Sieben-Wochen-Tief Dolly schont Ölpreis

Die Katastrophenmeldungen aus dem Golf von Mexiko blieben aus, obwohl weltweit weiter steigende Ölpreise befürchtet wurden. Das Sturmtief Dolly hat den Ölpreis nicht in die Höhe treiben können. Jetzt ist Öl sogar so günstig zu haben wie seit sieben Wochen nicht mehr.

Düsseldorf - Airlines fliegen langsamer, Autos bleiben in der Garage und Reeder fordern ihre Kapitäne zum Spritsparen auf. Und jetzt schlägt die niedrigere Nachfrage auf die Preise durch: Mit 123,62 Dollar pro Barrel (159 Liter) notierte der Rohölpreis an den Rohstoffbörsen am Donnerstag so niedrig, wie schon seit sieben Wochen nicht mehr.

Obwohl die US-Rohölbestände stärker gefallen sind als erwartet, ist der Preis gesunken. Verantwortlich dafür ist die gesunkene Nachfrage nach Benzin. Die Kapazitätsauslastung der US-Raffinerien ist zwar gesunken, dennoch erklommen ihre Vorräte ein Rekordhoch. "Dass die Lagerbestände dennoch so stark ansteigen, deutet auf eine extrem schwache Nachfrage hin", stellten die Commerzbank-Analysten in ihrem Tageskommentar fest.

Ölverbraucher auf der Bremse

Auch in Deutschland gibt es schon seit einigen Wochen Anzeichen dafür, dass die Ölnachfrage sinkt. Airlines wie Easyjet  und Air Berlin  kündigten an, wegen niedrigerer Gewinne als erwartet Flugverbindungen zu streichen. Außerdem sollen ihre Piloten langsamer fliegen, um Kerosin zu sparen.

Die Industrie drosselt ebenfalls ihre Produktion und damit den Ölverbrauch. Darauf deutet der als wichtiger Konjunkturindikator geltende Ifo-Geschäftsklimaindex hin, der mit einem Wert von 97,5 Punkten auf den niedrigsten Stand seit knapp drei Jahren stürzte, wie das Institut am Donnerstag mitteilte.

In dieser Lage hat selbst der Wirbelsturm "Dolly" im Golf von Mexiko den Ölpreis nicht in die Höhe getrieben. Zwar richtete der Hurrikan auf dem Festland schwere Verwüstungen an, verschonte aber die Ölplattformen. Der Ölkonzern Shell  hatte im Vorfeld rund 70 Ölbohrinseln und Plattformen evakuiert. Die Produktion im Golf von Mexiko fiel um 4,7 Prozent, teilte das US-Innenministerium mit.

Auftakt der Hurrikan-Saison

Die Hurrikan-Saison hat jedoch gerade erst begonnen. Meteorologen erwarten für August und September noch sechs bis neun weitere Stürme. Diese bergen, wie die vergangenen Jahre gezeigt haben, stets die Gefahr rasanter Preisanstiege, sofern sie die Förderung nachhaltig zum Erliegen bringen.

Bislang hatte die Kursrallye ihr Maximum bei mehr als 147 Dollar erreicht. US-Händler sehen die Schallmauer von 150 Dollar, die im Verlauf der vergangenen Handelswochen beinahe erreicht wurde, als "Grenze dessen, was Verbraucher bereit waren, zu akzeptieren".

Womöglich hält der Druck auf den Ölpreis an. Neue noch unerschlossene Öl- und Gasvorkommen in der Arktis lassen hoffen, dass der Ölpreis weiter sinkt. Dort liegen nach Einschätzung von amerikanischen Geologen rund 90 Milliarden Barrel Öl, das sind rund 7,5 Prozent des weltweiten Vorkommens. Das wäre genug, um die Welt bei gleichbleibender Nachfrage drei Jahre lang zu versorgen.

Der Bericht heizt den Streit um die Vorkommen unter dem Meer weiter an: Ein Drittel der geschätzten 90 Milliarden Barrel Öl unter der Arktis befinden sich laut USGS auf dem Gebiet des amerikanischen Bundesstaates Alaska, der Rest verteile sich auf das Gebiet Russlands, Kanadas und Grönlands. Aber auch Norwegen erhebt Anspruch auf die in der Arktis lagernden Rohstoffe.

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