Sparkassen Konzentrationen stehen bevor

Die bevorstehende Entscheidung der EU über die Gewährträgerhaftung und die Anstaltslast wird das Sparkassensystem verändern. Die DAG rechnet mit Konzentrationsprozessen.

Frankfurt - "Wenn die Sparkassen und ihre Organisationen sich nicht rechtzeitig auf die neue Dimension des Wettbewerbs vorbereiten, werden über kurz oder lang Sparkassen zum Verkauf stehen," prognostiziert Gerhard Renner, Vorstandsmitglied der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG).

Der Konzentrationsprozess im Bankenbereich wird auch vor den Sparkassen nicht halt machen. Nach Einschätzung von Renner wird der Prozess schneller beginnen als ursprünglich erwartet. Bereits in wenigen Monaten müßten die öffentlich-rechtlichen Sparkassen mit Entscheidungen aus Brüssel rechnen, die die Organisationsstruktur der Sparkassen gravierend verändern werden.

"Ideal wäre es", so Renner, "wenn die Sparkassenorganisation, die immerhin 50 Prozent des Binnenmarktes mit Geld- und Kreditleistungen abdecke, die Chance bekäme, die eigene Zukunft zu gestalten." Die flächendeckende Versorgung mit Finanzdienstleistungen werde aber ohne Konzentration im Innern nicht dauerhaft aufrechtzuerhalten sein. Darauf haben auch Vertreter der Sparkassenorganisation immer wieder hingewiesen.

Zentralisierung einzelner Geschäftsbereiche

So wurde bereits in diesen Tagen die Entscheidung getroffen, in der WertpapierServiceBank (WPS) eine Institution zu schaffen, die künftig zentral für die gesamte Sparkassenorganistion die Wertpapierabwicklung vornehmen wird. in einem nächsten Schritt rechnet Renner damit, dass es auch bei der Datenverarbeitung zu einer verstärkten Zusammenarbeit komme. Damit wappne sich die Sparkassenorganisation auch für die neue Dimension des Mengengeschäfts im Zuge von E-Commerce und E-Business, sagte Renner.

Uneinheitliche Neuordnung gefährdet den Sparkassenbestand

Erheblichen Einfluss auf die künftige Struktur nehmen auch die unterschiedlichen Anläufe zur Neuordnung der Sparkassenstruktur in einigen Bundesländern. Hier gibt es laut Renner "unangenehme Erosionserscheinungen, die von seiner Organisation nicht mitgetragen würden. Wenn zum Beispiel im Bundesland Sachsen sich demnächst voraussichtlich sechs Sparkassen zu einer Sachsen-Bank-Holding zusammenschließen und möglicherweise in absehbarer Zeit alle 22 sächsischen Sparkassen diesem Verbund beitreten, ergibt sich daraus, so das DAG-Vorstandsmitglied, ein massiver Arbeitsplatzabbau.