NSE Software Gewinnziele drastisch nach unten korrigiert

Der Vorstandschef des Finanzdienstleisters, Manfred Nerb, ist Knall auf Fall zurückgetreten. Die Börse reagierte sofort.

München - Gleichzeitig korrigierte das am Neuen Markt notierte Unternehmen seine Gewinnprognose drastisch nach unten. Der Aktienkurs brach am Dienstag bis zum Nachmittag um mehr als elf Prozent auf zwischenzeitlich rund 10,50 Euro ein. Der Jahreshöchststand lag bei fast 30 Euro. Auch Vertriebsvorstand Peter Lohmann trat laut Mitteilung zurück.

Neuer Vorstandssprecher wurde Friedrich Nerb, der Bruder des zurückgetretenen Manfred Nerb. "Wir waren nicht so erfolgreich, wir wir das geplant haben. Daraus hat mein Bruder die Konsequenzen gezogen", sagte Friedrich Nerb.

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern werde 1999 voraussichtlich nur auf Vorjahresniveau liegen, teilte die NSE Software AG mit. Noch im August war das Unternehmen von einem Anstieg von 6,4 auf 11,2 Millionen Mark (rund 5,7 Millionen Euro) ausgegangen. Beim Umsatz kündigt NSE für 1999 jetzt nur noch an, er werde höher sein als 1998. In früheren Mitteilungen hieß es, die Erlöse sollten von 58,5 Millionen Mark auf 81 Millionen Mark zulegen.

NSE habe "die typischen Probleme einer Firma, die sehr schnell wächst", sagte Friedrich Nerb, der bereits seit einiger Zeit Vorstandsmitglied war. Das Umfeld sei noch nicht ausreichend an die veränderte Größenordnung angepasst. NSE werde die Organisationsstruktur deutlich straffen. Auch beim Vertrieb seien Änderungen erforderlich. Der Konzern begründete die Korrekturen mit der Verschiebung von Aufträgen und mit Verzögerungen bei der Entwicklung einer neuen Software-Generation. Zudem habe es Probleme bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter gegeben.

Nerb betonte, dass sein Bruder in nächster Zeit keine Anteile an NSE verkaufen werde. Das Unternehmen ist mehrheitlich im Besitz von früheren und noch aktiven Mitarbeitern und Gründern. Diese Gruppe habe sich verpflichtet, die Aktien fünf Jahre zu halten, sagte Nerb.