Wirecard-Affäre Ermittler durchsuchen SdK

Die Staatsanwaltschaft München und die Finanzaufsicht haben die Geschäftsräume der Aktionärsschützer durchsucht. Auch die Privatwohnungen von sechs SdK-Vertretern waren im Visier der Ermittler. Ihnen wird Insiderhandel mit Wirecard-Aktien vorgeworfen.

München - Oberstaatsanwalt Anton E. Winkler bestätigte am Dienstagabend, dass infolge der Strafanzeige der Wirecard AG  ein Ermittlungsverfahren wegen möglichem Insiderhandel und Marktmanipulationen eröffnet worden sei. Betroffen sei unter anderem der ehemalige Vizechef der Aktionärsvereinigung, Markus Straub. Zum genauen Umfang der Durchsuchungen machte Winkler keine Angaben.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) teilte zu der Durchsuchung mit, sie habe großes Interesse an einer umfassenden Aufklärung der Vorwürfe und werde die Staatsanwaltschaft und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bei den Ermittlungen mit allem Nachdruck unterstützen.

Ende der vorvergangenen Woche war ein Rechtsstreit zwischen der SdK und Wirecard ausgebrochen. Die SdK wollte die Beschlüsse der Wirecard-Hauptversammlung vom 24. Juni 2008 für nichtig erklären lassen. Der Vorwurf lautete, die Konzernrechungslegung des im TecDax  notierten Anbieters von Internet-Zahlungssystemen sei "in verschiedenen wesentlichen Punkten unvollständig und irreführend" gewesen. Seit Ende Juni verloren Wirecard-Aktien unter anderem nach den kritischen Äußerungen der SdK massiv an Wert. Wirecard warf der SdK daher Insiderhandel und mittäterschaftliche Marktmanipulation vor und erstatte Anzeige gegen Straub.

Die Auseinandersetzung zwischen Wirecard und der SdK hatte Anfang der vergangenen Woche eine Wendung erhalten, nachdem bekannt geworden war, dass der stellvertretende SdK-Vorsitzende, Markus Straub, eine Position in der Aktie des Konzerns besaß, die von fallenden Kursen profitiert ("Shortposition"). Straub trat daraufhin am Mittwoch von seinem Vorstandsposten zurück, "um weiteren Schaden von der SdK abzuwenden".

Einem Pressebericht zufolge prüft mittlerweile auch der Verbraucherzentrale Bundesverband, ob die SdK ausgeschlossen werden soll. Die SdK ist seit 2003 Mitglied in dem Verband. Die SdK hat nach eigenen Angaben rund 11.000 Mitglieder und zählt damit zu den bedeutendsten Aktionärsschutzvereinigungen in Deutschland.

manager-magazin.de mit Material von ddp

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