Daimler Kommen jetzt die Hedgefonds?

Ein Hedgefonds zielt möglicherweise auf den Daimler-Konzern. Banken hätten den Autobauer in der vergangenen Woche über umfangreiche Käufe von Daimler-Aktien informiert, heißt es in einem Bericht. Der Konzern dementiert, gilt aber mittlerweile als Übernahmeziel.

Frankfurt/München/Stuttgart - Ein Hedgefonds kauft sich einem Magazinbericht zufolge in größerem Stil beim Autohersteller Daimler  ein. Banken hätten Daimler über umfangreiche Käufe informiert, berichtete der "Focus" vorab unter Berufung auf ein Aufsichtsratsmitglied.

Daimler wollte den Bericht nicht direkt kommentieren, zeigte sich aber gelassen. "Wir sind mit unserer Aktionärsstruktur zufrieden, aber gleichzeitig offen für neue Investoren", sagte Konzernsprecher Thomas Fröhlich in einem ersten Statement. "Wir sehen uns nicht als Übernahmekandidat, können eine Übernahme aber auch nicht ausschließen."

Am Montag Mittag wurde eine Sprecherin des Konzerns jedoch konkreter: Man sehe keine Anzeichen für den Einstieg eines Hedge-Fonds, sagte sie. Im Handel gebe es dafür keinerlei Hinweise.

Das Magazin hatte unter Berufung auf Aufsichtsratskreise gemeldet, dass ein ausländischer Hedge-Fonds größere Aktienanteile des Autobauers erwerben wolle. Die Aktie von Daimler hatte vor zwei Wochen deutlich nachgegeben. "Nach Information unserer Banken baut gegenwärtig niemand eine entsprechende Position auf", sagte die Sprecherin des Konzerns.

Einziger Großaktionär bei den Schwaben ist das Emirat Kuwait mit 7,6 Prozent der Anteile. 92 Prozent befinden sich in Streubesitz, der Löwenanteil davon allerdings liegt bei institutionellen Investoren, worunter auch Hedgefonds sein können. In Deutschland müssen Beteiligungen an Aktiengesellschaften erst ab einer Höhe von drei Prozent gemeldet werden.

Kuwait denkt über stärkeres Engagement nach

Der kuwaitische Staatsfonds KIA denkt laut dem Finanzminister des arabischen Landes, Mustafa al-Schamali, daran, seine Partnerschaft mit Daimler auszuweiten. Details nannte der Minister gegenüber der kuwaitischen Nachrichtenagentur Kuna am Sonntag aber nicht.

Der Daimler-Aktienkurs war zuletzt nach einer Gewinnwarnung gesunken, was Übernahmespekulationen geschürt hatte. Fondsmanager rechneten mit dem Einstieg eines strategischen Investors bei dem Autokonzern. Die Aktie des Autobauers hat seit Jahresbeginn fast die Hälfte an Wert verloren. Am Montag zog die Aktie von Daimler  auf Grund der Gerüchte um rund 3 Prozent an.

Hedgefonds, die als besonders aggressive und renditeorientierte Investoren gelten, sind bei Daimler keine Unbekannten. Schon 2005 und 2006 lagen laut Finanzchef Bodo Uebber zehn bis 15 Prozent der Aktien in den Händen dieser Anleger.

Bewertung nur knapp über Buchwert

Der hohe Freefloat macht Daimler besonders anfällig für Angriffe ausländischer Investoren. Der Anteil der Deutschen Bank , die früher ein deutliches Gewicht bei den Stuttgartern hatte, liegt mittlerweile nur noch bei rund drei Prozent.

Daimler ist zudem an der Börse derzeit nur knapp über Buchwert bewertet - das bedeutet, der Konzern ist an der Börse gerade einmal so viel wert wie die Summe seiner Vermögenswerte abzüglich Verbindlichkeiten. Der hohe Cashflow und die Barreserven machen Daimler außerdem zu einem attraktiven Ziel für Übernahmen. Hinzu kommt der hohe Streubesitz. Daimler kann im Gegensatz zur Lufthansa auch nicht damit rechnen, dass der Staat den Angriff eines ausländischen Investors aus strategischen Gründen behindert. Angesichts der Probleme in der weltweiten Autoindustrie halten Analysten Kooperationen von Autoherstellern, zum Beispiel von Daimler und BMW für ratsam.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters

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