Samstag, 20. April 2019

Steuernummer Big Fiskus is watching you

3. Teil: Löschung erst 20 Jahre nach dem Tod

Löschung erst 20 Jahre nach dem Tod

Die Steueridentifikationsnummer überlebt seinen Besitzer im wahrsten Sinne des Wortes. Die beim Bundeszentralamt für Steuern gespeicherten Daten werden erst 20 Jahre nach dem Tode des Bürgers gelöscht.

 Hartmut Fischer ist Steuer- und Versicherungsexperte und schreibt regelmäßig für manager-magazin.de
Hartmut Fischer ist Steuer- und Versicherungsexperte und schreibt regelmäßig für manager-magazin.de
Begründet wird dies mit den unterschiedlichen Verjährungsfristen im Steuerrecht. Hinzu kämen zusätzliche individuelle Einflüsse, durch die sich die Verjährungstermine verschieben könnten. Im Klartext bedeutet diese Regelung aber, dass das Risiko, eine Erbschaft anzunehmen, nun um ein Vielfaches größer wird. Noch 20 Jahre nach dem Tod des Erblassers kann der Fiskus auf der Matte stehen und die Hand aufhalten.

Welche Auswirkungen die Steueridentifikationsnummer hat, zeigt sich deutlich beim Einsatz der Nummer. Natürlich müssen die Steuerzahler ihre Identifikationsnummer künftig – beginnend mit dem Veranlagungszeitraum 2008 – bei der Abgabe ihrer Steuererklärung angeben. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Auslandsanlagen besser kontrollierbar

Seit Juli 2005 werden Zinserträge aus Auslandseinlagen steuerlich besser erfasst. Insgesamt 23 EU-Staaten versenden hierfür Mitteilungen über die Zinserträge der Anleger aus anderen EU-Staaten an deren Heimatfinanzbehörden. Lediglich Luxemburg, Belgien, Österreich und einige Drittstaaten behalten eine sogenannte Zinssteuer ein. Um die Zuordnung zu vereinfachen, muss man auch bei den ausländischen Bankverbindungen zukünftig seine Steueridentifikationsnummer angeben. Wer sein Geld in Luxemburg, Belgien oder Österreich anlegt, wird auch dort nach der Steueridentifikationsnummer gefragt – obwohl die Länder die (anonyme) EU-Zinssteuer erheben.

Lohn- und Einkommensersatzleistungen

Grundsätzlich sind Lohn- beziehungsweise Einkommensersatzleistungen (ALG 1, Kurzarbeiter-, Kranken-, Mutterschaftsgeld und so weiter) steuerfrei. Sie unterliegen jedoch dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet, dass die Leistungen dem zu versteuernden Einkommen zugeschlagen werden und von dieser Summe der Steuersatz gebildet wird. Dieser Prozentsatz wird dann beim zu versteuernden Einkommen angewandt. Wer im Jahr mehr als 410 Euro an solchen Leistungen erhält, muss eine Steuererklärung abgeben.

Nach Vergabe der Steueridentifikationsnummer müssen Stellen, die Einkommens- beziehungsweise Lohnersatzleistungen gewähren, dies bis zum Ende Februar des Folgejahres an eine zentrale Stelle melden. Wann das Verfahren gestartet wird, wird noch bekannt gegeben. Auch hier ist klar zu erkennen, dass die Nummer letztlich einzig und allein dem Zweck dient, die Steuerzahler zu überwachen. Mit der neuen Identifikationsnummer können die steuerfreien Lohnersatzleistungen automatisch zugeordnet und im Bedarfsfall die entsprechende Steuererklärung nachgefordert werden.

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