Börsenwoche Rekorde auf breite Basis gestellt

Fast auf der Zielgeraden hat es der DAX also auch noch geschafft. Nach dem ernüchternden September und Oktober mit Rückschlägen auf nur noch gut 5.000 Punkte schaffte der Index doch noch neue Rekorde.

Frankfurt - Was dem deutschen Aktienmarkt in der vergangenen Woche gelang, haben die anderen Weltbörsen in den USA und Europa bereits viel früher in diesem Jahr vorgemacht. Nach knapp anderthalb Jahren hat der DAX die Rekordstände vom Juli 1998 bei 6.200 geknackt, und zwar mit Dynamik und mit großen Umsätzen.

Besonders die Umsätze überraschten die Marktteilnehmer, hatten sich viele Beobachter doch auf ein dünnes Geschäft zum Jahresausklang eingestellt. Denn viele Anleger, so hatte es geheißen, hätten ihre Bücher in diesem Jahr wegen des Jahrtausendwechsels besonders frühzeitig geschlossen. Ganze Eigenhandelsabteilungen sind angeblich angehalten worden, die Geschäfte einzustellen. Doch Flexibilität ist an der Börse alles, nichts ist schlimmer, als verpassten Chancen nachtrauern zu müssen, weil Bücher geschlossen sind.

Der Blick auf die Charts von Einzeltiteln vor der abgelaufenen Woche, zum Beispiel auf Autowerte oder auf Kugelfischer, zeigt, dass Grossanleger wie Fonds schon früh begonnen haben, ihre Portfolios zu bereinigen. Die Jahresend-Rallye, das sogenannte "Window-Dressing", hat sich also um einige Wochen nach vorn verlagert. Die extremen Kursgewinne der vergangenen Woche gerade bei diesen Titeln zeigt die starke Untergewichtung bei den Anlegern, die so nicht oft zu sehende Dynamik des Anstiegs verspricht mehr. Hatten doch gerade erst SAP vorgemacht, wie schnell sich üppige Performance verpassen lässt, wenn Bücher nicht schnell genug wieder geöffnet werden.

Profitierte der Dax bislang nur von sehr wenigen steigenden Favoriten, hat sich dieses Bild nun geändert. Der Aufschwung ist breiter geworden und damit tragfähiger. Umgesetzt wird die Erwartung eines starken Konjunkturaufschungs im kommenden Jahr, neu favorisiert deshalb die Werte aus dem Chemie- und Maschinenbaubereich oder als Vorreiter ThyssenKrupp, die zum Teil starke technische Kaufsignale erzeugt haben. Bei den Autotiteln sind diese Signale laut technischen Analysten noch nicht signifikant, hier haben die Anleger möglicherweise noch Zeit.

Zugleich sind auch die alten Favoriten aus dem Technologiebereich weiter gesucht und profitieren unter anderem von immer neuen Rekord-Vorlagen der Nasdaq. Zugleich hält sich am Markt eine gesunde Skepsis, das liegt unter anderem an den deutlich steigenden Zinsen. Solange der Markt an dem Bild vom Konjunkturaufschwung festhält, kann er die steigenden Zinsen wohl noch etwas wegstecken. Ein zu schneller Zinsanstieg kann aber dazu führen, dass die Hausse im ersten Quartal schneller endet als erwartet, besonders, wenn die Notenbanken die Leitzinsen weiter nach oben nehmen. Zinssensitive Titel werden sich in diesem Szenario vermutlich weiter schwer tun.

In der kommenden Woche werden die Mannesmann-Aktionäre das Übernahmeangebot von Vodafone unter die Lupe nehmen. Die britische Regierung nimmt Stellung zur möglichen Subventionierung der Rover-Sanierung. Das ifo Institut legt seine Konjunkturprognose für das kommende Jahr vor. In den USA werden Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter veröffentlicht. Von der Sitzung der US-Notenbank werden so kurz vor der Jahrtausendwende keine Beschlüsse erwartet.