Bilfinger Berger Norwegische Berge bremsen Gewinn

Der Baukonzern Bilfinger Berger muss bei einem Bauprojekt in Norwegen einen unerwarteten Verlust von 90 Millionen Euro wegstecken. Deshalb warnte der Konzern vor einem Gewinneinbruch der Sparte Ingenieurbau und schickte seine Aktien damit auf den tiefsten Stand seit einem halben Jahr.

Stuttgart - Für den Gesamtkonzern sei 2008 trotz der Ergebniseinbuße der Sparte Ingenieurbau mit Zuwächsen beim operativen Ergebnis (Ebita) und beim Überschuss zu rechnen, stellte Bilfinger Berger am Montag in Aussicht.

Mit kräftigem Schub durch die boomenden Industriedienstleistungen sei Ende dieses Jahres ein Ebita von rund 260 (Vorjahr: 242) Millionen Euro und ein Überschuss von rund 140 (Vorjahr: 134) Millionen zu erwarten. Reuters-Daten zufolge rechneten die Analysten bislang im Schnitt mit einem Anstieg des Überschusses auf 164 Millionen Euro. Investoren trennten sich panikartig von den im Nebenwerteindex MDax gelisteten Aktien. Die Papiere büßten binnen Minuten rund 18 Prozent ein und fielen auf 41,40 Euro.

Auslöser für die Gewinnwarnung sind der schleppende Fortschritt und steigende Kosten beim Bau einer 38 Kilometer langen Autobahn in Norwegen durch bergiges Gebiet. "Wir haben die Geologie und Topographie unterschätzt", sagte ein Sprecher von Bilfinger Berger. Der im Sommer 2006 begonnene Bau umfasse zahlreiche Brücken und Tunnel, es gebe logistische Probleme.

Der auf 475 Millionen Euro taxierte Streckenabschnitt ist Bestandteil der Autobahn E 18 zwischen Oslo und Kristiansand. Dies ist eine der Hauptverkehrsadern des Landes. Nach dem Bau übernimmt eine Projektgesellschaft, an der Bilfinger zur Hälfte beteiligt ist, Betrieb und Instandhaltung des Teilstücks für eine Laufzeit von 25 Jahren. Dafür zahlt der norwegische Staat ein festes Entgelt.

Die bereits Ende vergangenen Jahres gebildeten Rückstellungen in Höhe von 25 Millionen Euro reichten nicht mehr aus. Die Risikovorsorge müsse um 65 Millionen Euro erhöht werden. Bilfinger Berger müsse das Bauvorhaben beschleunigen, um den Rückstand aufzuholen und den Auftrag fristgerecht bis August kommenden Jahres fertigzustellen - andernfalls drohen Vertragsstrafen.

Bilfinger Berger ist der größte Konkurrent des deutschen Marktführers Hochtief und gilt als Spezialist für Ingenieurbauprojekte mit Tunneln und Brücken. Für die Sparte Ingenieurbau hatte Bilfinger Berger in diesem Geschäftsjahr mit einem Anstieg des Ergebnisses gegenüber dem Vorjahreswert von 58 Millionen kalkuliert. Nun sei von einem Ergebnisbeitrag der Sparte in Höhe von nur noch 15 Millionen Euro auszugehen, prognostizierte der Mannheimer Konzern.

2007 hat Bilfinger Berger eine Bauleistung von 9,2 Milliarden Euro abgerechnet, für dieses Jahr traute sich der Konzern bei voll ausgelasteten Kapazitäten noch einmal eine Steigerung zu. Das Gros der Erträge erwirtschaftet der Konzern mit rund 55.600 Mitarbeitern mittlerweile mit seiner durch Zukäufe gestärkten Sparte Industriedienste und Gebäudemanagement. Nur noch ein kleiner Teil der Erträge stammt aus dem angestammten Ingenieur- und Hochbaugeschäft.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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