LTU Start auf Kredit?

Die Ferienflug- und Touristikgruppe hat Gerüchte um finanzielle Turbulenzen dementiert - aber nicht ganz ausgeräumt.

Düsseldorf - Beobachter wollen wissen, dass man in der Firmenzentrale seit Wochen darauf gewartet habe, irgendjemand möge die finanzielle Klemme des größten deutschen Ferienfliegers erkennen und die Öffentlichkeit informieren. Diese Aufgabe hat nun offenbar ein in Hamburg erscheinendes und renommiertes Touristik-Fachblatt übernommen. Die größte Zeitung der NRW-Landeshauptstadt assistierte. Alle Jahre wieder finanzielle Turbulenzen und außer der üblichen Kredite nichts gewesen?

Rückblende: Mitte 1997 hieß es, die LTU wolle Buchungsrückstände verringern und die Zielgebiete auf Effizienz durchforsten, als Reaktion auf einen Pressebericht. Im März 1997 wirbelte die Entlassung von drei Geschäftsführern öffentlichen Staub auf. Ein Jahr zuvor sorgten Unregelmäßigkeiten bei "Meiers Weltreisen" oder bei "Transair" für Schlagzeilen. Nun also sagte LTU-Sprecher Marco Dadomo: "Die Liquidität unserer Gruppe war und ist nicht gefährdet". Gleichfalls wies er Hinweise zurück, das Novembergehalt und das Weihnachtsgeld der 6.500 Mitarbeiter seien möglicherweise mit einem Kredit der SAir Group bezahlt worden.

Die Anteilseigner, so Dadomo in einer Erklärung, stellten der LTU bereits seit Jahren einen Kredit für Investitionen und die umsatzschwache Winterzeit bereit, der aber erst zu einem späteren Zeitpunkt fließe. Es handele sich um einen dreistelligen Millionen-Betrag.

So scheint es, als ob die Öffentlichkeit nicht das letzte Dementi des durch seine flotten Werbesprüche bekannten Ferienfliegers erlebt hat. Ein Ansatzpunkt, das Vertrauen der Kunden wiederzugewinnen, wäre ein klares Statement zu den Plänen, demnächst von reisewilligen Bürgern ein Servicentgelt zu verlangen. Auf dieses Dementi der LTU und anderer Veranstalter wartet die Öffentlichkeit.