Vermögensbildung Deutschland einig Sparerland

Die Deutschen konnten ihr Vermögen im ersten Quartal des Jahres immerhin etwas steigern. Unter anderem, weil sie auf Spareinlagen setzen und auf Aktien verzichten. An diesem Verzicht sei aber auch die Regierung schuld, so der Chef des Deutschen Aktieninstituts Rüdiger von Rosen.

Frankfurt am Main - Die privaten Haushalte in Deutschland haben in den ersten drei Monaten dieses Jahres ihr Vermögen moderat gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesteigert. Wie die Bundesbank am Dienstag mitteilte, lag das Geldvermögen der Haushalte mit gut 45 Milliarden Euro um zwei Milliarden Euro höher als im ersten Quartal des vergangenen Jahres. Die Erhöhung der Bankeinlagen, einschließlich des Bargelds, fiel dabei mit sieben Milliarden Euro etwas niedriger aus als ein Jahr zuvor.

Auf der Finanzierungsseite haben die privaten Haushalte im ersten Quartal 2008 ihre Verbindlichkeiten laut Bundesbank weiter abgebaut. Kredite von Banken und Versicherungen wurden wie schon im ersten Viertel des vergangenen Jahres per saldo in Höhe von zehn Milliarden Euro getilgt. Kredite wurden insgesamt ähnlich wie im ersten Quartal 2007 per saldo in Höhe von sechs Milliarden Euro getilgt, teilte die Bundesbank weiter mit.

Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) vom November vergangenen Jahres besitzen rund zwei Drittel aller Deutschen kein nennenswertes Vermögen. Mehr als 66 Prozent der Bevölkerung verfügen demnach über einen Anteil von weniger als 10 Prozent der insgesamt vorhandenen Sach- und Kapitalwerte. Dagegen besitze das reichste Zehntel der Bundesbürger über zwei Drittel des Gesamtvermögens.

Aktien gaben die Anleger aber im ersten Quartal lieber zurück, so die Bundesbank. Das stellt auch das Deutsche Aktieninstitut (DAI) fest. Die Zahl der Aktionäre ist in Deutschland im ersten Halbjahr 2008 um 483.000 auf 9,8 Millionen gesunken. "Im Vergleich zum Höchststand aus dem Jahr 2001 hat sich damit fast ein Viertel der deutschen Privatanleger von der Aktienanlage verabschiedet", berichtet das Institut. DAI-Chef Rüdiger von Rosen sagte, ein wichtiger Grund für diese Entwicklung sei die internationale Finanzmarktkrise, die zu deutlichen Kursrückgängen an den Aktienmärkten geführt habe.

Von Rosen kritisiert aber zugleich die Politik in Deutschland. Die Bundesregierung müsse "endlich für widerspruchsfreie Rahmenbedingungen sorgen, die das Vertrauen der Anleger in die Vorteile der Aktie" stärkten. Zwar versuche die Regierung mit der geplanten Ausweitung der Förderung von Mitarbeiterkapitalbeteiligungen auch die Attraktivität der Belegschaftsaktie zu erhöhen. Doch die Einführung der Abgeltungsteuer am 1. Januar 2009 konterkariere dieses Modell wieder.

manager-magazin.de mit Material von ap und ddp

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