Aktienhandel Turquoise startet gegen Xetra

Um ihren Aktienhandel kundenfreundlich zu gestalten, verlassen sich Banken nicht mehr allein auf die bewährten Handelsplätze wie die Deutsche Börse. Alternative Handelsplattformen sprießen in ganz Europa. Nun schalten Morgan Stanley, Credit Suisse und Deutsche Bank das System "Turquoise" scharf.

Frankfurt am Main - Bei der Jagd auf Marktanteile im europäischen Aktienhandel werden sich die traditionellen Börsenbetreiber wie Deutsche Börse  und LSE  künftig wärmer anziehen müssen. Mit Turquoise will am Freitag ein weiterer Rivale die Fährte aufnehmen.

Analysten sehen in der von Topinvestmentbanken wie Morgan Stanley , Credit Suisse  und Deutsche Bank  ins Leben gerufenen außerbörslichen Handelsplattform für Profi-Anleger einen gewichtigen neuen Gegenspieler des Frankfurter Marktbetreibers. Grund zur Panik gebe es aber nicht. "Die neuen Wettbewerber bedeuten grundsätzlich für die Deutsche Börse sinkende Gewinne und Marktanteile, wobei aber zu beachten ist, dass Xetra nicht den Großteil des Geschäftes für den Konzern ausmacht.

Es ist also nicht ganz so dramatisch", betont Reginald Veit, Analyst bei Sal. Oppenheim. "Turquoise ist von der Struktur her nicht anders als andere außerbörsliche Plattformen, aber die daran beteiligten Banken werden schon versuchen, Volumen darauf zu bekommen", ergänzt er.

Noch dürfte die Deutsche Börse Schonfrist haben, denn mit vollem Halali wird es für Turquoise erst ab Mitte September voraus gehen. Handeln können die aktuell rund 50 Teilnehmer ab Freitag erst einmal nur zehn Titel, was bald auf 1300 Aktien aus 13 Ländern aufgestockt werden soll. "Die Leute werden in der Phase des eingeschränkten Livehandels erstmal ihren großen Zeh ins Wasser halten. Wir werden sehr niedrige Umsätze am Anfang haben, erwarten aber, dass sie ab unserem offiziellen Start Mitte September nach oben gehen", gibt sich Turquoise-Chef Eli Lederman optimistisch. Zwei bis drei Monate später will er auf einen Marktanteil von fünf Prozent kommen.

Alles eine Frage der Liquidität

Alles eine Frage der Liquidität

Entscheidend für seinen Erfolg wird sein, wie viel Liquidität Turquoise tatsächlich anziehen wird. Ist ausreichend davon vorhanden, kann eine Wertpapierorder nämlich zu einem besseren Preis ausgeführt werden - die sogenannten internen Kosten des Auftrages sinken. "Die Banken von Turquoise handeln zu einem großen Teil auf eigene Rechnung und sind deshalb auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, keine höheren internen Kosten zu haben. Da entscheiden schon Bruchteile eines Kursunterschiedes über Gewinn oder Verlust", betont Merck-Finck-Analyst Konrad Becker. "Ob die Banken sich von jetzt auf sofort auf dieses Abenteuer einlassen ist fraglich. Vor allen Dingen wird es Zeit brauchen", ergänzte er.

"Ich könnte mir vorstellen, dass die Banken auf Turquoise weniger Eigenhandel, sondern mehr Blocktrades im Kundenauftrag ausführen, weil sie dort wegen der im Vergleich zu Xetra möglicherweise geringeren Liquidität an einem höheren Spread mehr verdienen können. Die Kunden dafür werden ihrerseits mit niedrigeren externen Kosten, sprich Gebühren, geködert", sagt Analyst Veit.

Dass die etablierten Börsenbetreiber mit dem Aktienhandel hohe Gewinne einstreichen können, hatte die Banken seit langem gefuchst und letztlich in die Gegenoffensive getrieben. Nun senkte die LSE in Reaktion auf die mit Preisnachlässen werbende Konkurrenz ab 1. September ihre Preise.

"Die Deutsche Börse wird erst einmal abwarten, wie sich Turquoise und die anderen entwickeln. Sollten die Volumina dadurch bei Xetra wirklich schwinden und der Vorteil der niedrigeren internen Kosten schrumpfen, werden die Alarmglocken schrillen. Dann wird auch über Gebührensenkungen nachgedacht werden müssen", schätzt Becker.

Anika Lehmann, Reuters

Handelsplattformen: Abseits der etablierten Dealer

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