Hypo-Vereinsbank "Dunkles Kapitel"

Ein möglicher Schadenersatz durch frühere Hypo-Vorstände sollte die Aktionäre beruhigen, eine künftige kräftige Gewinnsteigerung die Börse in Stimmung bringen. Beides ist auf der Hauptversammlung nicht so richtig geglückt.

München - Die Hypo-Vereinsbank will einen Schlussstrich unter die milliardenschwere Immobilienaffäre ziehen, um bei der Neuordnung der europäischen Bankenlandschaft eine zentrale Rolle spielen zu können. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung in München sagte Aufsichtsratschef Kurt Viermetz, die Bank prüfe derzeit Schadensersatzansprüche gegen ehemalige Vorstandsmitglieder, die für die Altlasten verantwortlich sein sollen. Zunächst sollten aber die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgewartet werden.

Zahlreiche Aktionäre forderten Schadenersatz von ehemaligen Hypo- Vorständlern und kritisierten die Wirtschaftsprüfer. Viermetz rief die 4 000 Anteilseigner auf, "einen Schlussstrich unter die schwierige Phase der letzten Monate zu ziehen." Vorstandschef Albrecht Schmidt kündigte eine Neuordnung des Immobiliengeschäfts und einen Gewinnsprung für das kommende Jahr an. An der Börse kam dieser Ausblick nicht an: Der Kurs der Hypo- Vereinsbank-Aktie sank am Freitag um 1,50 auf 61 Euro.

Die Hypo-Vereinsbank wolle im Privatkundengeschäft deutlich zulegen und Marktführer in Deutschland werden, sagte Schmidt. Nur aus einer "Position der Stärke" möglich. Er dämpfte jedoch Spekulationen auf eine bevorstehende weitere Großfusion nach altem Muster. Die Haltung der Banken sei "nach den nicht überall positiven Erfahrungen weltweit realistischer, um nicht zu sagen kritischer geworden".

Entscheidend sei künftig der Ausbau der europäischen Positionierung durch "grenzüberschreitende Transaktionen". Die Hypo-Vereinsbank werde dazu "eine gute Lösung erarbeiten". In den vergangenen Monaten wurde immer wieder über eine Fusion der Hypo-Vereinsbank mit der Dresdner Bank spekuliert.

Die Chancen für einen erfolgreichen Neuanfang nach der Immobilienaffäre seien gut, betonte Viermetz. "Die Altlasten sind mit der Bilanz 1999 abgearbeitet. Die Fusion ist abgeschlossen."

Die Repräsentanten der großen Aktionärsvertretungen Deutschlands forderten restlose Aufklärung des Immobilienskandals und sprachen in diesem Zusammenhang von "einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Bankengeschichte". Auch das Ende Oktober veröffentlichte Sondergutachten zur Immobilienaffäre lasse Fragen offen. Zweifelhaft sei angesichts der aufgedeckten Milliardenaltlasten der Hypo-Bank insbesondere, ob die beiden Banken bei der Fusion korrekt bewertet worden seien.

Unternehmerische Fehleinschätzungen allein reichten für einen Schadenersatzanspruch gegen die früheren Hypo-Vorstände nicht aus, betonte Viermetz. Schmidt teilte den Aktionären mit, Vorstand und Aufsichtsräte seien bei der Allianz, dem Großaktionär der Bank, mit jeweils 50 Millionen Mark gegen Schadensersatzansprüche versichert.

In zahlreichen Gegenanträgen sprachen sich die Vereinigungen gegen die Entlastung der ehemaligen Hypo-Vorständler und des früheren Hypo- Chefs Eberhard Martini aus. Dies habe zwar keine rechtliche Konsequenzen, aber: "Es ist eine moralische Ohrfeige."

Der frühere Hypo-Vorstand Hans Fey wies die Vorwürfe zurück. Das Sondergutachten enthalte viele Fehler. "Mit aller Entschiedenheit wehre ich mich gegen ein Scherbengericht eines scheinheiligen Fusionspartners."

Das Sondergutachten hatte Altlasten in Höhe von mehr als 3,6 Milliarden Mark der früheren Hypo-Bank aufgedeckt und die ehemaligen Hypo-Vorständler schwer belastet. Die letzte Bilanz der Hypo-Bank von 1997 wurde für nichtig erklärt. Daraufhin waren alle vier noch verbliebenen früheren Hypo-Vorstandsmitglieder aus dem Führungsgremium der fusionierten Bayerischen Hypo- und Vereinsbank zurück getreten. Martini gab sein Amt als Aufsichtsrat auf.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Martini und einige seiner früheren Vorstandskollegen wegen des Verdachts der Untreue und der Bilanzfälschung. Martini trat auf der außerordentlichen Hauptversammlung nicht auf. Diese war notwendig geworden, weil auf der regulären Hauptversammlung im Mai die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat der Bank für 1998 bis zur Vorlage des Gutachtens aufgeschoben worden war.

Schmidt kündigte an, die Bank wolle mit einer Ausgliederung des alten, problematischen Immobiliengeschäfts den Neuanfang einleiten. "Wir stellen damit sicher, dass sich das profitable Neu- und Normalgeschäft ohne Belastungen am Markt präsentieren kann." Dazu sei noch einmal eine abschließende Wertberichtigung notwendig.

Für das Jahr 2000 stellte er deutliche Gewinnsteigerungen in Aussicht. Die Risikovorsorge werde voraussichtlich auf weniger als zwei Milliarden Mark zurück gefahren. Beim Betriebs- und Vorsteuerergebnis sei ein "deutlicher Sprung" zu erwarten.