Auftragsplus Rekordquartal für ABB

Das Geschäft beim Siemens-Konkurrenten ABB boomt trotz aller Sorgen vor dem großen Abschwung. Der Schweizer Technologiekonzern meldet ein üppiges Orderplus. Erstmals kommen mehr als die Hälfte der Aufträge aus Schwellenländern.

Zürich - Der Schweizer Technologiekonzern ABB  hat mit dem guten Quartalsabschluss die Befürchtungen vor einer Abschwächung des boomenden Geschäfts entkräftet. Der Auftragseingang beschleunigte sich im zweiten Quartal 2008 und wuchs nach Unternehmensangaben vom Donnerstag im Vergleich zum Vorquartal um 31 Prozent auf 11,27 Milliarden Dollar.

Zum ersten Mal kam mehr als die Hälfte der Auftragseingänge aus Schwellenländern. Mit dem hohen Auftragsbestand dürfte der Umsatz des Konzerns für mindestens ein Jahr gesichert sein, erklärte Landsbanki-Analyst Christoph Ladner.

Interimskonzernchef und Finanzvorstand Michel Demaré sprach von einem Rekordquartal. In den Schwellenländern, aber auch in entwickelten Märkten böten sich sehr gute Möglichkeiten für organisches Wachstum.

Am 1. September übernimmt Joseph Hogan das Ruder bei dem schweizerisch-schwedischen Konzern. Verwaltungsratspräsident Hubertus von Grünberg hatte Hogan zum Nachfolger des von ihm überraschend geschassten Fred Kindle auserkoren. Demaré bleibt Finanzchef.

Angesichts der Abkühlung der Weltkonjunktur und der Gewinnwarnung des Konkurrenten Rockwell  hatten Analysten eine Verlangsamung des Auftragswachstums befürchtet. ABB ist aber im Gegensatz zu vielen Konkurrenten vor allem in Gebieten tätig, die von einer strukturellen Nachfrage profitieren und deshalb wenig konjunkturempfindlich sind. Entsprechend erhöhte der Konzern die Umsatzprognose.

Neu sieht ABB in der Automations-Sparte dieses Jahr ein Wachstum von klar über 10 Prozent nachdem bisher von 10 Prozent Plus ausgegangen worden war. Die hohen Rohstoffpreise veranlassen die Öl- und die Metallbranche, ihre Kapazitäten auszubauen und in energiearme Prozesse zu investieren. In der Energietechnik-Sparte, die vom Aufbau von Stromleitungen profitiert, wiederholte ABB die Prognose eines Wachstums von rund 15 bis 20 Prozent im Gesamtjahr.

Die hohe Nachfrage erlaubt es ABB auch, bei der Annahme von Aufträgen wählerisch zu sein. Dies hilft der Rentabilität. Der Konzern steigerte den Reingewinn im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel auf 975 Millionen Dollar. Die steigenden Preise für Rohstoffe wie Kupfer  oder Stahl kann ABB an die Kunden weitergeben. Auch der zunehmende Komponenteneinkauf in Schwellenländern haben den Gewinn nach oben getrieben.

Die Börse honorierte den Abschluss allerdings nicht. Gewinnmitnahmen drückten die ABB-Aktien nach anfänglichen Avancen ins Minus; die Titel verloren bis zum frühen Nachmittag 4,6 Prozent auf 28,82 Franken. Ein Händler verwies darauf, dass ABB die Erwartungen beim Reingewinn lediglich knapp erfüllt habe.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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