Kurssprung Gerücht beflügelt Stada-Aktie

Steht im milliardenschweren Markt für Generika erneut eine Fusion bevor? Nicht zum ersten Mal wird über eine Übernahme des deutschen Herstellers Stada durch Branchenführer Teva spekuliert. Experten sind skeptisch, die Anleger nehmen die Sache jedoch offenbar ernst.

Frankfurt am Main - Branchenführer Teva Pharmaceutical  führt einem Bericht der israelischen Tageszeitung "Globes" zufolge Gespräche über den Kauf der Stada Arzneimittel AG  aus Bad Vilbel. In unternehmensnahen Kreisen stieß der Bericht jedoch auf Skepsis.

"Das Stada-Management und der Aufsichtsrat mögen Teva nicht wirklich", sagt ein Kenner des Unternehmens. Eher sei ein Merger unter Gleichen mit einem Generikakonkurrenten bei dem Stada-Vorstandschef Hartmut Retzlaff auf den Chefsessel rückt, vorstellbar, so die Quelle. Sowohl Stada als auch Teva lehnten einen Kommentar ab.

Die Stada-Aktie legte im Tagesverlauf um bis zu 13 Prozent auf 36,35 Euro zu. Das Papier hatte nach verhaltenen Aussagen über die Wachstumsaussichten im Juli rund ein Drittel an Wert verloren.

Teva hatte erst Mitte Juli die Konsolidierung in der Generikabranche mit der Ankündigung einer Milliardenübernahme weiter angeheizt. Die Gesellschaft will für fast neun Milliarden Dollar den Konkurrenten Barr Pharmaceuticals inklusive Verbindlichkeiten von 1,5 Milliarden Dollar schlucken. Eine Übernahme durch Teva hält Analyst Marcus Konstanti vom Bankhaus Sal. Oppenheim wegen der Teva Offerte für Barr derzeit für unwahrscheinlich. Ausschließen will er es jedoch nicht: "Für Stada müsste trotz der Schwierigkeiten auf dem deutschen Markt eine Prämie von 30 bis 40 Prozent bezahlt werden."

Ein zweiter Analyst hält eine Prämie in dieser Höhe nur dann für ausreichend, wenn es keinen Bieterwettkampf gibt. Dann müsste ein Interessent schon um die 70 Euro für Stada auf den Tisch legen. Bei dem hohen Streubesitz sei auch denkbar, dass ein Käufer "clever eine Sperrminorität von 25 Prozent übernimmt".

Die gegen den anhaltenden Preis- und Margendruck im Generikageschäft kämpfende Stada AG setzt dagegen weiter auf Unabhängigkeit: "Stada kann und will auch alleine überleben und wird versuchen alles zu tun, um die Selbstständigkeit zu bewahren", sagte Stada-Chef Retzlaff am Mittwoch bei Vorlage der Halbjahreszahlen. "Wenn jemand Stada übernehmen möchte, dann soll er ein Angebot vorlegen." Derzeit liege aber kein Gebot auf dem Tisch. Vor den Spekulationen brachte es Stada auf eine Marktkapitalisierung von rund 1,9 Milliarden Euro. Mitte 2007 war das Unternehmen an der Börse noch rund drei Milliarden Euro wert.

Fusion mit Actavis als Alternative

Fusion mit Actavis als Alternative

Da Retzlaff einer Fusion unter Gleichen - in der Stada natürlich das Sagen haben soll - nicht grundsätzlich abgeneigt ist, findet WestLB-Analyst Andreas Theisen Gefallen an einem Zusammengehen mit dem isländischen Wettbewerber Actavis. Actavis - die Nummer sieben der Branche - ist mit etwa 1,5 Milliarden Euro Umsatz so groß wie Stada. Die Bad Vilbeler sind nach den jüngsten Übernahmeankündigungen in der Branche international auf den fünften Platz nach vorne gerückt.

Ein größerer Merger mit einem Konkurrenten wird bei Stada derzeit schon geprüft, verlautete am Freitag aus Branchenkreisen. Erst auf der Hauptversammlung hatte sich das Stada-Management von den Aktionären Options- oder Wandelschuldverschreibungen von bis zu einer Milliarde Euro für größere Zukäufe genehmigen lassen.

Actavis und Stada würden sich auf regionaler Ebene gut ergänzen. Actavis ist stark vertreten in den USA, Nordeuropa, der Türkei und Asien. Stada ist durch die Übernahme der russischen Makiz-Gruppe und der serbischen Hemofarm in Osteuropa gut aufgestellt. Zusammen mit Actavis kämen sie auf einen Umsatz von rund 3,5 Milliarden Euro und wären weltweit die Nummer drei in der Branche hinter Teva und der Tochter von Novartis , Sandoz, mit Hexal.

Actavis hat Anfang August seinen langjährigen Chef Robert Wessmann durch seinen Vize Sigurdur Oli Olafsson ausgetauscht, so dass der Zeitpunkt für Verhandlungen zwischen Stada und den Isländern nicht günstiger sein könnte.

"Sie können sicher sein, dass Stada sich alles anschaut"

In der Branche ist es zuletzt zu zahlreichen Übernahmeofferten gekommen: Der japanische Pharmakonzern Daiichi Sankyo will die indische Ranbaxy kaufen. Sanofi-Aventis  hat im Juni ein Gebot für die tschechische Zentiva abgegeben.

Generika haben zwar erheblich niedrigere Margen als Pharmakonzerne, mit Wachstumsraten von neun bis 12 Prozent wachsen die Konzerne aber stärker als das Geschäft mit den Originalpräparaten. Zudem weisen sie kaum Risiken auf. Der Weltgenerikamarkt wird nach Branchenschätzungen 2012 auf 120 bis 137 Milliarden Euro nach rund 78 Milliarden Euro im Jahr 2007 steigen.

Stada erzielte im ersten Halbjahr bereits mehr als 60 Prozent seines Umsatzes außerhalb Deutschlands und will das Wachstum unverändert durch eigene Übernahmen erhöhen: "Sie können sicher sein, dass Stada sich alles anschaut, was derzeit auf dem Markt ist," so Retzlaff. Bis zum ersten Quartal 2009 soll eine größere Übernahme gelingen.

In den ersten sechs Monaten hatte Stada bei Generika (fast 69 Prozent des Konzernumsatzes) einen stagnierenden Umsatz verbucht und für die zweite Jahreshälfte "eine gedämpfte Wachstumsdynamik" in Aussicht gestellt.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afxp

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