Halbjahreszahlen Lufthansa trotzt Gegenwind

Die Lufthansa will trotz hoher Kerosinpreise und streikender Mitarbeiter ihren Rekordgewinn aus dem Vorjahr wiederholen. Im ersten Halbjahr hat die Fluggesellschaft die Erwartungen der Börse nur leicht verfehlt, während die Konkurrenz strauchelt.

Frankfurt am Main - Der Vorstand bekräftigte bei der Vorlage der Halbjahreszahlen am Dienstagabend das Ziel, im Gesamtjahr 2008 an das operative Ergebnis des Vorjahres anzuknüpfen. In den ersten sechs Monaten setzte sich die größte deutsche Fluggesellschaft von ihren strauchelnden Mitbewerbern ab und verdiente operativ erneut mehr als ein Jahr zuvor. Das Unternehmen verfehlte dabei knapp die Gewinnerwartungen der Branchenexperten.

Der Aktienkurs  zeigte allerdings nur wenig Reaktion, nachdem das Unternehmen zum Börsenschluss seine Eckdaten vorgelegt hatte. Im Xetra-Handel hatte die Aktie 0,73 Prozent höher bei 15,10 Euro geschlossen. Im späten Frankfurter Parketthandel kostete das Papier zuletzt 15,06 Euro. "Ich finde die Zahlen in Anbetracht der Ergebnisse der Konkurrenz gut", sagte ein Händler. Dies gelte vor allem, weil das Unternehmen sein Gewinnziel für 2008 bestätigt habe. Einen Tag zuvor hatte der irische Billigflieger Ryanair  eine Gewinnwarnung veröffentlicht.

Im ersten Halbjahr steigerte die Lufthansa ihren operativen Gewinn von 486 auf 705 Millionen Euro. Von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragte Branchenexperten hatten im Schnitt mit 709,8 Millionen Euro gerechnet. Zu dem Anstieg trug auch die Konsolidierung der Schweizer Tochtergesellschaft Swiss bei, die erst seit dem dritten Quartal 2007 in die Konzernzahlen eingeht. Der Umsatz wuchs ebenfalls mit Unterstützung der Swiss wie erwartet von 10,1 auf 12,1 Milliarden Euro.

Unter dem Strich verzeichnete der Dax-Konzern einen Gewinnrückgang, nachdem Sondereinnahmen das Ergebnis im Vorjahr deutlich nach oben getrieben hatten. Mit 402 Millionen Euro lag der jetzige Überschuss allerdings auch unter der durchschnittlichen Analystenprognose von 414,6 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2007 hatten der Verkauf der Thomas-Cook-Beteiligung an den Handelskonzern Arcandor  sowie der Aktienrückkauf der Amadeus-Muttergesellschaft WAM insgesamt 574 Millionen Euro in die Kasse des Kranichs gespült. Der Konzerngewinn war daraufhin auf 992 Millionen Euro gewachsen.

Für das Jahr 2008 sieht das Management neben den Chancen auf einen erneuten operativen Rekordgewinn allerdings auch Risiken. Diese lägen in einer "erneuten und nachhaltigen Erhöhung der Treibstoffpreise" sowie einem anhaltenden Rückgang des Wirtschaftswachstums. Auch die Auswirkungen der Streikaktionen betrachtet der Vorstand als Risikofaktor. Die Folgen seien derzeit noch nicht absehbar. Nach einem Aufruf der Gewerkschaft Verdi streikt seit Montag das Bodenpersonal der Lufthansa. Vergangene Woche hatten die Piloten der Lufthansa-Ableger Cityline und Eurowings die Arbeit niedergelegt. Dadurch waren rund 900 Flüge ausgefallen.

Den kompletten Zwischenbericht zum ersten Halbjahr will die Lufthansa wie geplant am Mittwochmorgen veröffentlichen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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