Umfrage Mit Zuversicht ins neue Börsenjahr

Zum Jahresende warten die technischen Analysten gern mit Prognose auf. Ihr Eindruck von der weiteren Entwicklung an den deutschen Aktien- und Rentenmärkten ist überwiegend optimistisch.

Frankfurt - Während der DAX nach einer Konsolidierungsphase noch einmal zulegen sollte, zeichnet sich bei den Zinsen endlich eine Trendwende ab, so der mehrheitliche Eindruck. Thomas Turban von Delbrück & Co beispielsweise sieht den DAX zunächst weiter in einem intakten Aufwärtstrend, wenngleich verschiedene Indikatoren dezente negative Impulse ausstrahlten. Auch Marcel Mußler von der Oliver Klemm Wertpapierhandelsgesellschaft erwartet erst einmal eine kurze Konsolidierung, die den DAX jedoch "nicht umbringen wird".

Dagegen prognostiziert Martin Siegert von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), dass der DAX im Verlauf des ersten Quartals 2000 durch eine nachhaltige Korrekturphase geht; allerdings begleitet von einem wiedererstarkten Rentenmarkt. Siegert begründet seine für den DAX negative Einschätzung damit, dass sich im aktuellen Bereich des Index jetzt eine Topbildung abzeichne, von der aus eine stärkere Korrektur eingeleitet werde. Diese könne den DAX durchaus in Richtung 5800 Punkte bewegen. Ein Durchbruch durch diese Unterstützung werde mit einem weiteren kräftigen Fall verbunden sein, so der technische Analyst.

Für die Zinsentwicklung ist er dagegen positiv gestimmt und sieht mittelfristig nach einer sich formierenden Bodenbildung kräftigeres Aufwärtspotenzial. Dieses sollte den Bund-Future in Richtung 109,50 Punkte bringen, so Siegert. Für den Euro ist er darüber hinaus zwar längerfristig positiv gestimmt, doch sollte hier zunächst noch einmal die Parität wieder unterschritten werden. Im Bereich um die 0,9950 US-Dollar zum Euro dürfte dann bis Anfang Januar eine Bodenbildung erfolgen, von der aus der Euro deutlich zulegen könne.

Thomas Turban sieht den DAX weiterhin in einem mittelfristigen Aufwärtstrend, der nur kurzfristig unterbrochen werden sollte. Erste negative Signale kommen hier derzeit von den Candlesticks. Im ersten Quartal wird seiner Ansicht nach dann ein Anlauf zu neuen Höchstständen genommen; für Sommer 2000 sieht der Analyst den DAX bei rund 7000 Zählern.

Kurzfristig negativ stellt sich Turban zufolge das Bild für die Rentenmärkte dar, zumal hier der Bund-Future noch nicht überverkauft sei und auch andere technische Indikatoren noch im neutralen Bereich stünden. Auf jeden Fall werde es hier bis Jahresende nicht mehr zu einer Erholung kommen, so der technische Analyst. Allerdings sollte sich zu Jahresende auch ein Boden herausbilden, von dem aus eine nachhaltiger Anstieg möglich erscheine, wobei hier die Candlesticks bereits erste Kaufsignale lieferten. Im Rahmen der dann anstehenden Korrektur sei auch in stärkerem Maße eine Abkopplung von der Zinsentwicklung in den USA zu erwarten, wo für den T-Bond-Future der Abwärtstrend anhalten dürfte.

Auch Marcel Mußler ist insgesamt recht optimistisch für die deutschen Märkte gestimmt. Ihm zufolge zeige die derzeitige Entwicklung beim DAX eine absolut trendbestätigende Erwartung, ohne Topbildung. "Es gibt keinen nachhaltigen Wendeverdacht", so Mußler. Und: Das Potenzial im Rahmen des Trendkanals stehe jetzt endgültig im Vordergrund und reiche dabei bis 7000 Zähler.

Für eine nachhaltige Erholung des Bund-Futures nennt Mußler zwei entscheidende Unterstützungen: Einmal die Korrekturflagge bei 104,30 Punkten und zum anderen die äußersten S-K-S-Symmetrietoleranzen bei 103,95 Punkten. Solange diese Zone gehalten werde, verliere die große Figur im Chart nicht ihren mittelfristig bullishen Umkehrcharakter. Wenngleich seiner Ansicht nach in den nächsten Wochen noch nicht an eine signifikante Wende zu denken ist, liegen aber durchaus erste Stabilisierungstendenzen im Zielgebiet vor. Dennoch, so warnt Mußler, müsse die Entwicklung des US-Bondmarktes scharf im Auge behalten werden, da sich der Bund-Future hiervon kaum entziehen könne.

Bei den Einzelwerten zeichnet sich ein größerer Konsens unter den technischen Analysten ab, als dies beim DAX der Fall. So nennen Siegert und Turban beide die Automobilwerte DaimlerChrysler und Volkswagen, für die sie noch ein deutliches Nachholpotenzial sehen. Uniform heißt es hierzu, die technischen Signale seien "sehr gut". Mußler nennt zudem BMW und verweist darauf, dass der DAX charttechnisch ähnlich angefangen habe. Entsprechend seien nun die Perspektiven für BMW. Dagegen empfiehlt er Siemens erst einmal als Kandidat für Gewinnmitnahmen.

Wenngleich das Korrekturpotenzial hier auf die Unterstützung bei 109,50 Euro begrenzt erscheine, habe der Titel insgesamt erst einmal seine Funktion erfüllt und sollte im Weiteren nicht mehr zu den Marktoutperformern gehören, so der technische Analyst. Martin Siegert sieht darüber hinaus trotz seines positiven Zinsszenarios die Bankentitel Deutsche Bank und Commerzbank als ausgereizt. Hier habe eine Topbildung stattgefunden, Kurspotenzial bestehe keines mehr. Auch Thomas Turban erteilt den Bankenwerten mehr oder weniger eine Absage, wenngleich seiner Ansicht nach noch keine eindeutigen Verkaufssignale vorlägen. Dennoch stuft er diese Titel aus technischer Sicht nur als "neutral" ein.