Konjunktur Rosige Aussichten für 2000

Die deutsche Wirtschaft läuft. Grund für den Aufschwung sei der Export, so das Ifo-Institut. Die Bedingung auf dem Weltmarkt und die gesunde westdeutsche Industrie stellen die Zeichen in Deutschland auf "Wirtschaftsboom".

München - "Alles spricht dafür, dass ein Boom beginnt", sagte Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung voraus. Das Bruttoinlandsprodukt werde um 2,7 Prozent wachsen - die Top-Volkswirte im Panel des "manager magazins" sehen ein Wachstum von 0,1 Prozent mehr für das nächste Jahr.

Die Arbeitslosigkeit werde im Durchschnitt auf knapp 3,9 Millionen sinken, so die Ifo-Studie. Sorgen mache aber die Entwicklung in Ostdeutschland: Die Wirtschaft in den neuen Ländern falle weiter zurück.

Die weltwirtschaftlichen Bedingungen für eine Fortsetzung des Aufschwungs, der seit dem Sommer in Schwung gekommen sei, seien günstig, erklärte Ifo-Konjunkturexperte Willi Leibfritz. "Die Asienkrise ist vorbei"; von der US-Wirtschaft gingen weiter positive Impulse aus, und in ganz Europa werde der Aufschwung an Kraft und Breite gewinnen. Die international wettbewerbsfähige westdeutsche Industrie werde davon profitieren, der deutsche Export werde um sieben Prozent wachsen.

Außenwirtschaft kurbelt Konjunktur an

Die hohe Auslandsverschuldung und das Leistungsbilanzdefizit der USA sowie die wirtschaftliche Größe Europas machten Anlagen in Euro-Papieren langfristig immer attraktiver und festigten die europäische Währung, prognostizierten die Wirtschaftsforscher. Die Inflationsrate in Deutschland werde nicht zuletzt wegen der Ökosteuer auf 1,2 Prozent steigen. Die Haushaltssanierung in Westeuropa werde die Nachfrage nur kurzfristig dämpfen, die Lohnpolitik werde moderat sein.

Moderate Tariferhöhungen gefordert

Als alarmierend bezeichnete Sinn dagegen den Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen in den neuen Ländern auf unter 90 Prozent des Westniveaus. Statt aufzuholen und international wettbewerbsfähig zu werden, werde der Rückstand wieder größer. Das Bruttoinlandsprodukt pro Erwerbsfähigem liege bei 55 Prozent des Westniveaus, die Löhne erreichten 74 Prozent. Jede dritte Mark, die im Osten ausgegeben werde, stamme aus dem Westen. "Lohnzurückhaltung ist im Osten absolut erforderlich", betonte Sinn.

Die Arbeitslosigkeit werde in Westdeutschland im Jahresdurchschnitt um 200.000 auf 2,5 Millionen sinken, in den neuen Ländern dagegen ähnlich hoch bleiben wie in diesem Jahr. Ursache des insgesamt leichten Rückgangs seien die bessere Konjunktur und das geringere Arbeitskräfteangebot. "Aber niemand glaubt, dass es zu einer substanziellen Besserung kommt", sagte Sinn. Notwendig wären grundlegende "mutige Reformen".

Arbeitslosigkeit im Jahre 2005 unter drei Millionen

Wenn die Lohn-, Steuer- und Sozialpolitik die Weichen richtig stelle, sei bis zum Jahr 2005 ein Rückgang der Arbeitslosigkeit auf unter drei Millionen möglich. Aber "die Abgabenbelastung der Arbeit ist das große Problem", sagte Sinn. Die neuesten Steuerpläne der Bundesregierung korrigierten dieses Manko, auch wenn noch mehr Entlastung zu wünschen sei. Die Arbeitslosen müssten außerdem "die Qualifikation und die Neigung haben, offene Arbeitsplätze anzunehmen". Die Sozialhilfe sei zu hoch, denn sie sei zugleich Lohnuntergrenze für einfache Tätigkeiten. Leibfritz forderte betrieblich flexible Löhne und moderate Tariferhöhungen.