Stahlmarkt ThyssenKrupp erhöht Prognose

ThyssenKrupp muss zwar für den Bau seiner neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA deutlich tiefer in die Tasche greifen als zunächst geplant. Der größte deutsche Stahlkonzern erhöht aber seine Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr. Die Anleger erfreut das.

Düsseldorf - Statt der ursprünglich veranschlagten drei Milliarden Euro werde das Investitionsbudget für das neue Stahlwerk in Brasilien nun auf rund 4,5 Milliarden Euro erhöht, teilte ThyssenKrupp  am Donnerstag in Düsseldorf mit.

Im Mai hatte das Unternehmen bereits auf höhere Kosten hingewiesen und damals von insgesamt bis zu 3,7 Milliarden Euro gesprochen. Die geplante Inbetriebnahme des Stahlwerks werde sich zudem um rund neun Monate bis Ende 2009 verzögern.

Auch in den USA müsse ThyssenKrupp statt geplanter 2,9 Milliarden Dollar nun rund 10 Prozent mehr in das Stahl- und Weiterverarbeitungswerk investieren. Der Bau liege jedoch im Plan, der eine Inbetriebnahme im Frühjahr 2010 vorsieht.

Hintergrund sind nach Angaben des Unternehmens unter anderem Kostenerhöhungen und "extrem schlechte Wetterbedingungen" auf der Baustelle in Brasilien sowie eine angespannte Lage im internationalen Anlagenbau. Die Wirtschaftlichkeit beider Stahlwerksprojekte sei dadurch jedoch nicht gefährdet, hieß es.

Rund zwei Millionen Tonnen der in Brasilien geplanten Jahresproduktion von fünf Millionen Tonnen sollen künftig in Deutschland weiterverarbeitet werden, weitere drei Millionen Tonnen in den USA. Durch die Verzögerung müsse nun voraussichtlich Material zur Auslastung der deutschen Werke zugekauft werden, hieß es.

Nach einem Ergebniseinbruch beim Edelstahl vor allem zum Start des Geschäftsjahres 2007/08 (30. September) ging das Konzernergebnis vor Steuern in den ersten neun Monaten gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert um 556 Millionen Euro auf knapp 2,3 Milliarden Euro zurück.

Aktie springt an

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Für das Gesamtjahr erhöhte Konzernchef Ekkehard Schulz seine Prognose für das Vorsteuerergebnis vor Sondereffekten von "über drei Milliarden Euro" auf 3,2 Milliarden Euro. Damit liegt die Prognose aber weiter deutlich unter dem Vorjahreswert von 3,8 Milliarden Euro. Nach einem Umsatzanstieg in den ersten neun Monaten um 2 Prozent auf 39,7 Milliarden Euro rechnet sich das Unternehmen für das Gesamtjahr einen Umsatz von rund 53 Milliarden Euro aus.

Das Ergebnis im Bereich Edelstahl war in den ersten neun Monaten durch ein niedriges Preisniveau und eine teilweise Unterauslastung der Werke von 912 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 86 Millionen Euro eingebrochen. Unter anderem ein kräftiger Anstieg der Rohstoffkosten, der nicht in voller Höhe an die Kunden weitergegeben werden konnte, führte im größten Geschäftsfeld Stahl zu einem Rückgang des Vorsteuerergebnisses um 160 Millionen Euro auf knapp 1,14 Milliarden Euro. Zulegen konnten hingegen die Bereiche Technologies und Elevator (Aufzüge), einen leichten Rückgang gab es im Bereich Services.

Der ThyssenKrupp-Konzern beschäftigt in seinen fünf Bereichen Steel, Stainless, Technologies, Elevator und Services über 198.000 Mitarbeiter. Zu dem Unternehmen gehören direkt und indirekt nahezu 900 Unternehmen und Beteiligungen. Zwei Drittel der über 2400 Produktionsstätten, Büros und Servicestützpunkte liegen außerhalb Deutschlands.

An der Börse wurden die Zahlen von ThyssenKrupp mit Freude aufgenommen. Die Aktie des Konzerns stieg an der Spitze des Leitindex Dax um 2,40 Prozent auf 34,58 Euro. Händler zeigten sich erfreut, dass der Industriekonzern für das Gesamtjahr nun mit einem Gewinn vor Steuern und Sondereffekten von mehr als 3,2 Milliarden Euro rechnet. Analyst Dirk Nettling von der Commerzbank beließ ferner seine Einschätzung der ThyssenKrupp-Aktien auf "Buy". Sowohl der Vorsteuergewinn als auch der Gewinn je Aktie habe die durchschnittlichen Markterwartungen übertroffen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und dpa-afxp

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