichtigen Metallen und Mineralien könne es aber Engpässe geben.

Berlin - Die deutsche Wirtschaft wird weniger von Versorgungsrisiken und hohen Öl- und Gaspreisen bedroht als von Engpässen bei einigen metallischen Rohstoffen. "Echte Versorgungsengpässe sind nicht zu befürchten", sagte der Direktor des unternehmensnahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, am Montag in Berlin zur Lage bei Öl und Gas.

Ölpumpe: "Die Zeit des billigen Öls ist vorbei, aber nicht das Ölzeitalter"
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Ölpumpe: "Die Zeit des billigen Öls ist vorbei, aber nicht das Ölzeitalter"
Beim Ölpreis Börsen-Chart zeigen könne aber trotz der jüngsten Rückgänge keine Entwarnung gegeben werden. Die Preise für Energierohstoffe würden tendenziell weiter steigen. Bei metallischen Rohstoffen, deren Preise ebenfalls massiv nach oben geschnellt waren, gebe es aber teilweise eine "besonders kritische" Lage. "Es geht hier um Rohstoffe, die für die deutsche Wirtschaft von hoher Bedeutung sind", warnte Hüther. Dem Wohlstand könnte von dieser Seite Gefahr drohen.

Die Sicherung der Energie- und Rohstoffversorgung zu bezahlbaren Preisen stellt nach IW-Einschätzung eine zentrale Zukunftsfrage für Deutschland dar. Der Politik warf das Institut dabei Versäumnisse vor. Das gelte für die Energie- wie für die Außenwirtschaftspolitik. Das gravierendste Problem sei, dass Deutschland bei den für die Industrie bedeutsamen metallischen Rohstoffen zu 100 Prozent von Importen abhängig sei, bei Energierohstoffen zu 74 Prozent. Das Institut warf der Politik vor, über Steuern die Energiepreisentwicklung selbst anzuheizen. Zudem warnte das IW vor Subventionen zu Dämpfung der Teuerung.

Für die Versorgung mit Energierohstoffen sieht das IW eine Fülle von Risiken und Belastungen, aber auf absehbare Zeit keine grundlegenden Verfügbarkeitsprobleme. Beim Öl sei langfristig von steigenden Preisen auszugehen. "Die Zeit des billigen Öls ist vorbei, aber nicht das Ölzeitalter", sagte Hüther.

In Sachen Reserven gebe es beim Öl und Gas keinen Anlass zur Sorge. "Das Problem liegt weniger in der Verfügbarkeit als beim Zugang." Die Öl- und Gasvorkommen seien in wenigen Ländern konzentriert, würden von relativ wenigen großen Firmen abgebaut und zudem lägen sie oftmals in politisch unruhigen Regionen. "Ein kurzfristiges Versiegen der Öl- und Gasquellen sowie damit einhergehende Versorgungsschwierigkeiten sind (...) ausgeschlossen", hieß es beim IW.

Weitaus größere Probleme gebe es bei einigen Metallen und Mineralien. Das "Rohstoffversorgungs-Risiko-Rating" des Instituts wertet die Stoffe Chrom, Molybdän, Niob, Zirkon und Tantal sowie Platinmetalle als "besonders kritisch". Es gehe hier um Grundstoffe, die in den Industriebereichen Edelstahl, Chemie, Flugzeugbau, Fahrzeugbau, Medizin- und Umwelttechnik verwendet würden. Auch bei anderen Metallen sei die Lage kritisch. Bedroht seien Kernbereiche der Industrie.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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